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Trotz Marktdickicht: Warum Gewinne und Historie für ein gutes Börsenfinale sprechen

13.10.2026 | Der Internationale Nr. 21/2026

Verlässliche Börsenprognosen abzugeben ist traditionell eine sehr schwere Aufgabe. Doch aus unserer Sicht ist es derzeit ganz besonders schwierig. Warum das mehr ist als eine Floskel, hat unter anderem mit Fakten wie Kriegen, gesellschaftlicher Polarisierung, Unberechenbarkeit der US-Politik, Protektionismus, hohen Ölpreisen, Inflations- und Zinsanstieg und KI-Disruption zu tun. Denn alles das ist nicht nur hoch komplex, sondern auch ein hoch explosives Gemisch.

Wie schwierig es ist, hierbei den Durchblick zu bewahren, zeigt sich unter anderem daran, dass trotz vieler Belastungsfaktoren der Welthandel sich entgegen der meisten Prognosen solide entwickelt hat. Verblüffend ist auch, dass mit der Wall Street die US-Leitbörse weiterhin auf Rekordjagd ist. Und mit Goldman Sachs hat eine der führenden Investmentbanken gerade Aktien auf Sicht von drei Monaten auf Übergewichten hochgestuft, ein Urteil, das man zudem auf Zwölfmonatssicht bestätigte. 

Damit diese Prognose aufgeht, kommt es auf den Verlauf der gerade beginnenden Berichtssaison an. Wobei zu beachten ist, dass die Erwartungen hoch sind. Der Marktkonsens erwartet beim Gewinn je Aktie im S&P 500 für das dritte Quartal ein Wachstum von 27 % gegenüber dem Vorjahr, verglichen mit 33 % im zweiten Quartal. Dabei sollen die Profiteure der KI-Infrastruktur mehr als die Hälfte des Wachstums erwirtschaften. Goldman Sachs rechnet damit, dass die Unternehmen die Konsenserwartungen erneut übertreffen werden. Zudem geht man im vierten Quartal von einem soliden Gewinnwachstum aus. Für 2027 kalkuliert man darüber hinaus mit einem Ergebnisplus von 18 %. Auch Europa scheint nach Einschätzung der zitierten US-Investmentbank für eine solide Saison gerüstet zu sein. Der Konsens erwartet beim Gewinn je Aktie ein Wachstum von 23 % bzw. 16 % ohne den Rohstoffsektor.

Können die Unternehmen liefern und fallen auch die Ausblicke konstruktiv aus, stehen auch aus unserer Sicht die Chancen dafür nicht schlecht, dass die Weltbörsen im vierten Quartal wieder in den Vorwärtsgang finden. Das Hauptrisiko besteht in weiterhin steigenden Energiepreisen und Anleiherenditen. Unsicherheiten vor den US-Zwischenwahlen am 03. November können ebenfalls für Volatilität sorgen. Aber die historische Erfahrung, wonach es im Anschluss daran im Schnitt wieder aufwärts geht, stimmt uns zuversichtlich. Der S&P 500 ist in 21 der letzten 23 Zyklen von US-Zwischenwahlen im Zeitraum von einem Monat vor der Wahl bis zwei Monate danach gestiegen. Die mittlere Performance über dieses Dreimonatsfenster beträgt 7 %, was deutlich über einer normalen vierteljährlichen Aktienperformance liegt und laut Deutscher Bank darauf hindeutet, dass dieses Muster kaum reiner Zufall ist. Damit sich die Geschichte wiederholt, dürfte es weniger wichtig sein, wie die Wahl selbst ausgeht, als vielmehr, ob der KI-Megatrend weiterhin eine positive Kurskraft entfalten kann.

Bei unserer stetigen Suche nach Informationen, um auch im eingangs beschriebenen Dickicht den Überblick zu behalten, sind wir übrigens noch auf einen weiteren Mutmacher gestoßen. Dieser resultiert aus der Beobachtung, dass US-Nebenwerte sehr stark hinter US-Standardwerten zurückgefallen sind, wie die Tatsache belegt, dass sie in den vergangenen vier Monaten um mehr als 10 % schlechter performt haben. Dies ist ein seltener Signalgeber und man könnte intuitiv erwarten, dass dies eine weitere Schwäche am Aktienmarkt signalisiert.

Tatsächlich ist jedoch das Gegenteil der Fall. Betrachtet man alle derartigen Signale seit 1980, so waren 20 von 22 positiv für US-Aktien. Der S&P 500 stieg laut Berechnungen von Julius Bär über die folgenden zwölf Monate im Durchschnitt um 20 %, der Dax um 24 % und der Nasdaq Composite um 33 %. Die scharfe kurzfristige Unterperformance der US-Nebenwerte ist daher ein bullisches Zeichen für den Gesamtaktienmarkt, zumal die marktinternen Faktoren auch deswegen stark überverkauft sind, so die Schweizer Privatbank. Und auch weil wir im Musterdepot voll investiert sind, hätten wir nichts dagegen, wenn sich die Geschichte wiederholt.

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