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Eurokai: Wir erwarten Ergebnisverdopplung
17.06.2026 | Aktien-Spezialwerte Nr. 12/2026Eurokai hat in der vergangenen Woche die Hauptversammlung (HV) abgehalten und in der Folge eine Dividende von 2,20 Euro (Vorjahr: 2,00) je Aktie ausgeschüttet. Wir haben an der HV in Hamburg teilgenommen und gewannen den Eindruck, dass das Management weiter optimistisch in die Zukunft blickt. Die in der HV bekannt gemachten Umschlagszahlen für die ersten fünf Monate 2026 zeigen ein erfreuliches konzernweites Umschlagsplus von +7,3 % auf 6,11 Mio. TEU (Vorjahr: 5,69 Mio.). Die deutschen Standorte wuchsen in Summe um +8,9 %, die italienischen Standorte um +5,6 % und auch das internationale Geschäft zeigte einen Zuwachs. Besonders beachtlich ist, dass nicht nur in den drei geographischen Regionen insgesamt, sondern tatsächlich an jedem einzelnen der neun Standorte ein Plus verzeichnet werden konnte. Nachdem bereits mit dem Bericht zum ersten Quartal kommuniziert wurde,dass die Ergebnisse beider Segmente (Eurogate und Contship) jeweils deutlich über den entsprechenden Vorjahreswerten als auch jeweils deutlich, bzw. spürbar über der Prognose gelegen hätten, gehen wir nach allen uns verfügbaren Informationen davon aus, dass Eurokai auch für das gesamte erste Halbjahr 2026 gute Ergebnisse vorlegen wird.
Aus unserer Sicht brachte die HV selbst kaum überraschende Neuigkeiten. Es kam beispielsweise gar nicht zur Sprache, dass zuletzt eine große Roadshow des Jade-Weser-Ports in China mit sechs Veranstaltungen in Shanghai, Shenzen, Xiamen, Qingdao, Ningbo und Yiwu durchgeführt wurde, die insgesamt 1.200 Vertretern von Reedereien, Logistikdienstleistern, Ladungseigentümern und Branchenorganisationen die Rolle Wilhelmshavens als Deutschlands einzigem Tiefwasser-Containerhafen sowie seine wachsende Bedeutung als Tor für den Asien-Europa-Handel nahe brachten.
Wir würden uns wundern, wenn hieraus ab nächstem Jahr nicht weitere Mengenzuwächse für den Jade-Weser-Port aus neuen Liniendiensten resultieren würden. Nachdem in Wilhelmshaven im Jahr 2025 rund 1,47 Mio. TEU (2024: 0,84 Mio.) umgeschlagen wurden, plant Eurokai für das laufende Jahr zunächst mit einem Wachstum auf rund 1,8 Mio. TEU. Die aktuelle offizielle Konzernprognose, die mit dem Bericht zum ersten Quartal 2026 angehoben wurde und nun für das Konzernergebnis (exklusive der Effekte aus NTB und dem Teilverkauf Hamburg) einen leichten Rückgang des Konzernergebnisses (zuvor: deutlicher Rückgang) vorsieht, basiert darauf, dass für den weiteren Jahresverlauf mit rückläufigen und sich wieder normalisierenden Lagergelderlösen gerechnet wird. Ob diese Bedingung überhaupt eintreten wird, bleibt unseres Erachtens noch abzuwarten, auch wenn es natürlich begrüßenswert ist, dass die Unternehmensleitung diese Vorsicht in die Prognose eingearbeitet hat, so dass Eurokai-Aktionäre auch für 2026 wohl keine negativ überraschenden Unternehmensmeldungen zu befürchten haben. Schließt man sich dieser Vorsicht an und geht davon aus, dass rein operativ trotz steigender Umschlagsvolumina aufgrund rückläufiger Lagergelder das 2026er Ergebnis je Aktie leicht sinkt (2025: 4,54 Euro), so erwarten wir dennoch am Ende ein massiv steigendes Ergebnis. Gemäß unserer Analyse sind für das Jahr 2026 gegenüber dem 2025er Ergebnis vor allem fünf bedeutende Veränderungen zu kalkulieren.
Neben den Lagergeldern, die auch wir aus Vorsichtsgründen als rückläufig annehmen und den positiv wirkenden, nochmals merklich steigenden Umschlagsmengen am Jade-Weser-Port (beides Effekte, die wir als operativ ansehen), sind als Sondereffekte ein von uns deutlich erhöht erwarteter (Anlauf-)Verlust in Damietta, sowie erhebliche positive Effekte aus der neuen NTB-Kooperation (Bremerhaven) sowie dem 20 %-Teilverkauf des Terminals Hamburg (CTH) seitens Eurogate an CMA CGM zu berechnen. Werden all diese Einzeleffekte quantifiziert und saldiert, so erwarten wir in Summe für das laufende Jahr klar ein neues Rekordergebnis, wobei sich das Ergebnis je Aktie nach unserer Rechnung gegenüber 2025 rund verdoppeln sollte.
Alles in allem bleibt daher der Investmentcase voll intakt. Nachrichtenseitig erwarten wir für das zweite Halbjahr 2026 die Vermeldung der Finalisierung des Teilverkaufs CTH sowie der NTBKooperation, im Zuge dessen Eurokai dann auch nicht darum herum kommen wird, die 2026er Prognose für das Konzernergebnis zu erhöhen. Wir bewerten insbesondere die neue Kooperation am NTB extrem positiv, denn diese wird neben einem einmaligen positiven Sondereffekt in 2026 in Zukunft jährliche garantierte Gewinne in zweistelliger Millionenhöhe bringen (gemäß unserer Recherchen wird Eurogate rund 20 Mio. Euro p.a. erhalten). Das Beste daran: diese Kooperation läuft bis ins Jahr 2075, wobei die für Eurogategarantierten Gewinne auch noch jährlich mit der Inflationsrate ansteigen werden. Allein der Wert dieser für Eurokai-Aktionäre langfristig garantierten NTB-Gewinne (als einer Art Rente) ist immens. Auch für 2027 stehen die Vorzeichen gut. Denn für kommendes Jahr erwarten wir einen deutlichen Ladungszuwachs für Damietta, womit die im laufenden Jahr noch hohen Anlaufverluste erheblich sinken werden. Darüber hinaus sehen wir auch für den Jade-Weser-Port noch einmal einen weiteren spürbaren Umschlagszuwachs auf über 2 Mio. TEU.
Zum Halbjahresende 2026 erwarten wir trotz der im Juni erfolgten Dividendenausschüttung einen Nettocashbestand, der bereits wieder den Jahresendstand 2025 (21,18 Euro je Aktie) oder etwas mehr erreicht haben sollte, bevor im zweiten Halbjahr dann erhebliche Gelder aus den zu erwartenden Sondereffekten (CTH + NTB) in die Eurogate hineinfließen sollten, die zu der rein operativ ohnehin sehr starken ständigen Cashgenerierung noch hinzukommen. Daher machen wir uns trotz der in den kommenden Jahren erhöhten Automatisierungsinvestitionen auch um die Dividende keine Sorgen und erwarten im kommenden Jahr wieder eine Ausschüttung von zumindest 2,20 Euro je Aktie, eher etwas mehr. Die Automatisierungsinvestitionen werden über viele Jahre gestreckt anfallen und sind beispielsweise am NTB erfreulicherweise nur zu 20 % von Eurogate, dagegen zu 80 % vom Partner Maersk zu schultern, was den dortigen Deal umso attraktiver macht.
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Themen des Aktien-Spezialwerte Nr. 12/2026