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Gilead Sciences steht vor entscheidenden Jahren
07.08.2026 | Money Mail Nr. 062/2026Die jüngst von diesem Mitfavoriten von uns vorgelegten Zahlen zum zweiten Quartal 2026 zeichnen ein operativ starkes, aber durch Einmaleffekte geprägtes Bild. Im abgelaufenen Jahresviertel stieg der Umsatz des Basisgeschäfts im Vergleich zum Vorjahr um 10 % auf 7,80 Mrd. Dollar, was das stärkste Wachstum seit drei Jahren markierte.
Wesentlicher Treiber war die HIV-Sparte mit einem Erlösplus von 12 %, bei der insbesondere das neue Vorbeugungsmittel Yeztugo mit 232 Mio. Dollar Quartalsumsatz die Erwartungen übertraf. Auch das Brustkrebsmittel Trodelvy verzeichnete mit einem Zuwachs von 26 % eine dynamische Nachfrage.
Dem operativen Erfolg standen jedoch erhebliche Sonderbelastungen gegenüber. Durch bilanzielle Aufwendungen von über 11 Mrd. Dollar für die Übernahmen der Spezialunternehmen Arcellx, Tubulis und Ouro Medicines ergab sich für das Quartal ein bereinigter Verlust von 6,75 Dollar je Aktie. Für das gesamte Geschäftsjahr 2026 hob das Unternehmen die Umsatzprognose leicht auf 30,1 bis 30,4 Mrd. Dollar an und erwartet nun einen bereinigten Verlust je Aktie zwischen 0,30 und 0,65 Dollar.
Strategische Ausrichtung und operative Herausforderungen: Die Wachstumsstrategie setzt darauf, das traditionell margenstarke Stammgeschäft mit HIV-Präparaten zu nutzen, um den Ausbau des Onkologiebereichs zu finanzieren. Während die bestehenden Kernmedikamente durch langlaufenden Patentschutz abgesichert sind und Produkte wie Yeztugo verlässlich Marktanteile gewinnen, müssen die teuer eingekauften Forschungsprojekte in den kommenden Jahren erst noch den Beweis erbringen, dass sie die Marktreife erreichen und nachhaltige Gewinne erwirtschaften.
Daraus ergibt sich ein anspruchsvolles Übergangsszenario: Die hohe Cashflow-Generierung aus dem Infektionsbereich bietet zwar finanzielle Stabilität, doch der langfristige Erfolg hängt maßgeblich von einer reibungslosen Integration der zugekauften Wirkstoffkandidaten ab.
Zur Erinnerung: Das US-Unternehmen gehört zu den weltweit führenden Biopharmakonzernen und ist vorrangig auf die Entwicklung sowie den Vertrieb von Medikamenten gegen lebensbedrohliche Infektionskrankheiten wie HIV und Hepatitis spezialisiert. Zudem baut das Management die Stellung bei neuartigen Krebstherapien kontinuierlich aus.
Bewertung im Check: Nach dem von Sonderlasten gezeichneten Übergangsjahr 2026 stellt die durchschnittliche Erwartung der Analysten für die Folgejahre eine deutliche Erholung in Aussicht. Nach einem prognostizierten Verlust je Aktie von 0,52 Dollar im Jahr 2026 soll der Gewinn je Aktie 2027 auf 9,90 Dollar springen, gefolgt von 10,72 Dollar in 2028 und 12,19 Dollar in 2029. Auf letztgenannter Basis errechnet sich ein KGV von 10,7.
Etablierten und profitablen Biopharmakonzernen wird an der Börse im historischen Schnitt üblicherweise ein KGV in einer Spanne von 12 bis 15 zugestanden. Die aktuelle Bewertung beinhaltet somit einen spürbaren Abschlag. Dieser verdeutlicht, dass am Markt derzeit noch Vorbehalte bestehen, ob die Integration der Entwicklungspipelines tatsächlich ohne Rückschläge verläuft.
Eine Investition bleibt damit eine Wette darauf, dass die Ertragserwartungen ab 2027 wie geplant eintreffen. Eine relativ verlässliche Komponente bildet bei diesem Wert die Dividendenentwicklung. Die erwartete Ausschüttung je Aktie steigt den Vorhersagen zufolge von den für 2025 gezahlten 3,25 Dollar über 3,35 Dollar für 2026 und 3,57 Dollar für 2027 auf 3,93 Dollar für 2028. Dies entspricht beim derzeitigen Kurs einer Dividendenrendite im Bereich von knapp 2,5 % bis 3,0 %.
Anlagerat: Die fundamentale Substanz des Konzerns ist unbestritten, und der Blick auf die künftigen Gewinnschätzungen deutet bei erfolgreicher Umsetzung der Unternehmensstrategie auf ein attraktives Bewertungspotenzial hin. Aus Anlegersicht lautet die Empfehlung daher, an dieser Position bis auf Weiteres festzuhalten. Damit wir bei diesem Titel auch künftig investiert bleiben, muss der inzwischen wieder konsolidierende Kurs aber zurück in den Vorwärtsgang finden, denn ohne positives Momentum fehlt ansonsten ein für uns wichtiges Anlageargument.
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