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Austria Börsenbrief
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Eine Zwischenbilanz der Coronapandemie

24.11.2021 | Austria Börsenbrief Nr. 46/2021

November 2021 – ein Déjà vu-Erlebnis. Vor exakt einem Jahr musste die Wirtschaft zum damals zweiten Mal heruntergefahren werden, weil die Infektionszahlen dramatisch angestiegen waren, was die Spitäler an den Rand der Überlastung führte. Ein kurzer, strenger Lockdown sollte die Pandemie beenden – ein verhängnisvoller Irrtum. Nun stehen wir also mitten im Lockdown Nummer Vier und können nur hoffen, dass dessen Wirkung bis zur Einführung der allgemeinen Impfpflicht anhalten wird.

Die Kosten der abermaligen Schließungen belaufen sich, ersten Berechnungen zufolge, auf 2,7 Milliarden Euro, allerdings nur, wenn der Lockdown, wie angekündigt, tatsächlich am 12. Dezember endet. Sollte er bis Jahresende ausgedehnt werden, dann wären es fünf Milliarden, also jene Summe, die Finanzminister Blümel im Budget als „Corona-Spielraum“ eingeplant hat. Das Virus hat auch die Wirtschaftsleistung deutlich beeinträchtigt, und zwar weltweit. In Deutschland ging die Industrieproduktion während der Pandemie um elf Prozent zurück, in Frankreich um acht Prozent und in den USA um sieben Prozent. In Großbritannien waren es immerhin noch fünf Prozent. Die Störung der Lieferketten hat Österreich laut OeNB-Gouverneur Robert Holzmann im 2. und 3. Quartal je 0,3 Prozentpunkte an Wirtschaftswachstum gekostet. Über die Verschärfung der Maßnahmen (die ja nicht auf Österreich beschränkt sind) dürften sich lediglich die Autofahrer freuen. Der Erdölpreis gab zuletzt deutlich nach, was sich in abgeschwächter Form auch an den Tankstellen bemerkbar machte.

Auch für Aktionäre der Post gibt es Positives zu berichten: Das Ausweichen der Konsumenten auf Online-Bestellungen beschert der Post täglich zusätzliche 80.000 Paketsendungen mehr. Dem stationären Handel hingegen entgehen laut der Schätzung des Center of Retail and Consumer Research der Linzer Johannes Kepler Universität täglich bis zu 140 Millionen Euro. Doch die ersten Analysten sprechen bereits von der „Zeit danach“ – der Phase nach Beendigung der pandemiebedingten Maßnahmen einschließlich finanzieller Hilfen. An der Börse wirft diese Phase bereits ihre Schatten voraus. Besonders krass ist das an den Aktien der Videokonferenz-Plattform Zoom Video Communications abzulesen. Vor rund einem Jahr noch in der Region um 400 Euro, pendelt der Kurs derzeit um die 220 Euro. Solche „Krisengewinner“, bei denen derzeit Absturzgefahr herrscht, gibt es an der Wiener Börse nicht. Nicht einmal die Post-Aktie konnte nennenswert von der Zunahme des Versandhandels profitieren, obwohl Infrastrukturwerte generell zu den Gewinnern zählten und der jetzige Lockdown – siehe oben – zusätzliches Geschäft bringt.

Was ist von „Back to normal“ (das ja irgendwann kommen wird) zu erwarten? Infrastruktur bleibt gefragt, der Fokus wird wieder stärker auf dividendenstarke Aktien gelegt, und die höheren Inflationszahlen, die uns offenbar noch eine Weile begleiten werden, führen dazu, dass die Vermögensberater bei gemischten Portfolios die Anleihe-Positionen weiter zurückfahren dürften. Profitieren können davon freilich nicht nur die Aktien, sondern auch US-Anleihen, deren Renditen deutlich über jenen europäischer Schuldverschreibungen liegen.

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