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Austria Börsenbrief
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Droht jetzt eine Hyperinflation? Von Franz C. Bauer

22.04.2020 | Austria Börsenbrief Nr. 17/2020

Seit zwei Ausgaben beschreiben wir volkswirtschaftliche Zusammenhänge, die den Hintergrund der Corona-Pandemie bilden. Zu Beginn haben wir angekündigt, dass wir uns auch näher mit der Frage beschäftigen wollen, ob jetzt nicht eine Hyperinflation droht. Unlogisch oder grundlos sind entsprechende Ängste natürlich nicht – immerhin pumpen Regierungen und Zentralbanken derzeit und in den kommenden Wochen ja billionenweise Euro und Dollar in den Markt. Muss das nicht zwangsläufig zu einer massiven Geldentwertung führen?

Wir haben es vor zwei Ausgaben bereits angedeutet: Die Volkswirtschaftslehre kennt grundsätzlich zwei Gründe für Inflation bzw. Inflationstypen: Die nicht sinnvoll ins Deutsche übersetzbaren Bezeichnungen demand pull und cost push-inflation. Widmen wir uns zunächst der Variante „cost push“ – als kostengetrieben. In der Vergangenheit führten immer wieder hohe Energiepreise zu Inflationsschüben. Danach sieht es derzeit aber nicht aus – im Gegenteil. Der Ölpreis ist im Zuge der Krise verfallen, und die Entkoppelung des Wirtschaftswachstums vom Energieverbrauch ist weit fortgeschritten. Die wichtigste Triebfeder der kostengetriebenen Inflation, als der Verteuerung von Waren und Dienstleistungen, sind die Löhne. Lohnsteigerungen, die in den Preisen weitegegeben werden, waren in der Vergangenheit der einflussreichste Faktor der kostengetriebenen Inflation. Hohe Lohnsteigerungen kommen aber in erster Linie dann zustande, wenn der Produktionsfaktor Arbeit knapp ist. Genau das ist derzeit aber weltweit nicht der Fall – im Gegenteil. Schon vor der Krise gab es weltweit zahlreiche Arbeitslose, und die Krise hat auch in den Industriestaaten die Zahl der Arbeitslosen in die Höhe schnellen lassen. In einer solchen Situation ist die Verhandlungsmacht der Gewerkschaften gering, es kommt zu keine hohen Lohnsteigerungen. Auch ein zweiter Grund verhindert hohe Lohnsteigerungen: Kapital. Dieser zweite wichtige Produktionsfaktor, ist derzeit im Überfluss vorhanden – nicht zuletzt, weil ja die Märkte mit Geld geflutet werden. Wird Arbeit (zu) teuer, dann wächst der Anreiz, menschliche Arbeit dort, wo es möglich ist, durch den Einsatz von Kapital, also Automatisierung, zu ersetzen.

Kann es aber nicht zu einer demand pull-Inflation kommen, also einer Geldentwertung, die durch höhere Nachfrage zustande kommt? Wenn gleichviel produziert wird, die Geldmenge aber steigt, wäre das eine logische Folge. Dies ist allerdings schon nach der Krise 2008/09 nicht geschehen. Ein Teil des Geldes ist nämlich bereits ausgegeben – als Unterstützung gefährdeter Unternehmen, in der Form von Arbeitslosenunterstützung, als Teilersatz des Gehalts, als Zuschuss für Teilzeitarbeit. Zusätzliche Nachfrage ist hier zumindest kurzfristig nicht zu erwarten. Außerdem rechnen die Banken, damit, dass die Sparquote der Österreicher nach der Krise von durchschnittlich acht auf zwölf Prozent steigen wird. Zumindest kurzfristig ist daher mit keinem Anstieg der veröffentlichten Inflation zu rechnen.

Mittelfristig kann es allerdings sehr wohl zu einer höheren Inflation kommen – zumindest in Form einer Asset Inflation. Bei Gold ist diese ja jetzt bereits sichtbar, in den vergangenen Jahren waren davon Immobilien betroffen. Dort landeten zahlreiche jener Milliarden, die Zentralbanken als billiges Geld in den Markt pumpten. Ähnliches kann auch in Zukunft geschehen, absehen lässt sich das derzeit aber noch nicht.

Franz C. Bauer

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