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US-Aktien: Wiederholt sich die Geschichte, könnte aus einer moderaten eine massive Überbewertung werden

12.05.2026 | Der Internationale Nr. 10/2026

Lange Zeit galt das Kurs-Gewinn-Verhältnis, kurz KGV, als wichtigste Kennzahl zur Bewertung von Aktien. Die Logik dahinter ist einfach: Je höher der Aktienkurs im Verhältnis zum Gewinn eines Unternehmens liegt, desto teurer erscheint die Aktie. Doch genau dieses klassische Bewertungsmodell gerät zunehmend ins Wanken. Darauf weist auch die Bank Metzler in einer aktuellen Analyse hin. 

Denn das Problem beginnt bereits bei den Gewinnen selbst. In wirtschaftlichen Boomphasen fallen sie oft außergewöhnlich hoch aus, in Krisen dagegen ungewöhnlich niedrig. Das KGV liefert dadurch gerade an wichtigen Wendepunkten häufig ein verzerrtes Bild.

Deshalb arbeiten viele Analysten inzwischen mit langfristig geglätteten Gewinnen über zehn Jahre. Doch selbst diese bereinigten Modelle lieferten beim US-Aktienmarkt zuletzt auffallend unbefriedigende Ergebnisse. Seit 2014 signalisierten sie immer wieder eine eher hohe Bewertung und damit unterdurchschnittliche Renditechancen. Tatsächlich stiegen die US-Börsen aber immer weiter.

Für Metzler ist das ein Hinweis darauf, dass sich die Struktur der Wirtschaft verändert hat. Moderne Unternehmen – insbesondere Technologiekonzerne – benötigen deutlich weniger klassische Investitionen in Fabriken oder Maschinen, um hohe Mittelzuflüsse zu erzielen. Ein immer größerer Teil der Wertschöpfung landet direkt bei den Kapitalgebern. Genau deshalb rückt nun eine andere Kennzahl stärker in den Fokus: das Verhältnis von Unternehmenswert zum freien Cashflow. 

Gemeint ist damit vereinfacht gesagt der Gesamtwert eines Unternehmens im Verhältnis zu dem Geld, das nach allen laufenden Kosten und Investitionen tatsächlich übrig bleibt. Diese Kennzahl gilt als näher an der wirtschaftlichen Realität, weil sie nicht auf bilanziellen Gewinnen basiert, sondern auf real verfügbaren Mitteln. Die historische Analyse von Metzler ist dabei besonders spannend. Während klassische Bewertungsmodelle den US-Markt über viele Jahre hinweg als extrem teuer erscheinen ließen, zeigte das Verhältnis von Unternehmenswert zu freiem Cashflow lange Zeit ein deutlich entspannteres Bild. Erst
zuletzt änderte sich das. Inzwischen signalisiert auch diese Kennzahl eine moderate Überbewertung des US-Aktienmarktes.

Genau an diesem Punkt wird die Diskussion hochinteressant. Denn „moderat überbewertet” muss keineswegs das Ende einer Hausse bedeuten. Historisch begann die eigentliche Euphorie oft erst dann, wenn Anleger glaubten, eine neue wirtschaftliche Ära erkannt zu haben.

Ein Blick zurück auf die Jahre 1998 bis 2000 zeigt das eindrucksvoll. Damals schoss nicht nur das KGV, sondern auch das Verhältnis von Unternehmenswert zu freiem Cashflow massiv nach oben. Der Auslöser war die Euphorie rund um Telekommunikation, Medien und Internet – die berühmte TMT-Blase. Heute erinnert manches an diese Phase. Wieder treibt eine technologische Revolution die Fantasie der Investoren an. Diesmal heißt das Schlagwort Künstliche Intelligenz. Wieder konzentriert sich die Börsenhausse stark auf wenige große Technologiekonzerne.

Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass eine Spekulationsblase unmittelbar bevorsteht. Es bedeutet aber sehr wohl, dass selbst eine bereits erhöhte Bewertung noch deutlich extremer werden kann, wenn sich die Euphorie weiter beschleunigt.

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