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KI dürfte der Taktgeber an der Wall Street bleiben

07.07.2026 | Der Internationale Nr. 14/2026

Der jüngste zwischenzeitliche Gegenwind für viele US-Technologieaktien hat an den Börsen schnell die Frage aufgeworfen, ob der vom Megatrend Künstliche Intelligenz getriebene Boom seinen Höhepunkt bereits überschritten hat. Wir halten diese Sorge derzeit aber (noch) für verfrüht.

In dieser Einschätzung sehen wir uns auch durch eine aktuelle Studie von Capital Economics bestätigt. Zwar muss die anstehende Berichtssaison erst zeigen, ob die hohen Erwartungen an die Branche weiterhin gerechtfertigt sind. Die fundamentalen Daten sprechen derzeit aber eher dafür, dass die KI-getriebene Hausse noch Potenzial besitzt.

Entscheidend bleibt die Ergebnisentwicklung. Schließlich waren es in den vergangenen Quartalen laut dem zuvor erwähnten Research-Institut nicht allein aufgrund von purer Spekulation steigende Aktienkurse, sondern vor allem kräftig nach oben revidierte Gewinnerwartungen, die speziell den Aufschwung bei den Vertretern aus den Bereichen Halbleiter und KI getragen haben. Genau hier sehen wir bislang jedoch kaum Anzeichen einer Abschwächung. Die Gewinnschätzungen für Technologie-, Kommunikations- und ausgewählte Konsumwerte sind zuletzt so kräftig gestiegen wie außerhalb konjunktureller Erholungsphasen nur äußerst selten.

Dadurch hat sich die Bewertung vieler KI-Aktien trotz hoher Kurse sogar etwas entspannt. Die Gewinnschätzungen sind vielerorts schneller gestiegen als die Aktienkurse. Das erwartete KGV liegt inzwischen wieder auf einem Niveau, das – abgesehen von wenigen Sondersituationen – zu den niedrigsten seit 2023 zählt. Von einer ausgereizten Übertreibungsphase kann deshalb derzeit kaum die Rede sein.

Allerdings steht jetzt mit der Berichtssaison zum zweiten Quartal ein entscheidender Belastungstest an. Sollten wichtige Unternehmen die hohen Erwartungen verfehlen oder vorsichtigere Ausblicke liefern, dürfte die Nervosität rasch zurückkehren. Andere Bewertungsmaßstäbe wie das Shiller-KGV mahnen ohnehin zu einer gewissen Vorsicht.

Weniger überzeugend erscheint uns dagegen die Hoffnung vieler Anleger, dass andere Branchen einen möglichen Rückschlag der Technologiewerte problemlos auffangen könnten. Auch Capital Economics verweist darauf, dass dies historisch nur äußerst selten gelungen ist. Seit 1995 gab es lediglich ein einziges Dreimonatsfenster, in dem die großen Technologiewerte um mehr als 10 % nachgaben und der S&P 500 gleichzeitig zulegen konnte. Zwar verbessert sich inzwischen auch die Gewinnentwicklung vieler Industrie-, Finanz- und Konsumunternehmen. Allerdings sind die Erwartungen bereits entsprechend hoch. Zusätzliche Kursimpulse dürften deshalb nur entstehen, wenn die Unternehmen die ohnehin optimistischen Prognosen noch übertreffen.

Für uns bleibt die Schlussfolgerung daher klar: Die Entwicklung der KI-Schwergewichte wird auf absehbare Zeit der wichtigste Taktgeber für den US-Aktienmarkt bleiben. Solange die Gewinnentwicklung die hohen Erwartungen rechtfertigt, sprechen die fundamentalen Daten eher für eine Fortsetzung der Hausse als für deren Ende. Die größte Gefahr wäre derzeit nicht eine hohe Bewertung, sondern eine spürbare Enttäuschung bei den Gewinnen.

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