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Cewe: US-Markteintritt per Übernahme

05.08.2026 | Austria Börsenbrief Nr. 31/2026

Nachdem Cewe den eher unattraktiven und margenschwachen Geschäftsbereich Kommerzieller Online-Druck (KOD) zu einem aus unserer Sicht sehr guten Verkaufspreis veräußern konnte (Closing inzwischen erfolgt), wurde jüngst mit dem Erwerb des Geschäftsbereichs Kodak Moments von Kodak Alaris eine bedeutende Akquisition vermeldet.

Kodak Moments betreibt das weltweite Sofortfoto-Geschäft in 54 Ländern, beschäftigt rund 500 Mitarbeiter, betreibt ca. 37.000 online angebundene Fotostationen in 16.000 Ladengeschäften des Einzelhandels und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von rund 200 Mio. Euro. Die Transaktion erfolgt im Wege eines Carve-outs aus der Kodak Alaris-Gruppe. Cewe übernimmt den Geschäftsbereich einschließlich des Produktionsstandorts für Verbrauchsmedien in Windsor (Colorado, USA) zu einem vereinbarten Unternehmenswert (Enterprise Value) von insgesamt rund 88 Mio. Euro. Auf Basis der Zahlen zum 31. März 2026 ergibt eine Beispielberechnung eine abfließende Kaufpreiszahlung in Höhe von rund 72 Mio. Euro. Das Closing steht unter dem Vorbehalt verschiedener Vollzugsbedingungen und wird im ersten Halbjahr 2027 erwartet. Ab dem ersten vollen Geschäftsjahr nach dem Vollzug (voraussichtlich 2027) erwartet Cewe für das akquirierte Geschäft eine mittlere einstellige EBIT-Marge. Durch die geplante Realisierung von operativen Synergien soll der Ergebnisbeitrag in den Folgejahren sukzessive weiter gesteigert werden. Mit dem Erwerb baut Cewe seine internationale Marktpräsenz im Bereich des Sofortfotos am Point of Sale (POS) global aus, erschließt neben dem US-amerikanischen Markt auch noch die Märkte in Kanada, Mexiko und Australien und wird künftig die Marke Kodak Moments im Rahmen einer Lizenzvereinbarung für das internationale Endkundengeschäft nutzen. Zudem wird durch die Übernahme des Produktionsstandorts in den USA die Wertschöpfungstiefe im Sofortfoto-Geschäft ausgeweitet. 

Uns gefällt die Akquisition sehr gut. Während sich Markteintritte europäischer Unternehmen in den USA häufig schwierig gestalten, wenn sie aus eigener Kraft organisch gestemmt werden, kann Cewe mit der Übernahme diesen Schritt schnell, zu einem moderaten Preis (EV/EBIT-Multiple rund 8) und mit überschaubarem Risiko (weil eine etablierte Struktur übernommen wird) bewerkstelligen. Das erworbene Vertriebsnetz kann zukünftig genutzt werden, um das breite Produktspektrum von Cewe in den neuen Regionen auszurollen. Darüber hinaus vertieft Cewe seine Wertschöpfung, da am übernommenen Produktionsstandort Windsor die Farbbänder produziert werden, die Cewe bislang noch extern einkauft. Aus unserer Sicht wurden durch die letzten beiden M&A-Transaktionen massive Werte geschaffen. Der KOD-Verkauf betraf eine Einheit, die im zurückliegenden Geschäftsjahr 2025 bei Umsätzen von 89,6 Mio. Euro lediglich ein EBIT von 1,7 Mio. Euro brachte. Nun wird mit Kodak Moments ein Jahresumsatz von rund 200 Mio. Euro bei einem EBIT von rund 10 Mio. Euro hinzugekauft, womit zugleich ein wichtiger strategischer Internationalisierungsschritt erfolgt.

Dabei spülte der KOD-Verkauf nach unseren Recherchen sogar mehr Geld in die Kasse als der nun erfolgte Unternehmenserwerb auf der anderen Seite kostet. Obwohl die Transaktionskosten für den Neuerwerb im niedrigen bis mittleren einstelligen Mio.- Euro-Bereich liegen sollen, hat Cewe die 2026er Guidance bestätigt. 

Da ab 2027 die Vollkonsolidierung von Kodak Moments zu einem ordentlichen Umsatzsprung und einem EBIT-Ergebnisbeitrag von rund 10 Mio. Euro führen sollte, während mit dem Abgang von KOD heuer nur ein marginaler EBIT-Beitrag aus dem Konzern verschwindet, haben sich die Ergebnisaussichten für Cewe mit dieser Rochade spürbar verbessert - und zwar ohne dass letztlich überhaupt Geld für diese höheren Ergebnisaussichten in die Hand genommen werden musste. Daher bewerten wir die Akquisition als klar wertschaffend und sehen die Aktie weiter als klaren Kauf mit einem erhöhten fairen Wert von rund 155 Euro. Die Analysten von Montega haben nach Vermeldung der Transaktion ihr Kursziel für die Aktie von 140 Euro auf 147 Euro und Warburg Research von 139 Euro auf 158 Euro erhöht.

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