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Austria Börsenbrief
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Beim Rennen zurück zur Zinsneutralität birgt die Eurozone die größten Fallen

22.06.2022 | Austria Börsenbrief Nr. 25/2022

Beim globalen Wettlauf zurück zu geldpolitischer Neutralität liegen angesichts dieser Problematik die größten Risiken in der Eurozone, befürchtet auch Capital Economics. Denn nach Einschätzung des Research-Instituts dürfte die EZB Schwierigkeiten haben, ihre Politik zu normalisieren und gleichzeitig die Kreditkosten ihrer höher verschuldeten Mitglieder unter Kontrolle zu halten. Aber auch die Sorge um die Volkswirtschaften in der anfälligen Peripherie der Eurozone werde die politische Reaktion der EZB erschweren.

Aus der Sicht von Capital Economics waren die am Ende der jüngsten Dringlichkeitssitzung angekündigten Maßnahmen eher ein Notpflaster als eine dauerhafte Lösung. Das sei angesichts der Komplexität der kurzfristigen Formulierung politischer Maßnahmen zu erwarten gewesen. Aber die Tatsache, dass die Entscheidungsträger das Problem auf ihrer geplanten Sitzung nicht angemessen berücksichtigt hätten und dann vom Anleihemarkt zu einer Dringlichkeitssitzung einige Tage später gezwungen worden seien, sei angesichts der einzigartigen Herausforderungen, vor denen die EZB stehe, bedenklich.

Im Gegensatz zu anderen Zentralbanken müsse die EZB die kurzfristigen Zinssätze anheben und die finanziellen Bedingungen verschärfen, um den Inflationsdruck zu verringern, und gleichzeitig dafür sorgen, dass die Anleiherenditen in den hochverschuldeten Mitgliedstaaten nicht übermäßig ansteigen. Darüber hinaus müssten alle geldpolitischen Entscheidungen von den 25 Mitgliedern des EZB-Rats gebilligt werden, wobei es unterschiedliche Auffassungen darüber gebe, in welchem Umfang die Zentralbank die Anleihemärkte stützen sollte. Es sei möglich, dass die Bank das richtige Gleichgewicht finde, aber es werde nicht einfach sein.

Aus diesem Grund lohnt es sich laut Capital Economics, inmitten der weltweiten Aktivitäten der Zentralbanken zu beobachten, was mit der EZB geschieht: Während sich der Wettlauf um die Normalisierung der Geldpolitik zuspitzt, liegen die größten Fallen in der Eurozone, so das Research-Haus. Ein Scheitern beim Versuch, diese Fallen zu umgehen, wäre natürlich auch eine Belastung für die europäischen Aktienmärkte. Deshalb ist auch aus Börsianer-Sicht zu hoffen, dass sich die EU durch fehlenden politischen Mut bei dringend notwendigen Reformen nicht wieder selbst ins Bein schießt.

Ob die Eurozone in eine erneute Krise gerät oder nicht, hängt aus Sicht der Hamburg Commercial Bank jedenfalls in erster Linie von politischen Entscheidungen auf der Ebene der EU bzw. der Eurozone ab und weniger von der wirtschaftlichen Lage in Italien bzw. den Reformfortschritten der Regierung Draghi. In den USA, Japan und Großbritannien werde eine Insolvenz des Staates nie ernsthaft in Erwägung gezogen, weswegen die Renditen dort nur die Konjunkturlage inklusive der Inflationsaussichten widerspiegelten, während Bonitätsrisiken keine Rolle spielten. Dahin müsse auch die Eurozone kommen, wenn sie an den Kapitalmärkten mit den USA auf Augenhöhe konkurrieren wolle. Dafür bedürfe es politisch mutiger Entscheidungen, so das Urteil.

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