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Alpha Bank gibt unter dem Strich weiterhin ein gutes Gesamtbild ab

11.06.2026 | Money Mail Nr. 045/2026

Dieser Titel zählt bereits seit Ausgabe 138/23 zu unseren Empfehlungen im europäischen Bankensektor. Auch nach der starken Entwicklung der vergangenen Jahre sehen wir derzeit keinen Anlass, unsere konstruktive Haltung zu diesem Wert zu ändern. Denn das Geschäftsumfeld für Banken seit dem Ende der europäischen Nullzinsphase gestaltet sich konstruktiv und die Bewertung ist trotz der Kursgewinne in den Vorjahren noch immer gut vertretbar.

Operatives Geschäft entwickelt sich solide: Die wichtigste Unternehmensmeldung des laufenden Quartals war die Veröffentlichung der Zahlen für das erste Quartal 2026. Dabei sorgte zunächst der Rückgang des ausgewiesenen Nettogewinns nach Steuern auf 182 Mio. Euro für Aufmerksamkeit. Bei näherer Betrachtung relativiert sich dieser Effekt jedoch deutlich. 

Belastet wurde das Ergebnis vor allem durch Einmaleffekte. Dazu gehörten Aufwendungen von rund 50 Mio. Euro für ein freiwilliges Vorruhestandsprogramm sowie weitere Belastungen von etwa 10 Mio. Euro im Zusammenhang mit Transaktionen notleidender Kredite. Bereinigt um diese Faktoren erzielte die Bank einen Gewinn von 221 Mio. Euro und bestätigte damit die Stabilität des operativen Geschäfts. 

Besonders erfreulich entwickelte sich der Zinsüberschuss, der gegenüber dem Vorquartal um 0,7 % auf 416,3 Mio. Euro zulegte und damit zugleich 5,3 % über dem Vorjahreswert lag. Noch dynamischer verlief die Entwicklung im Provisionsgeschäft. Die entsprechenden Erträge stiegen gegenüber dem Vorjahr um 29 % auf 139,7 Mio. Euro. Vor allem das Asset Management sowie das Versicherungsgeschäft lieferten hierzu wichtige Beiträge. 

Kreditwachstum bleibt intakt: Ein weiterer positiver Aspekt ist die anhaltende Kreditnachfrage. Im ersten Quartal konnte die Alpha Bank in Griechenland ein Nettokreditwachstum von 0,5 Mrd. Euro erzielen. Dies unterstreicht, dass die wirtschaftliche Aktivität im Heimatmarkt weiterhin auf einem soliden Fundament steht. Gleichzeitig bleibt die Qualität des Kreditportfolios stabil. Die Quote notleidender Kredite lag zuletzt bei lediglich 3,7 % und damit auf einem Niveau, das mit den Problemen früherer Krisenjahre kaum noch vergleichbar ist. Auch die harte Kernkapitalquote von 14,7 % signalisiert eine komfortable Kapitalausstattung.
 

Diese Entwicklung verdeutlicht den tiefgreifenden Wandel, den der griechische Bankensektor in den vergangenen Jahren durchlaufen hat. Während früher die Bereinigung problematischer Kredite im Mittelpunkt stand, geht es inzwischen wieder deutlich stärker um Wachstum, Profitabilität und Kapitalrückflüsse an die Aktionäre.

Zusätzliche Impulse durch Strategie und Partnerschaften: Parallel dazu arbeitet die Bank an der Weiterentwicklung ihres Geschäftsmodells. Im April kündigte sie ein freiwilliges Übernahmeangebot für einen Anteil von 30,39 % an
Alpha Trust Holdings an. Das Transaktionsvolumen von rund 19,3 Mio. Euro dient dem Ausbau des margenstarken Vermögensverwaltungsgeschäfts.

Darüber hinaus gelang die Platzierung einer grünen Vorranganleihe über 600 Mio. Euro. Die erfolgreiche Emission unterstreicht den weiterhin guten Zugang zum Kapitalmarkt und stärkt die Refinanzierungsbasis.

Ein zusätzlicher Pluspunkt bleibt die Kooperation mit der italienischen UniCredit. Seit deren Einstieg als Großaktionär Ende 2023 spekuliert der Markt immer wieder auf zusätzliche Synergien und gemeinsame Geschäftsmöglichkeiten. Auch wenn die Auswirkungen bislang eher schrittweise sichtbar werden, stellt die Partnerschaft einen strategischen Wert dar, der in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen könnte.

Das Zinsumfeld bleibt ein wichtiger Einflussfaktor: Für die Ertragsentwicklung der gesamten Branche bleibt die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank von zentraler Bedeutung. Höhere Zinsen haben den europäischen Banken in den vergangenen Jahren erhebliche Ergebnissteigerungen ermöglicht. 

Für die Alpha Bank wirkt sich dabei positiv aus, dass die Verzinsung vieler Kredite vergleichsweise schnell angepasst werden kann, während die Zinsen auf Kundeneinlagen bislang nur moderat gestiegen sind. Das Institut spricht bei Termineinlagen von einem Einlagen-Beta von rund 25 %.

Folglich ist der Zinsentscheid der EZB an diesem Donnerstag von Belang, wobei der Markt eine Anhebung des Einlagenzinses um 25 Basispunkte von 2,00 % auf 2,25 % erwartet. Ein moderater Zinsschritt wie der erwartete dürfte wegen der zuvor skizzierten Konstellation kurzfristig positiv auf den Nettozinsertrag wirken. Erst bei deutlich aggressiveren Zinserhöhungen würde das Risiko steigen, dass sich Kreditnachfrage und Ausfallrisiken verschlechtern.

Moderate Bewertung trotz steigender Gewinne: Die Bewertung ist einer der wichtigsten Gründe für unser anhaltendes Engagement bei diesem Titel. Für 2026 rechnen Analysten mit einem Gewinn je Aktie von 0,42 Euro. Daraus ergibt sich ein KGV von rund neun. Für 2027 und 2028 liegen die Konsensschätzungen bei 0,48 Euro bzw. 0,54 Euro je Aktie, woraus sich auf letztgenannter Basis ein KGV von rund sieben ergibt. Das ist sowohl optisch betrachtet ein niedriger Multiplikator als auch gemessen an den erwarteten Ergebnissteigerungen.

Auch die Dividendenperspektive verbessert sich laut Prognosen zusehends. Denn die erwarteten Ausschüttungen von 0,14 Euro, 0,20 Euro und 0,23 Euro für die Geschäftsjahre 2026 bis 2028 versprechen steigende Renditen von 3,7%, 5,3 % und 6,1 %. Vor diesem Hintergrund erscheint die Bewertung weiterhin nicht anspruchsvoll. Die Aktie ist längst nicht mehr die klassische Turnaround-Spekulation früherer Jahre, handelt aber nach wie vor günstiger als viele europäische Banken mit vergleichbaren Wachstumsaussichten. Das bewegt uns dazu, bei dieser Position am Ball zu bleiben.

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