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Was weiterhin hohe Energiepreise und steigende Zinsen für den deutschen Aktienmarkt bedeuten könnten

07.09.2026 | Money Mail Nr. 071/2026

Der jüngste Belastungsimpuls für den Aktienmarkt kam vor allem über den Anleihemarkt. Sollte der Energiepreisschub anhalten und sich auf die Inflationserwartungen, Löhne und Kernpreise auswirken, würde der Druck auf die Notenbanken steigen, den geldpolitischen Restriktionsgrad zu verschärfen. Zugleich dämpfen höhere Energiekosten die Realeinkommen und das Wachstum. An den Anleihemärkten überwog zuletzt jedoch die Sorge vor anhaltendem Inflationsdruck, sodass die Renditen erneut stiegen.

In früheren Phasen ging das inzwischen erreichte Renditeniveau laut DZ Bank mit einem erhöhten Bewertungsdruck auf Wachstumswerte einher.

Wie es von Seiten des erwähnten deutschen Kreditinstituts weiter heißt, ist der Ölpreisanstieg für den europäischen Aktienmarkt in erster Linie ein stagflationärer Impuls. Als Nettoimporteur von Energie verliert Europa bei steigenden Preisen massiv an Kaufkraft. Dieser Kaufkraftentzug trifft auf eine ohnehin verhaltene Konjunktur, während der inflationäre Preisauftrieb neuen Schub erhält. Verschärfend kommt die Zusammensetzung der Indizes hinzu.

Der Dax vereint energieintensive Industrie-, Auto- und Chemieunternehmen, deren Margen durch höhere Energiekosten belastet werden. Große Energieproduzenten, deren Kursgewinne diesen Effekt abfedern könnten, sind dagegen kaum vertreten. Im S&P 500 und auch im marktbreiten Stoxx Europe 600 wirkt der steigende Energiesektor als Puffer, was erklärt, warum der DAX jüngst stärker nachgab als der breite europäische Index.

Solange der Energiepreisschub den Inflationsausblick erhöht, bleibt der Spielraum der EZB, auf die konjunkturelle Belastung zu reagieren, begrenzt. Laut DZ Bank dürfte die Teuerung im Euroraum bis weit ins kommende Jahr erhöht bleiben und die EZB zu einer restriktiveren geldpolitischen Ausrichtung zwingen. Die kommende EZB-Ratssitzung dürfte daher aus Sicht der Aktienmärkte interessant werden. Der für diese Sitzung erwartete Zinsschritt ist an den Geldterminmärkten bereits weitgehend eingepreist und sollte für sich genommen keine ausgeprägte Kursreaktion auslösen.

Wichtiger sind die turnusgemäß aktualisierten Projektionen für das Wachstum und die Inflation. Revidiert die Notenbank den Inflationspfad spürbar nach oben und stellt weitere Zinserhöhungen in Aussicht, dürfte der Druck auf zinssensitive europäische Sektoren wie Immobilien, Versorger und den zyklischen Konsum anhalten, so die DZ Bank.

In diesem Fall sollte sich auch die Schwäche des DAX gegenüber dem S&P 500 fortsetzen. Wird hingegen die dämpfende Wirkung höherer Energiekosten auf die Konjunktur thematisiert, könnte dies den europäischen Aktienmarkt entlasten. Anleger sollten daher weniger auf den Zinsschritt selbst als vielmehr auf die Projektionen für 2027, die Einordnung der Energiepreise in der Pressekonferenz sowie die Rhetorik bezüglich weiterer Zinsschritte achten.

Der erneute Anstieg des Rohölpreises hat, wie es in der zitierten Studie weiter heißt, nicht nur die Kurse von Energiewerten steigen lassen, sondern auch den Bewertungsrahmen des gesamten Aktienmarktes verschoben. Die Renditen, an denen sich Aktienbewertungen messen lassen müssen, liegen höher als noch vor einer Woche, wenngleich es zuletzt wieder zu einem moderaten Rückgang des allgemeinen Renditeniveaus gekommen ist. Festverzinsliche Anlagen sind damit als Alternative attraktiver geworden, entsprechend kleiner ist der Spielraum für hohe Aktienbewertungen. Die zuletzt schwächere Entwicklung Europas gegenüber den USA spiegelt dabei einen fundamentalen Unterschied in der Verwundbarkeit wider.

Für die kommenden Wochen sieht die DZ Bank Energie-, Bankenund defensive Werte innerhalb Europas im Vorteil gegenüber Zyklikern und bewertungsintensiven Wachstumswerten. Am eigenen konstruktiven mittelfristigen Bild hält das Institut fest; dies setzt aber voraus, dass der Ölpreisschock nicht in eine länger anhaltende Lieferstörung übergeht und die Gewinnrevisionen außerhalb der energieintensiven Branchen positiv bleiben. In diesem Fall sollten sich die Kurse erholen können, sobald sich das Inflations- und Notenbankbild klärt, so die Annahme.

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