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Starke Verwerfungen am chinesischen Aktienmarkt - Leitartikel von Raimund Klapdor

28.07.2021 | Aktien-Spezialwerte Nr. 15/2021

In den letzten Tagen zeigten sich starke Verwerfungen am chinesischen Aktienmarkt, nachdem die Staatsführung erneut regulatorisch massiv eingriff. Insbesondere die Aktivitäten einiger Technologiekonzerne scheinen ins Visier der chinesischen Staatsführung geraten zu sein. Prominent war bereits im letzten November der Fall von Alibaba. Der Technologieriese musste den geplanten Rekord-Börsengang der Finanzdienstleistungstochter Ant wenige Tage vor dem IPO-Termin aufgrund staatlicher Verfügung absagen. Andere größere chinesische Tech-Unternehmen, die Börsengänge in den USA planten oder bereits durchgeführt hatten, bekamen zuletzt ebenfalls Probleme. Die staatlichen Eingriffe, die stets mit der Stärkung des Gemeinwohls begründet werden, haben Investoren in den letzten Wochen und Monaten so sehr verschreckt, dass dies zu Wertverlusten in chinesischen Tech- und Bildungs-Aktien von mehr als einer Billion US-Dollar führte. Allein am Dienstag gab die Aktie des chinesischen Technologieriesen Tencent im Hongkonger Handel um bis zu 10% nach. Das Unternehmen hatte zuvor auf behördlichen Druck hin angekündigt, bei seiner dominanten Social-Media-App WeChat vorerst keine neuen Registrierungen mehr entgegenzunehmen, bis neuen Vorschriften und Gesetzen rund um Datensicherheit und Privatsphäre Folge geleistet werden kann. Seit Anfang Juli steht für die Tencent-Aktie nun ein Minus von rund 25% zu Buche. Im gleichen Zeitraum verlor der Hang Seng China Enterprises Index, der die chinesischen Unternehmen an der Hongkonger Börse zusammenfasst, mehr als 18% und der Schanghaier Leitindex CSI 300 fast 10%.

Der aktuelle staatliche Regulierungsschlag richtet sich gegen die zuletzt in China boomende Nachhilfeindustrie. Zum Teil sind die Maßnahmen durchaus verständlich, denn einige eLearning- Plattformen haben in der Corona-Pandemie ihre Marktstellung ausgenutzt, um den größtenteils immer noch armen Haushalten ihre digitalen Lernangebote zu hohen Preisen aufzuzwingen und so die von der Staatsführung zu Recht missbilligte Spaltung der Bildungsmöglichkeiten zwischen armen und reichen Haushalten verstärkt. Die Kommunistische Partei Chinas greift nun radikal durch. So liegt nun ein Gesetzesvorschlag auf dem Tisch, wonach das Segment mit einem Marktvolumen von 100 Milliarden US-Dollar künftig in China kein Geld mehr verdienen darf und gemeinnützig werden soll. Das brachte den Aktien der großen eLearning-Anbieter massive Kursverluste von mehr als 50%. Aktionäre sitzen auf einem Scherbenhaufen, was nun die Sorgen wachsen lässt, dass chinesische Behörden weitere Branchen ins Visier nehmen werden. Diese Sorgen könnten künftig verstärkt Kurse chinesischer Aktien belasten. Zwar waren sich die meisten internationalen Investoren der regulatorischen Risiken in China auch zuletzt schon durchaus bewusst, aber künftig könnten hier noch höhere Risikoprämien eingepreist werden.

Tatsächlich empfiehlt es sich, bei der globalen Aktienanlage Vorsicht walten zu lassen und der Länderqualität in Sachen Rechtssicherheit und Corporate Governance ein großes Gewicht bei der Depotstrukturierung zu geben, denn dieser Aspekt ist ein wichtiger Einflussfaktor für die langfristige Wertentwicklung für die freien Aktionäre. Hilfreich erscheint uns dabei auch die von der britischen Strategieberatungsfirma EcStrat vor einigen Jahren veröffentlichte Systematik, mit der Kapitalmärkte in neun Kategorien hinsichtlich der Qualität ihrer Corporate Governance eingeteilt werden, siehe Abbildung.

Nach dieser Systematik wird China der Kategorie „Autoritär“ zugeordnet. Dort ist mit einer nur geringen Rechtssicherheit für Minderheitsaktionäre zu rechnen, so dass grundsätzlich geringere Chancen auf eine gute langfristige Wertentwicklung als beispielsweise in liberalen Regionen wie den angloamerikanischen Ländern oder Skandinavien bestehen. Wir raten daher dazu, in Ländern wie China - trotz der teilweise sehr dynamischen Wirtschaftsentwicklung - aufgrund der erhöhten Risiken nur einen begrenzten Teil des Portfolios zu investieren.

Freundliche Börsentage wünscht Ihnen Ihr

Raimund Klapdor

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