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Marktanalyse: Iran-Krieg ist nur ein Problem von mehreren

01.04.2026 | Austria Börsenbrief Nr. 13/2026

Bei gravierenden geopolitischen Krisen diktieren diese in der Regel das Geschehen an den globalen Finanzmärkten. Der laufende Iran-Krieg bestätigt diese These eindrucksvoll. Doch so sehr dieser Krieg derzeit die Schlagzeilen bestimmt – es sind auch noch etliche andere Risikofaktoren zu beachten.

So zeichnet BCA Research in einer Studie das Bild eines makroökonomischen Umfelds, das in Teilen an die Vorphasen früherer Abschwünge erinnert. So ging seit der Ölkrise von 1973 jeder US-Rezession – mit Ausnahme des pandemiebedingten Einbruchs – ein deutlicher Anstieg der Energiepreise voraus. Sollte sich der Ölpreis infolge geopolitischer Spannungen dauerhaft auf erhöhtem Niveau festsetzen, wäre das auch diesmal ein klassischer Belastungsfaktor für Wachstum und Kaufkraft.

Ein weiterer Risikobereich ist aus Sicht der Strategen der Technologiesektor. Der massive Investitionsboom rund um Künstliche Intelligenz weckt Erinnerungen an die späten Phasen des Dotcom-Zyklus. Damals führte der abrupte Einbruch der Technologieinvestitionen nach dem Platzen der Blase maßgeblich zur Rezession im Jahr 2001. Natürlich sind die strukturellen Voraussetzungen heute andere, und viele KI-Investitionen dürften langfristig tatsächlich produktivitätssteigernd wirken. Dennoch bleibt die Gefahr, dass überzogene Erwartungen und zu viel Kapital in einzelnen Segmenten mittelfristig zu Korrekturen führen könnten – ein Muster, das in Innovationszyklen immer wieder zu beobachten war. Auch der Immobiliensektor liefert Warnsignale. Während in früheren Zyklen insbesondere Wohnimmobilien im Fokus standen, richtet sich der Blick diesmal stärker auf Gewerbeimmobilien. Die strukturellen Veränderungen durch Homeoffice und flexible Arbeitsmodelle haben die Nachfrage nach klassischen Büroflächen spürbar verändert, was sich in hohen Leerstandsquoten niederschlägt. Gleichzeitig zeigen Teile des Wohnungsmarktes erste Ermüdungserscheinungen.

Ein weiteres relevantes Thema ist der stark gewachsene Markt für private Kredite. Seit der Finanzkrise haben sich viele Banken aufgrund strengerer Regulierung aus bestimmten Finanzierungssegmenten zurückgezogen. In diese Lücke sind private Kreditfonds vorgestoßen, die heute rund 30 % der Finanzierungen unterhalb des Investment-Grade-Segments stellen – nach etwa 13 % im Jahr 2009. Bei einem konjunkturellen Abschwung wird sich erst zeigen müssen, wie krisenrobust das Segment ist.

Hinzu kommt ein Faktor, der das aktuelle Umfeld von vielen früheren Abschwungphasen unterscheidet: Die wirtschaftspolitischen Reaktionsmöglichkeiten erscheinen begrenzter als in der Vergangenheit. Die Inflation bleibt in vielen Volkswirtschaften ein Thema, was den Zentralbanken Spielraum für schnelle und aggressive Zinssenkungen nimmt.

Gleichzeitig schränken hohe Schuldenstände die fiskalischen Möglichkeiten ein. So zeigen Langfristprojektionen des Congressional Budget Office, dass sowohl die Zinsausgaben des US-Staates als auch die Gesamtverschuldung in den kommenden Jahren neue Höchststände erreichen könnten.

Für Anleger ergibt sich daraus ein Gesamtbild, das deutlich komplexer ist als es die aktuelle Fokussierung auf geopolitische Risiken vermuten lässt. Der Iran-Konflikt ist ein wichtiger Unsicherheitsfaktor – aber eben nur einer von mehreren. Selbst bei einer Entspannung an dieser Front dürften andere Themen auf der Agenda bleiben. Zumal die Erfahrungen mit Donald Trump als US-Präsidenten lehren, dass dieser eher früher als später wieder ein anderes Thema finden wird, das für erhöhte Kursvolatilität sorgt.

Zwar hoffen wir auf ein letztlich glimpfliches Ende der aktuellen Krise, doch die Vielzahl der bestehenden Risiken bringt uns dazu, im internationalen Bereich vorerst weiterhin etwas vorsichtiger als im Schnitt in den Vorjahren zu agieren.

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