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KI-Bullenmarkt: Fünf entscheidende Unterschiede zur Dotcom-Blase
05.08.2026 | Austria Börsenbrief Nr. 31/2026Die Geschichte reimt sich oft – aber sie wiederholt sich nicht zwangsläufig eins zu eins. Das gilt auch an den Börsen. Der aktuelle KI-Boom weist zwar zahlreiche Gemeinsamkeiten mit dem Internetzeitalter der späten 1990er Jahre auf: Milliarden fließen in den Aufbau neuer Infrastruktur, Technologiekonzerne dominieren die Märkte und hohe Bewertungen sorgen regelmäßig für Blasendiskussionen. Dennoch wäre es nach Ansicht von Ned Davis Research voreilig, den heutigen Markt mit der Dotcom-Blase gleichzusetzen. Denn unter der Oberfläche unterscheiden sich beide Investitionszyklen in mehreren entscheidenden Punkten. Fünf davon haben die US-Strategen in einer aktuellen Studie herausgearbeitet.
Der erste Unterschied betrifft die gewaltigen Investitionen der großen Technologiekonzerne. Microsoft, Amazon, Alphabet und Meta geben heute einen deutlich höheren Anteil ihres Umsatzes für Rechenzentren, Netzwerke und Energieversorgung aus als die Telekomunternehmen zur Dotcom-Zeit. Teilweise liegt die Investitionsquote bei mehr als 40 %, bei Meta seit vier Quartalen sogar über 60 %. Entscheidend ist jedoch, dass diese Ausgaben nach Einschätzung der Analysten weiterhin dem Ausbau einer wachsenden Infrastruktur dienen. Für 2027 erwarten die Konsensschätzungen sogar einen weiteren Anstieg der Investitionen.
Noch wichtiger ist der zweite Unterschied: Die Infrastruktur wird bereits erfolgreich monetarisiert. Während viele Internetunternehmen Ende der 1990er Jahre kaum Umsätze erzielten und den Netzausbau überwiegend über Schulden finanzierten, erwirtschaften KI-Anbieter bereits Milliardenbeträge. OpenAI erreichte innerhalb von nur drei Jahren einen Jahresumsatz von rund 10 Mrd. Dollar. Gleichzeitig dürfte der Cloud-Umsatz der großen Hyperscaler inzwischen auf mehr als 375 Mrd. Dollar gestiegen sein. Die Nachfrage existiert also bereits heute – und nicht erst als Hoffnung für die Zukunft. Ein dritter Unterschied betrifft die Bewertungen. Während sich Börsenwerte in der Dotcom-Blase zunehmend von den tatsächlichen Gewinnen entfernten, ist die Entwicklung heute differenzierter. Die vier großen Hyperscaler vereinen rund 16 % der Marktkapitalisierung des S&P 500 auf sich, erwirtschaften jedoch mehr als 21 % der Unternehmensgewinne. Kritischer sieht NDR dagegen den Halbleitersektor. Dort sind die Bewertungen den Gewinnsteigerungen teilweise vorausgeeilt, sodass das Rückschlagpotenzial steigt, sobald sich das Wachstum der KI Investitionen verlangsamt.
Der vierte Unterschied liegt in den Bilanzen. Die Telekomkonzerne der Dotcom-Ära finanzierten den Netzausbau überwiegend mit Fremdkapital. Die heutigen Hyperscaler verfügen dagegen über starke Cashflows und solide Bilanzen. Mit Ausnahme von Oracle finanzieren sie ihre Rekordinvestitionen überwiegend aus eigener Kraft. Das reduziert das Risiko einer Finanzierungskrise erheblich.Schließlich sieht NDR bislang keine Anzeichen für jene Überkapazitäten, die nach dem Jahr 2000 den Technologiesektor jahrelang belasteten. Damals blieben riesige Glasfasernetze lange ungenutzt. Heute liegen die Leerstandsquoten nordamerikanischer Rechenzentren laut Studie bei lediglich rund 1 %. Selbst bei einer Abschwächung der Nachfrage könnten die großen Cloud-Anbieter zusätzliche Kapazitäten für KI-Modelle oder klassische Cloud-Dienste nutzen.
Das bedeutet keineswegs, dass Technologieaktien vor Rückschlägen gefeit wären. Im Gegenteil: NDR hält eine kräftige Korrektur für wahrscheinlich, sobald das Tempo der Investitionen nachlässt. Einen Zusammenbruch nach dem Muster der Dotcom-Blase erwarten die Strategen jedoch nicht. Der entscheidende Unterschied lautet: Damals wurde auf Hoffnungen investiert – heute werden bereits Milliarden verdient. Anleger sollten den KI-Bullenmarkt daher nicht voreilig abschreiben.
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