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Fed vor Zinswende: Wie Anleiherenditen früher auf Zinserhöhungs-Zyklen reagierten und unsere Lehren daraus

15.09.2026 | Der Internationale Nr. 19/2026

Die US-Notenbank steht wohl vor einer neuen Phase steigender Zinsen. Für Anleger ist entscheidend, wie die Renditen am Anleihemarkt darauf reagieren. Ein Blick auf frühere Zinserhöhungszyklen liefert einen klaren Hinweis: Nach deren Beginn stiegen die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen meist weiter. 

Die Deutsche Bank hat zwölf Zinserhöhungszyklen seit Anfang der 1960er-Jahre untersucht. Im Durchschnitt legte die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen im ersten Jahr danach um rund 1,14 Prozentpunkte zu. Nur ein Zyklus, jener von 2004, brachte einen nennenswerten Renditerückgang. Historisch spricht damit mehr für steigende als für fallende Renditen.

Das ist aktuell besonders interessant, weil 2026 möglicherweise erneut ein solches Jahr wird. Seit der Jahrtausendwende begannen Zinserhöhungszyklen in den USA 2004, 2015 und 2022. Nach Einschätzung der Deutschen Bank könnte nun ein weiterer folgen. Ihre Ökonomen rechnen mit drei Zinserhöhungen: eine in dieser Woche sowie weitere im Dezember und März. Ob daraus ein Zyklus entsteht oder die Fed nach einem Schritt innehält, ist offen. 

Selbst wenn es dazu kommt, dürfte dieser Zyklus historisch ungewöhnlich klein ausfallen. Die drei erwarteten Schritte würden insgesamt rund 0,75 Prozentpunkte ausmachen. Über alle früheren Zyklen lag der durchschnittliche kumulierte Anstieg bei rund 4,80 Prozentpunkten, der Median bei 3,10 Prozentpunkten. Der kleinste Zyklus brachte 1986/87 immerhin 1,375 Prozentpunkte. Bei der aktuellen Erwartung kann also kaum von einem normalen Zyklus die Rede sein.

Dafür, dass die Historie diesmal nur eingeschränkt übertragbar ist, spricht auch der bereits erfolgte Renditeanstieg vor dem möglichen ersten Zinsschritt. Ein Teil der Anpassung könnte somit bereits erfolgt sein. Nach Berechnungen der Deutschen Bank könnte die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe zudem noch um etwa 0,70 Prozentpunkte steigen, bevor deren Gesamtrendite ins Negative dreht.

Für Anleger zählt die Wirkung höherer Renditen auf die Märkte. Sie erhöhen die Konkurrenz zu Aktien und verändern deren Bewertung. Besonders empfindlich können hoch bewertete Wachstumswerte reagieren, weil ihre erwarteten Gewinne weit in der Zukunft liegen und stärker abgezinst werden. Für hoch verschuldete Unternehmen steigen die Finanzierungskosten. Banken können dagegen profitieren. Bei Anleihen drücken steigende Marktrenditen zunächst die Kurse bereits ausstehender Papiere.

Das bedeutet nicht, dass sich der Börsenverlauf aus früheren Mustern zweifelsfrei ablesen lässt. Jeder Zyklus hat eigene Rahmendaten, und diesmal könnte die Fed einen ungewöhnlich kleinen Schritt machen. Trotzdem wäre es verfrüht, daraus automatisch zu schließen, dass bereits eine US-Zinserhöhung die Lage an den nervösen Rentenmärkten beruhigt und die Renditen anschließend wieder auf Sinkflug gehen, so wie Experten das derzeit teils propagieren. Die historische Erfahrung zeigt vielmehr,
dass der Beginn einer Zinserhöhungsphase häufig erst der Anfang eines weiteren Renditeanstiegs ist. 

Wie die Geschichte dieses Mal ausgeht, bleibt wie immer abzuwarten. Anleger sollten sich geistig aber auf weiterhin erhöhte Zinsen und Renditen einstellen – mit allen Konsequenzen, die sich daraus üblicherweise für Bewertungen, Finanzierungskosten und die relative Attraktivität verschiedener Anlageklassen ergeben.

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