Skip to main content
Börsenerfolg ist planbar.
Wir bieten für jede Anlegermentalität die richtige Strategie.
Headerimage

Unsere Informationsdienste.

Die Geschichte wiederholt sich: Der KI-Bullenmarkt folgt dem Skript der 1990er Jahre

04.08.2026 | Der Internationale Nr. 16/2026

Der Beinahe-Kollaps des Hedgefonds Long-Term Capital Management im Spätsommer 1998 gilt in der Finanzhistorie als das klassische Mahnmal für die Gefahren übermäßigen Fremdkapitalhebels. Fast exakt 44 Monate nach der Veröffentlichung des Netscape-Browsers im Dezember 1994 geriet die Wall Street damals ins Wanken, weil spektakuläre Fehlwetten abgewickelt werden mussten. Wenn man heute, im August 2026, auf die Verwerfungen der letzten Wochen blickt, fällt das Déjà-vu verblüffend aus: Ziemlich genau 44 Monate nach dem Debüt von ChatGPT im November 2022 erlebte der Markt mit der Zwangsliquidation des Hedgefonds Situational Awareness LP des ehemaligen OpenAI-Forschers Leopold Aschenbrenner eine verblüffend ähnliche Episode.

Ein Blick auf den von der Bespoke Investment Group aufbereiteten Chart zeigt, dass der Nasdaq Composite seit dem KI-Startschuss Ende 2022 nahezu deckungsgleich den Spuren des TMTBullenmarktes (Technologie, Medien, Telekommunikation) der 1990er Jahre folgt. Beide Epochen verzeichneten in ihren ersten dreieinhalb Jahren einen enormen Wertzuwachs von deutlich über 100 %, bevor es an fast identischer Stelle im Zyklus zu einer marktweiten Bereinigung bei gehebelten Akteuren kam.

Die Psychologie hinter dieser Dynamik ist so alt wie die Börse selbst. Bei jeder technologischen Revolution – sei es der Aufbau des Internets oder der aktuelle Ausbau der künstlichen Intelligenz – greift dasselbe Verhaltensmuster. In der ersten Phase fließt massives Kapital in die physische Infrastruktur. Wenn Unternehmen exorbitante Zuwächse melden, greift an den Märkten die FOMO-Psychologie um sich: die Angst, etwas zu verpassen (Fear of Missing Out). Dies verleitet Investoren dazu, das Risiko zunehmend auszublenden und über Hebelgeschäfte das maximale Kurspotenzial erzwingen zu wollen. Aschenbrenner wurde letztlich zum Opfer dieser eigenen Gier und einer kollektiven Spekulationswelle. Nachdem sein Fonds im ersten Halbjahr 2026 phänomenale Renditen erzielte, wettete er mit bis zu vierfachem Hebel extrem konzentriert auf die Gewinner der KI-Hardwareinfrastruktur, während er gleichzeitig Softwareaktien wie Adobe leerverkaufte.

Als der Markt im Juli eine Korrektur vollzog, geriet diese Konstruktion in Schieflage: Die Long-Positionen verloren massiv an Wert, während die Eindeckung der Short-Positionen zusätzliche Verluste generierte. Die Notverkäufe zur Erfüllung der Margin Calls führten zu einer sich selbst verstärkenden Abwärtsspirale, die vor allem Chip- und Rechenzentren-Aktien belastete. Die Verwerfungen der vergangenen Wochen waren somit nicht nur Ausdruck aufkommender struktureller Zweifel an der KI-Technologie selbst, sondern vielmehr auch die Folge einer technischen Marktbereinigung durch einen erzwungenen Großverkäufer. Für den Gesamtmarkt liegt genau hier der Schlüssel zum Verständnis der jüngsten Kursturbulenzen. Nachdem Citadel das 16 Mrd. Dollar schwere Aktienpaket von Situational Awareness Ende Juli übernommen und den Verkaufsdruck aus dem Markt genommen hat, fiel eine erhebliche Belastung weg. Der kräftige Kursaufschlag beim Nasdaq Composite am 03.08. legt nahe, dass der Liquidationsdruck gewichen ist. Und Tech-Aktien könnten sich nach dieser säubernden Korrektur zunächst einmal weiter spürbar erholen.

Interesse geweckt?

Sind Sie bereits Abonnent? Dann loggen Sie sich bitte ein.
Wenn Sie noch kein Kunde sind, wählen Sie bitte aus unseren Abo-Angeboten aus:

Bestellung

Sollten Sie über einen gültigen Gutscheincode verfügen, können Sie diesen im nächsten Schritt entwerten.
Der Rabattbetrag wird im Warenkorb automatisch vom Gesamtbetrag abgezogen.

Der Internationale

25,-

Der Internationale

275,-