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Austria Börsenbrief
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Einhell legt Geschäftsbericht vor

27.04.2022 | Austria Börsenbrief Nr. 17/2022

Einhell (ISIN DE0005654933 – Euro 194,40) hat am Dienstag den 2021er Geschäftsbericht vorgelegt. Die Lektüre des Zahlenwerks stimmt auch in diesem Jahr sehr zufrieden. CEO Andreas Kroiss führt den Konzern mit einer ausgewogenen Mischung aus Vorsicht und forschem Unternehmertum. Der Konservatismus findet sich in der weiterhin risikoarmen Art der Auslandsexpansion sowie der soliden finanziellen Aufstellung. In die Offensive geht Kroiss in punkto Produktentwicklung, Marketing und Marktdurchdringung. Einhell konnte den Umsatz in 2021 um 28% auf 927,4 Mio. Euro steigern (Vorjahr: 724,7 Mio.) und dabei den auf die Aktionäre entfallenden Nettogewinn um 42% auf 58,6 Mio. Euro (Vorjahr: 41,2 Mio.), mithin auf 15,56 Euro (Vorjahr: 10,95) je Aktie steigern. Wir geben besonders zu bedenken, dass dies gelang, obwohl die Landauer einiges an Geld in die Hand nahmen, um die Marke Einhell weiter zu stärken. So ist allein der Aufwand für Werbung im vergangenen Jahr um 15,7 Mio. Euro auf 44,4 Mio. Euro (Vorjahr: 28,6 Mio.) gestiegen. Obwohl die Ausgaben für umfangreiche TV-Kampagnen letztlich als Investition in die Marke Einhell zu charakterisieren sind, laufen die entsprechenden Aufwände (anders als „normale“ Investitionen, bei denen die Ausgaben aktiviert und erst über die Zeit abgeschrieben werden) durch die Gewinn- und Verlustrechnung und haben damit den Jahresgewinn 2021 in voller Höhe belastet. Dass dennoch ein solch deutlicher Gewinnanstieg berichtet werden konnte, ist ein klares Zeichen der Stärke.

Nachdem in 2021 bereits in sechs Ländern TV-Kampagnen durchgeführt wurden, wird Einhell in 2022 die TV-Kampagnen auf insgesamt zwölf Länder ausweiten. Das wird die Bekanntheit und positive Wahrnehmung der Marke auch international verstärken. Den weiteren Aufbau der Marke Einhell nennt Kroiss in seinem Brief an die Aktionäre auch als eine der strategisch bedeutendsten Aufgaben. Des Weiteren soll heuer ein Hauptaugenmerk erneut auf der Erweiterung des Produktsortiments, speziell der erfolgreichen batteriebasierten Power X-Change Plattform liegen. Diese soll nochmals deutlich um ca. 50 Produkte erweitert werden, so dass die gesamte Produktpalette der Power X-Change Familie dann ca. 250 kompatible Produkte umfassen wird.

Interessierten Bilanzlesern wird im 2021er Zahlenwerk insbesondere auffallen, dass Einhell den Vorratsbestand per Ende 2021 massiv auf 450,0 Mio. Euro (Vorjahr: 194,8 Mio.) ausgeweitet hat. Ursächlich hierfür war die Entscheidung des Vorstands, den im weltweiten Handel bekannten Lieferkettenproblemen mit einer erhöhten Lagerhaltung zu begegnen. Spiegelbildlich dazu sanken die liquiden Mittel im Vorjahresvergleich von 32,1 Mio. Euro auf 11,5 Mio. Euro und die Bankverbindlichkeiten weiteten sich von 22,9 Mio. Euro auf 182,3 Mio. Euro aus. Was in normalen Zeiten die Alarmlampen jedes aufmerksamen Bilanzlesers rot blinken lassen sollte, erscheint uns vor dem Hintergrund der viele Branchen belastenden Lieferkettenprobleme sowie der inzwischen angezogenen Inflationsraten als goldrichtiges Vorgehen. Erstens hat sich Einhell durch den frühzeitigen Lageraufbau die Lieferfähigkeit bewahrt und dürfte dadurch im Wettbewerb nun weitere Vorteile ausspielen können. Und zweitens profitiert Einhell durch die hohen Lagerpuffer eventuell auch noch von den aktuell hohen Inflationsraten, da bereits beschaffte und auf Lager liegende Waren zu erhöhten Preisen abgesetzt werden können. Ohne sehr starke Bilanzrelationen hätte Einhell diese Strategie nicht umsetzen können, was einmal mehr zeigt, wie eminent wichtig in der Aktienauswahl das Kriterium hoher bilanzieller Stärke ist.

Angesichts der extrem starken Zahlen zum ersten Quartal 2022 mit einem deutlichen Umsatzanstieg von 26,3% auf ca. 290 Mio. Euro (Vorjahr: 229,6 Mio.) und der gemeldeten „sehr guten Auftragslage“ haben wir keine Bedenken, dass der durchaus forsche Lageraufbau per Ende 2021 Einhell noch auf die Füße fällt. Des Weiteren ist zu bedenken, dass Einhell trotz des erheblichen Lageraufbaus immer noch eine sehr gute Eigenkapitalquote von 41,0% per 31.12.2021 (Vorjahr: 51,3%) aufweist. Der Vorstand sieht daher laut Geschäftsbericht (wohl zurecht) „keinerlei Schwierigkeiten, die aktuellen Geschäfte sowie auch ein künftiges, im Rahmen der weiteren Expansion, langfristig wachsendes Geschäftsvolumen finanziell bewältigen zu können“.

Wir sehen die mit einem 2022er KGV von rund 11 weiterhin sehr günstig bewertete Aktie nach wie vor als Kauf.

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