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Pleitewelle dürfte Konjunkturerholung nicht verhindern

26.01.2021 | Money Mail Nr. 009/2021

Eine Lösung bei der Coronavirus-Pandemie scheint sich jetzt doch länger hinauszuzögern als man das vielerorts zwischenzeitlich gehofft hatte. Das trägt auch wieder zu einer verstärkten Diskussion darüber bei, wie sich das auf die Unternehmen auswirkt.

Laut Commerzbank wird die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland im gesamten Jahr 2021 alles in allem gemäß Modellschätzung um rund 4.000 auf 20.000 steigen. Tatsächlich dürfte der Anstieg noch etwas höher ausfallen, heißt es. Denn die vielen kleinen Dienstleistungsunternehmen wie Hotels, Restaurants, Kneipen, Reisebüros, Bekleidungsgeschäfte etc. hätten bereits in normalen Zeiten ein viel höheres Pleiterisiko als etwa der klassische industrielle Mittelstand gehabt und seien jetzt wegen des Lockdowns viel stärker vom Konjunktureinbruch getroffen als andere Branchen.

Der Anstieg der Insolvenzen werde dabei nicht abrupt im ersten Quartal in den Statistiken auftauchen, sondern sich über das gesamte Jahr hinweg verteilen. Denn eine Insolvenz werde statistisch erst dann berücksichtigt, wenn ein Gericht darüber entschieden hat, ob es ein Verfahren eröffnet oder mangels Masse abweist. Wegen der zu erwartenden Flut an Insolvenzanträgen würden die Gerichte wohl mehr Zeit als die üblichen anderthalb bis 2 Monate benötigen.

Die Commerzbank gehen davon aus, dass sich die Insolvenzwelle über das gesamte Jahr 2021 erstrecken wird. Die Unternehmen hätten aber bessere Bilanzen als vor 20 Jahren Das man keinen Insolvenz-Tsunami erwarte, liege vor allem daran, dass viele Unternehmen die Qualität ihrer Bilanzen in den zurückliegenden 20 Jahren spürbar verbessert hätten. Die von der Bundesbank regelmäßig ausgewerteten mehr als 130.000 Jahresabschlüsse zeigten, dass die Unternehmen ihre Eigenkapitalquote seit Beginn des Jahrtausends von 22% bis 2019 auf 32% erhöht hätten – neuere Daten lägen noch nicht vor. Dadurch könnten sie wirtschaftliche Härten besser abfedern Wichtig aus Anlegersicht ist die Feststellung der Commerzbank, wonach eine Insolvenzwelle nicht die erwartete starke wirtschaftliche Erholung verhindern dürfte. Natürlich behinderten steigende Insolvenzen eine konjunkturelle Erholung, selbst wenn man nicht mit einem Pleite-Tsunami wie vor 20 Jahren rechne. Schließlich verlören Menschen ihre Arbeitsplätze und müssten ihren Konsum zurückfahren. Aber diese dämpfenden Konjunktureffekte einer Pleitewelle seien gering verglichen mit der wirtschaftlichen Dynamik, die sich ab dem Frühjahr entfalten dürfte, wenn sich die Pandemie wegen der höheren Temperaturen zurückziehen und der Lockdown schrittweise aufgehoben werde. Denn dann breche sich die Lebenslust wieder Bahn, und die Menschen konsumierten wieder. Das gelte umso mehr, als die Deutschen wegen der Schließung der Geschäfte und anderer Einschränkungen ihre Sparquote 2020 von 10,9% auf 16,3% erhöht hätten. Diese Coronavirus-Ersparnisse beliefen sich Ende des vierten Quartals schätzungsweise auf fast 5,5% des jährlich verfügbaren Einkommens. Alleine die Rückkehr der Sparquote auf ihr altes Niveau werde die Konsumausgaben deutlich steigen lassen. Sollten die Haushalte zudem einen Teil dieses zusätzlich gesparten Geldes ausgeben, werde das die Wirtschaft noch weiter anschieben. Alles in allem rechnet die Commerzbank 2021 mit einem ordentlichen Wirtschaftswachstum von 4,5%. Deshalb dürfte die Zahl der Erwerbstätigen ab der Jahresmitte trotz Pleitewelle wieder zunehmen, nachdem sie seit Ausbruch von Corona um 600.000 gesunken sei.

Unser Fazit: Es droht zwar eine Pleitewelle, aber wenn daraus kein Tsunami wird, dann dürfte das einer starken konjunkturellen Erholung im Falle einer gelösten Pandemie nicht im Wege stehen. Für die Börsen ist das eine wichtige Grundvoraussetzung für weiter steigende Aktienkurse.

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