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Austria Börsenbrief
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Bei einer Rezession sind US-Aktien im historischen Vergleich noch immer zu teuer

25.05.2022 | Austria Börsenbrief Nr. 21/2022

Der Handel an den Weltbörsen am Dienstag hatte es mal wieder in sich. Schließlich erlitt der Dax ein Tagesminus von 1,8%, der Euro Stoxx 50 von 1,9% und der Nasdaq 100 Index von 2,2%. Das liest sich ernüchternd, trotzdem gibt es nach wie vor auch Chancen auf eine zumindest temporäre Gegenbewegung. Zumindest spricht dafür als Kontraindikator ein überaus hoher Pessimismus unter den Anlegern. Außerdem ist es so, dass der Dollar zuletzt etwas an Stärke verloren hat und die Renditen der zehnjährigen Staatsanleihen wieder etwas gesunken sind. Beides war bis vor kurzem noch anders und wurde da jeweils als wichtiger Belastungsfaktor für die globalen Aktienmärkte bezeichnet.

Dennoch gibt es nach wie vor ein grundsätzliches Problem. Und zwar jenes, dass es mit einer nachhaltigen Kurserholung dann schwierig werden könnte, falls die Weltkonjunktur tatsächlich in eine Rezession schlittern sollte. Wegen der hartnäckig hohen Inflation ist das aber leider durchaus denkbar. Zumal mit Russland und mit China zwei wichtige Weltmächte zuletzt Entscheidungen getroffen haben, welche die Rezessionsgefahren noch einmal stark erhöht haben. Gemeint sind damit natürlich der von Putin geführte Krieg in der Ukraine sowie das Festhalten des chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping an harten Lockdowns zur Bekämpfung der Pandemie, denn das hat unter anderem negative Folgen für die Lieferketten.

Zusätzlich kommt hinzu, dass das Gerede um eine schwache Konjunktur die Gefahr einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung trägt. Ed Yardeni von Yardeni Research hat deswegen gerade das Rezessionsrisiko in den USA von 30% auf 40% erhöht. Sollte es tatsächlich zu einer Rezession kommen, wäre das vermutlich ein großes Problem für die Börsen. Denn ein solches Szenario dürfte noch nicht komplett in den Kursen stecken.

Zumindest lassen diesen Schluss historische Daten zu. Auf der Basis der Gewinne der vergangenen 12 Monate ist das KGV von US-Aktien vom 36,5-fachen im ersten Halbjahr 2021 auf das 19,8-fache gesunken, heißt es in einer Studie der deutschen Privatbank Berenberg vom 19. Mai. Wie die Autoren darin weiter ausführen, handelt es sich dabei noch immer um ein Niveau, das über dem durchschnittlichen KGV der Zeit nach 1973 liegt. Um dieses zu erreichen, wäre ein weiterer Rückgang von 11% nötig. Sogar um weitere 27% müssten US-Aktien fallen, um zum durchschnittlichen KGV-Rezessionsmultiplikator nach 1990 (14,4x) zurückzukehren. Und wenn man den durchschnittlichen KGV-Rezessionsmultiplikator nach 1973 von 11,4x heranzieht, sind bis zum Durchschnittsniveau sogar Abschläge von 43% erforderlich.

Wegen diesem Sachverhalt macht es aus Anlegersicht Sinn, sich auf dem internationalen Parkett solange beim investieren etwas zurückzuhalten, bis mehr Klarheit besteht über die weitere Konjunkturentwicklung.

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