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Austria Börsenbrief
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Die Lohnforderungen werden die Inflation hoch halten

24.08.2022 | Austria Börsenbrief Nr. 33/2022

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

zu den zentralen Themen für Anleger zählt derzeit zweifellos die Inflation. Sie ist ein wichtiger Maßstab, an dem sich die Rentabilität eines Investments orientiert. Inflation entsteht, so sagen es uns die Wirtschaftswissenschaften, im Wesentlichen entweder durch Kostendruck („cost push inflation“) oder durch Nachfragesog („demand pull inflation“). Überdies können teurere Rohstoffpreise wie wir es derzeit erleben, aber auch eine Ausweitung der Staatsausgaben zu Inflationsschüben führen. An sich wäre das ein singulärer Vorgang, denn wenn die Rohstoffpreise dann nicht mehr weiter steigen, sich die Nachfrage auf dem erreichten höheren Niveau einpendelt oder die gestiegenen Kosten in den Preise nuntergebracht sind, pendeln sich die Preise eben auf einem höheren Niveau ein. Doch genau so ist es nicht, und das sehen wir gerade jetzt. Es kündigen sich die sogenannten „second-round effects“ an. Zweitrundeneffekte führen dazu, dass die Inflation auch in die nächste Periode bzw. das nächste Jahr ausstrahlt. Genau das hat ÖGB-Chef Wolfgang Katzian dieser Tage angekündigt. Der mächtige Gewerkschafter ließ in einem Interview durchblicken, dass die Interessenvertreter bei den bevorstehenden Tarifverhandlungen Einmalzahlungen zur Abgeltung der Inflation nicht akzeptieren würden. Das – verständliche – Argument der Arbeitgeber, die dem Vernehmen nach solche Einmalzahlungen bevorzugen (noch hält sich die Arbeitgeberseite aber bedeckt): Mit einer Einmalzahlung könne man die Auswirkungen der aktuellen Inflation zumindest zum Teil abfedern, aber für die Zukunft keinen zusätzlichen Lohnkostendruck mitnehmen. Die ebenso verständliche Argumentation der Gewerkschaft: Die Inflation werde keineswegs so rasch abflachen, wie sich das viele wünschen, daher müsse die Inflation dauerhaft abgefedert werden. Den bisherigen Erfahrungen gemäß wird die Einigung irgendwo in der Mitte erfolgen, doch dass es Zweitrundeneffekte geben wird, lässt sich schon jetzt absehen. Begraben Sie also Hoffnungen auf ein rasches Ende der Inflation – sie wird uns noch länger begleiten. Es ist nämlich davon auszugehen, dass die Abgeltung der Inflation weltweit zum Thema der Lohnverhandlungen wird. Einen Vorgeschmack, was da auf uns zukommt, bekommen wir bereits jetzt. Im größten britischen Containerhafen Felixtown streiken die Hafenarbeiter, weil ihnen das Arbeitgeberangebot von sieben Prozent zur Abgeltung der Inflation zu gering erscheint. Auch die britische Bahn meldet Streiks. Noch keine Streiks, aber harte Verhandlungen finden derzeit zwischen Lufthansa-Führung und Piloten statt. Hier geht es ebenfalls um eine Inflationsabgeltung, und zwar für das Restjahr 2022. Lohnverhandlungen wirken sich zumindest indirekt immer auch auf die Performance von Aktien aus. Anleger sind daher gut beraten, den Verlauf dieser Verhandlungen genauer als bisher zu verfolgen. Immer klarer wird auch, dass die Zinsen wohl in absehbarer Zeit in Bewegung geraten werden, obwohl die EZB hier bisher noch auf der Bremse steht. So meldete sich jüngst als Folge der Inflation der Präsident der deutschen Bundesbank Joachim Nagel zu Wort. Seine Worte sind überraschend klar: trotz zunehmender Rezessionsgefahr „müssen weitere Zinsschritte folgen“. Eurostoxx und ATX haben in der Woche nach dem 15. August mit Verlusten reagiert.

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