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Für einen Bullenmarkt sind Unternehmensanleihen oft wichtiger als Staatsanleihen
26.05.2026 | Der Internationale Nr. 11/2026Die Anleiherenditen sind in diesem Jahr vielerorts weltweit deutlich gestiegen. Als ein gutes Beispiel dafür, was hier los ist, taugen die dreißigjährigen US-Staatsanleihen. Denn deren Rendite war beim kürzlich aufgestellten bisherigen Jahreshoch von 5,19 % so hoch wie seit 2007 nicht mehr. Dass dies vielen Marktteilnehmern Sorgen bereitet, ist schon alleine deshalb nicht verwunderlich, weil die USA und andere Staaten sehr hoch verschuldet sind und wenn die Renditen steigen, werden die Zinslasten immer größer.
Die Tatsache, dass sich die Börsen dennoch recht wacker schlagen, mag zunächst überraschen. Zumal höhere Anleiherenditen auch mehr Anlagekonkurrenz für Aktien bedeuten. Aber das derzeitige Marktverhalten ist gar nicht so untypisch. Denn historische Daten zeigen, dass ein gesunder Risikoappetit am Markt für Unternehmensanleihen traditionell ein starkes Signal für einen Bullenmarkt bei Aktien ist.
So gesehen ist es ermutigend, dass sich in den USA Unternehmensanleihen jüngst besser entwickelt haben als Staatsanleihen. Denn laut Julius Bär erreichten sowohl US-Hochzinsanleihen (High-Yield-Bonds) als auch erstklassige US-Unternehmensanleihen (Investment-Grade-Bonds) im Hinblick auf ihre relative Wertentwicklung gegenüber zehnjährigen US-Staatsanleihen neue Mehrjahreshöchststände.
Intuitiv würde man annehmen, dass dies ein seltenes Signal ist. Doch wie die zitierte Schweizer Privatbank bestätigt, ist ein Verhalten wie skizziert historisch gesehen seit 1984 in etwa 37 % der Fälle vorgekommen. Und jetzt kommt hierzu der eigentliche Clou. Denn rückblickend zeigt sich, dass steigende Zinsen normalerweise zwar ein schlechtes Zeichen für risikoreiche Anlagen wie Aktien sind.
Doch bei diesem Zusammenspiel ist es die relative Wertentwicklung des Kreditmarktes, die den entscheidenden Unterschied macht. So erzielte der S&P 500 eine jährliche Performance von 13,4 %, wenn die Renditen stiegen, Unternehmensanleihen jedoch eine relative Stärke demonstrierten. Wenn hingegen die Renditen stiegen und Unternehmensanleihen relative Schwäche zeigten, brach der S&P 500 auf Jahresbasis um 36 % ein. Zum Vergleich: Eine Kaufen und-Halten-Strategie brachte seit 1984 im Schnitt 9,4 % ein.
Die Botschaft der Daten ist also eindeutig: Nicht die steigenden Zinsen an sich sind das Problem für den Aktienmarkt, sondern die Frage, ob der Kreditmarkt ihnen standhält. Da Letzteres aktuell der Fall ist, bleibt die Ampel für Aktieninvestitionen vorerst auf Grün.
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