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Fragiles Fundament: Warum die ambitionierten Gewinnziele das größte Risiko der Börsenrallye sind

08.06.2026 | Money Mail Nr. 044/2026

Die aktuelle Stärke an den globalen Aktienmärkten und das solide Fundament der Börsenrallye stehen und fallen mit der Einlösung extrem ambitionierter Gewinnziele, schreibt die DZ Bank in einer aktuellen Publikation. Zwar wächst der Halbleitermarkt im Zuge des globalen KI-Booms mit einer enormen Dynamik und erzielte im März 2026 einen Dreimonatsdurchschnitt beim Umsatz von knapp 100 Mrd. Dollar, was einem Zuwachs von rund 80 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. 

Das tragende Fundament der Kurssteigerungen ist jedoch die Erwartung, dass diese Unternehmen ein prognostiziertes Gewinnwachstum von rund 60 % tatsächlich liefern. Auch beim Dax erwarten Analysten übrigens im Konsens ein durchschnittliches Gewinnwachstum von rund 14 %. Unterstützt wird diese Erwartung durch den Fiskalimpuls aus dem Infrastruktur und Verteidigungspaket der Bundesregierung. Die fiskalische Maßnahme wirkt jedoch selektiv. Sie sorgt für volle Auftragsbücher in einigen Branchen, insbesondere im Industriesektor, ohne jedoch die gesamtwirtschaftliche Schwäche auszugleichen.

Weil die Gewinnerwartungen zuletzt schneller gestiegen sind als die Aktienkurse selbst, wirken die Bewertungen in den USA optisch günstiger als zuvor. Sollten diese ambitionierten Ziele jedoch verfehlt werden, bricht die fundamentale Stütze der gesamten Rallye weg. Genau an dieser Stelle zeigen sich die massiven Verwundbarkeiten der aktuellen Prognosen, da die erhofften Gewinne auf hochgradig fragilen Annahmen basieren. Ein wesentlicher Teil des Kursauftriebs und der Margenhoffnungen im energieintensiven Technologiesektor sowie im Dax resultiert aus dem jüngsten Rückgang des Ölpreises für die Sorte Brent auf rund 95 Dollar. Dieser Preisrückgang mindert den Kostendruck und nährt die Hoffnung auf ein günstigeres Zinsumfeld durch die EZB.

Allerdings spiegelt dieses Sinken unter die Marke von 100 Dollar primär die verfrühte Erwartung einer Marktentspannung wider, obwohl eine echte Waffenruhe im Iran-Konflikt nicht unterzeichnet ist und jüngste US-Militärschläge in der Golfregion die anhaltende Brisanz verdeutlichen. Da der Ölpreisrückgang somit jederzeit reversibel ist, droht bei einer erneuten Eskalation ein plötzlicher Kostenschub, der die Gewinnmargen der Unternehmen direkt angreift, so die DZ Bank.

Wie anfällig die Gewinnziele der Unternehmen in der Realität sind, untermauert zudem die drastische Abkopplung der Aktienmärkte von der tatsächlichen Wirtschaftsentwicklung. Während die Kurse steigen, brechen die realwirtschaftlichen Wachstumsprognosen massiv weg. Der Sachverständigenrat hat die BIP-Prognose für Deutschland für das Jahr 2026 inflationsbedingt von 0,9 % auf 0,5 % nahezu halbiert, gestützt durch entsprechende Abwärtsrevisionen von DIHK und IW Köln.

Wenn sich das konjunkturelle Umfeld derart eintrübt, steigen die Risiken laut DZ Bank drastisch, dass die Unternehmen die für die Bewertung notwendigen, ambitionierten Gewinnsteigerungen von 60 % nicht erreichen können, was die Verwundbarkeit der aktuellen Börsenrallye vollends offenlegt.

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