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Merck KGaA mit strategisch wichtiger Weichenstellung

29.06.2026 | Money Mail Nr. 051/2026

Der Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzern hat mit der angekündigten Übernahme des US-Life-Science-Unternehmens Bio-Techne für einen Unternehmenswert von 11,3 Mrd. Dollar eine tiefgreifende strategische Weichenstellung vorgenommen.

Das älteste pharmazeutisch-chemische Unternehmen der Welt, das sich zu 70 % im Besitz der Familie Merck befindet und bei dem die restlichen 30 % der Kommanditaktien im Streubesitz liegen, stärkt damit gezielt seine größte Sparte. In diesem Life-Science-Segment entwickelt und vertreibt die Gruppe Geräte und Verbrauchsmaterialien für die biopharmazeutische Prozesstechnik sowie für Industrie- und Forschungslabore.

Neben dieser Sparte ist das Unternehmen in der Entwicklung rezeptpflichtiger Arzneimittel im Bereich Healthcare sowie in der Produktion von Flüssigkristallen, OLEDs und Halbleitermaterialien im Segment Electronics aktiv. Die Großakquisition von Bio-Techne stellt die drittgrößte Übernahme der Unternehmensgeschichte dar und fügt sich konsequent in die bestehende Vier-Säulen-Strategie ein, welche unter anderem auf eine Fokussierung auf wachstumsstarke Bereiche wie Process Solutions und den Ausbau integrierter Gesamtlösungen setzt.

Durch den Zukauf baut der Konzern seine Position in hochinnovativen und zukunftsträchtigen Märkten wie den ganzheitlichen Analysemethoden der Multi-Omics (Multi-molecular-omics), Proteomics (Proteome-research), Spatial Biology sowie in der Zell- und Gentherapie deutlich aus. 

Bio-Techne erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von 1,22 Mrd. Dollar und überzeugte dabei mit einer hohen bereinigten operativen Marge von rund 32 %. Finanziell wird die Transaktion mit einem Multiplikator von Unternehmenswert zum EBITDA von 23,2x für das Jahr 2027 bewertet. Unter Einbeziehung der angestrebten jährlichen Kostensynergien von 140 Mio. Euro, die innerhalb von drei Jahren vollständig realisiert werden sollen, sinkt diese Bewertung auf einen Multiplikator von 17,5x. Das Management geht davon aus, dass die Akquisition spätestens ab dem dritten Jahr nach dem für Ende 2026 oder Anfang 2027 erwarteten Abschluss positiv zum bereinigten Gewinn je Aktie beitragen wird.

Finanzielle Solidität und operative Entwicklung: Die operativen Perspektiven für das Gesamtjahr weisen jüngst bereits eine spürbare Aufwärtsdynamik auf. So hob das Management nach soliden Zahlen für das erste Quartal 2026 die Jahresprognose an. 

Die fremdkapitalfinanzierte Übernahme von Bio-Techne führt zwar temporär zu einem deutlichen Anstieg der Nettoverschuldung, die Ende des ersten Quartals 2026 bei 8,3 Mrd. Euro lag, doch zeigen historische Vergleiche wie die Integration von Millipore oder Sigma-Aldrich, dass der Konzern dank seiner starken Cashflows traditionell zu einem raschen Schuldenabbau in der Lage ist.

Das Pro-forma-Verhältnis von Nettoverschuldung zu EBITDA soll laut Landesbank Baden-Württemberg auch nach der Transaktion unter der Marke von 3x verbleiben, wodurch die soliden Investment-Grade-Ratings im starken A-Bereich nicht gefährdet scheinen. 

Der Markt achtet neuerdings auch wieder auf die Chancen: Merck hatte an der Börse lange einen schweren Stand. Zuletzt war aber ein Sinneswandel bei den Anlegern zu registrieren. Jedenfalls geht es mit dem Kurs jetzt wieder aufwärts. Das hat vermutlich auch damit zu tun, dass die aktualisierte Strategie aus Sicht vieler Marktteilnehmer die Grundlage für zukünftiges Wachstum bildet.

Sie stützt sich nach Angaben der DZ Bank auf bereits zuvor erwähnte vier klare Säulen: Erstens die Konzentration auf die wachstumsstärksten Geschäftsfelder wie Process Solutions. Zweitens die Entwicklung hin zu integrierten Gesamtlösungen für Kunden anstelle einzelner Produkte. Drittens die bessere Nutzung eigener Technologieplattformen über verschiedene Bereiche hinweg. Viertens wird das Wachstum durch gezielte Firmenzukäufe und die Einlizenzierung von Innovationen weiter beschleunigt, wie die erfolgreiche Integration von Springworks im Healthcare-Bereich bereits zeigt. Diese klar definierte und disziplinierte Strategie, kombiniert mit der starken operativen Entwicklung, bildet die Basis für die positive Bewertung des Unternehmens. 

Die Bewertung ist ebenfalls noch vertretbar: Analysten gingen bisher in diesem Jahr von einem Anstieg beim Gewinn je Aktie von 6,00 Euro auf 7,96 Euro aus, ein Wert, der den Konsensprognosen bis 2029 auf 10,60 Euro zulegen soll. Auf letztgenannter Basis beträgt das geschätzte KGV 13,74, was wir für nach wie vor vertretbar halten. Branchenkonkurrenten kommen jedenfalls auf höhere Bewertungsrelationen. Vor diesem Hintergrund lautet unser Rat, an dieser Position festzuhalten. Denn die Chancen darauf, die weiterhin gemessen an der Erstbesprechung angeschriebenen Buchverluste eliminieren zu können, stehen so gut wie schon lange nicht mehr.

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