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Aktien Spezialwerte
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3U verkauft weclapp

07.09.2022 | Aktien-Spezialwerte Nr. 18/2022

3U meldete am Samstag, dass sie ihren rund 71%igen Anteil an der weclapp SE an eine Tochtergesellschaft der niederländischen Exact Group verkauft hat. Grundlage der Vereinbarung ist ein angenommener Unternehmenswert (Equity Value) von rund 227 Mio. Euro für sämtliche Anteile. Die Transaktion steht unter keinen Vollzugsbedingungen und wird voraussichtlich noch im September 2022 vollzogen. Wie 3U bekannt gab, wird der Verkauf beim EBITDA und beim Konzernergebnis zu zusätzlichen Ergebnisbeiträgen im unteren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich führen, so dass die Ergebnisprognosen in beträchtlichem Maße überschritten werden. „Vorstand und Aufsichtsrat erwägen, die Aktionäre an dem Erfolg der Transaktion mit der Ausschüttung einer Dividende für das Geschäftsjahr 2022 angemessen zu beteiligen“, heißt es seitens 3U.

Vor dem Hintergrund des sehr schwachen Kapitalmarktumfelds der letzten Monate werten wir den Verkauf zu der kommunizierten Unternehmensbewertung, die rund das 12fache des für 2022 anvisierten weclapp-Jahresumsatzes von 18 bis 20 Mio. Euro ausmacht, als sehr großen Erfolg für 3U. Der Verkaufserlös liegt spürbar über dem, was wir in der aktuellen Marktlage für realisierbar gehalten hätten. Wir hatten mehrfach darauf hingewiesen, dass bei einem Börsengang oder einem Verkauf der weclapp im glücklichen Fall eine hohe Wertsteigerung mögtlich ist, hatten eine solch hohe Wertsteigerung wie die nun realisierte aber bewusst nicht in unser Kursziel eingearbeitet. Durch den nun erfolgten Verkauf der weclapp ändert sich der Charakter der 3U-Aktie vollständig. Aus einem Hoffnungstitel, dessen Bewertung größtenteils an der Einschätzung des fairen Werts der schnell wachsenden weclapp hängt, ist nun wieder ein stockkonservativer Deep Value-Titel geworden, denn 3U besteht künftig aus einem großen Berg an Nettocash, dem Segment Erneuerbare Energien und dem Onlineshop für Heimwerker Selfio. Dazu kommt noch das alte Telefoniegeschäft, welches aktuell zwar weiter positive Ergebnisbeiträge liefert, perspektivisch aber eingestellt werden wird. Auch das größere Immobilienprojekt Innohubs wurde inzwischen verkauft.

Wir sehen den inneren Wert der Aktie im Sinne eines Liquidationswertes aktuell bei rund 5,50 Euro bis 6,00 Euro. Auf kurz- bis mittelfristige Sicht wäre es demnach für die Aktionäre das Beste, wenn 3U auch die verbleibenden Geschäftsaktivitäten versilbert, die Verkaufserlöse an die Aktionäre ausschüttet und die Gesellschaft liquidiert. Nachdem der größte Aktionär und 3U-Gründer Michael Schmidt sich nach langjähriger Tätigkeit als Vorstandschef inzwischen aus dem operativen Geschäft zurückgezogen hat und nur mehr im Aufsichtsrat tätig ist, ist dieses Szenario immerhin nicht mehr gänzlich auszuschließen. Aber auch ohne Abwicklungsszenario könnte die Dividende sehr hoch ausfallen. Brutto, also vor Gebühren, Steuern (die nur sehr gering ausfallen werden) und sonstigen Nebenkosten fließen 3U aus dem weclapp-Verkauf rund 161 Mio. Euro zu, mithin rund 4,50 Euro je Aktie. Neben dem Zufluss des Kaufpreises für das 71%ige Aktienpaket ist zudem der kleine positive Effekt zu bedenken, dass 3U bilanziell auch davon profitieren wird, dass die bei der weclapp SE bestehende Nettoverschuldung durch die künftige Entkonsolidierung aus der 3U-Gruppe verschwinden wird.

Wir würden es begrüßen, wenn ein möglichst großer Teil des Verkaufserlöses via Dividenden und/oder Aktienrückkäufen an die 3U-Eigner zurückfließen würde. Das Ausschüttungspotenzial ist extrem groß, da nach Abschluss der Transaktion mehr Geld in der Kasse liegen wird, als es dem aktuellen Börsenwert von 139 Mio. Euro entspricht. Bezüglich künftig zufließender Dividenden st zudem zu bedenken, dass gemäß unserer Recherchen aktuell noch rund 0,50 Euro je Aktie aus dem steuerlichen Einlagekonto geleistet werden können. Bezüglich dieses zunächst steuerfrei ausschüttbaren Betrages ist allerdings zu bedenken, dass 3UEigner auf diese Beträge keine ewig gültige Steuerersparnis erhalten, weil im Gegenzug die steuerlichen Anschaffungsdaten der Aktien um die Dividende korrigiert werden. Aber auch der auf Teile der kommenden Dividendenzahlung erzielte Steuerstundungseffekt ist für langfristig agierende Anleger echtes Geld wert. Obwohl noch unklar ist, mit welcher Dividendenhöhe im kommenden Jahr zu rechnen ist und das kurz- bis mittelfristige Wertpotenzial der Aktie aus finanztheoretischen Gründen umso höher liegt, je voluminöser die Dividende und/oder Aktienrückkäufe ausfallen, erscheint uns doch klar, dass die Aktie bislang nicht ausreichend positiv auf den weclapp-Verkauf reagiert hat und aktuell wieder ein sehr gutes Chance-/Risikoverhältnis bietet. Wir heben unser Kursziel deutlich von 3,30 Euro auf 5,50 Euro an und sehen die Aktie bis zu Kursen von 4,00 Euro (zuvor: unter 2,40) als Kauf. Die Risikoeinschätzung verbessert sich von „mittel“ auf „gering“, da die Aktie künftig zu mehr als 100% durch Nettocash unterlegt sein wird.

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