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Edwards Lifesciences vor neuem Wachstumsschub – TAVR-Fantasie und starke Marktposition sprechen für die Aktie
02.07.2026 | Money Mail Nr. 052/2026Diese Altempfehlung von uns hat sich nach einer längeren Phase mit verhaltener Kursentwicklung zuletzt wieder stärker in den Fokus der Anleger gespielt.
Entscheidend dafür sind verbesserte Perspektiven für das wichtigste Geschäftsfeld des Medizintechnikunternehmens: den kathetergestützten Aortenklappenersatz (TAVR). Neben regulatorischen Rückenwinden in den USA sprechen auch die starke Marktposition und mögliche Marktanteilsgewinne für eine wieder höhere Bewertung der Aktie.
CMS-Entscheidung könnte TAVR-Wachstum beschleunigen: Ein wichtiger Impuls für Edwards Lifesciences kommt aktuell von den geplanten Änderungen bei der Erstattung von TAVR-Eingriffen durch die US-Gesundheitsbehörde Centers for Medicare & Medicaid Services (CMS). RBC Capital Markets erwartet, dass die vorgeschlagenen Anpassungen positiv für Edwards ausfallen dürften.
Konkret geht es darum, dass bestimmte Einschränkungen bei TAVR-Verfahren reduziert werden sollen. Dazu zählen die Bestätigung von sogenannten Single-Operator-Verfahren sowie der Wegfall bestimmter Anforderungen im Rahmen der bisherigen „Coverage with Evidence Development”-Regelungen für symptomatische Patienten.
Nach Einschätzung von RBC könnten diese Änderungen die Planung von Eingriffen vereinfachen, neue Behandlungszentren ermöglichen und den administrativen Aufwand reduzieren. Die Analysten rechnen langfristig mit einem zusätzlichen Anstieg der TAVR-Eingriffe von rund 5 %. RBC bestätigte deshalb die Einstufung „Outperform” und ein Kursziel von 100 Dollar.
Starke operative Entwicklung sorgt für bessere Aussichten: Die positive Nachrichtenlage wird durch die jüngste Geschäftsentwicklung untermauert. Nach einem starken ersten Quartal 2026 erhöhte Edwards die Prognose für das Gesamtjahr. Die erwartete Umsatzwachstumsrate wurde um einen Prozentpunkt auf 9-11 % angehoben. Besonders relevant ist die Entwicklung im TAVR-Geschäft: Hier erhöhte das Unternehmen die Wachstumsprognose von 6-8 % auf 7-9 %.
Jefferies sieht darin den Beginn einer längerfristigen Wachstumsphase. Nach Einschätzung der Analysten resultierte die starke Entwicklung zuletzt zwar vor allem aus dem wachsenden Gesamtmarkt, allerdings gebe es zusätzlich Potenzial für weitere Marktanteilsgewinne.
Datenvorteile könnten Wettbewerbsvorteile sichern: Der entscheidende Punkt für die langfristige Einschätzung ist die starke Position von Edwards im TAVR-Markt. Das Unternehmen verfügt über eine führende Stellung und kann auf umfangreiche klinische Daten zur Haltbarkeit und Leistungsfähigkeit seiner Systeme verweisen.
Gerade bei jüngeren Patienten mit geringerem Operationsrisiko gewinnen langfristige Studiendaten zunehmend an Bedeutung. Jefferies sieht hier Vorteile gegenüber Wettbewerbern wie Medtronic, da Ärzte die langfristige Datenlage anderer Systeme teilweise kritischer bewerten.
Zusätzlich spielt die Technologie eine Rolle. Edwards setzt bei seinen Klappen auf ein ballonexpandierendes Verfahren, während andere Anbieter stärker auf selbstexpandierende Systeme setzen. Laut Jefferies bevorzugen einige Ärzte die Edwards-Technologie aufgrund der höheren Kontrollierbarkeit beim Einsatz.
Daraus könnte sich weiteres Wachstum ergeben. Nach Einschätzung der Analysten besteht insbesondere gegenüber Medtronic Potenzial für Marktanteilsgewinne. Einige Ärzte reduzieren demnach bereits den Einsatz bestimmter Wettbewerbsprodukte, wobei Jefferies davon ausgeht, dass ein Teil des bisherigen Marktanteils von Medtronic langfristig gefährdet sein könnte.
Breiteres Portfolio stärkt die Wachstumsperspektiven: Neben dem klassischen TAVR-Geschäft bietet Edwards zunehmend weitere Wachstumsfelder. Der Konzern baut sein Portfolio im Bereich struktureller Herztherapien aus und kann dadurch mehr Behandlungsmöglichkeiten abdecken.
Jefferies hebt insbesondere die Vorteile des erweiterten Produktangebots hervor. Dazu zählen neben TAVR auch Lösungen im Bereich der Mitralklappenbehandlung. Damit könnte Edwards seine Position als führender Anbieter für minimalinvasive Herzklappenverfahren weiter ausbauen.
Bewertung und Chartbild: Die Aktie hat sich zuletzt wieder stabilisiert und die operative Verbesserung wird vom Markt zunehmend honoriert. Mit Blick auf die erwartete Gewinnentwicklung erscheint die aktuelle Bewertung anspruchsvoll, aber nicht ohne Grundlage.
Der Gewinn je Aktie soll laut den vorliegenden Schätzungen von 1,83 Dollar im Jahr 2025 über 3,01 Dollar und 3,38 Dollar auf 3,80 Dollar beziehungsweise 4,24 Dollar im Jahr 2029 steigen. Damit würde Edwards wieder in eine Phase mit deutlich stärkerem Ergebniswachstum zurückkehren.
Charttechnisch hat sich das Bild ebenfalls aufgehellt. Nach der längeren Konsolidierung deutet die Erholung darauf hin, dass Anleger die langfristigen Wachstumschancen wieder stärker einpreisen.
Fazit: Edwards Lifesciences verfügt über mehrere Faktoren, die für eine Fortsetzung der positiven Entwicklung sprechen. Die mögliche Ausweitung der TAVR-Erstattung in den USA könnte kurzfristig zusätzliche Dynamik bringen. Noch wichtiger ist jedoch die langfristige Positionierung: starke klinische Daten, eine führende Marktstellung und mögliche Marktanteilsgewinne gegenüber Wettbewerbern.
Die Aktie ist kein klassischer Bewertungs-Schnäppchenwert, sondern ein Qualitätsunternehmen, bei dem Anleger für die Marktführerschaft und die Wachstumsperspektiven bezahlen. Angesichts der verbesserten operativen Aussichten und der strukturellen Wachstumstreiber bleibt Edwards Lifesciences aus Anlegersicht ein interessanter Medizintechnikwert.
Wir sind seit Ausgabe 149/21 mit am Ball. Es besteht nach wie vor eine Abwärtslücke zu den damaligen Empfehlungsnotierungen von 122,12 Dollar bzw. 108,65 Euro, aber der Kurs ist auf dem richtigen Weg und hat mittel- bis langfristig gute Chancen, die Buchverluste noch komplett auszumerzen.
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