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Themen des Aktien-Spezialwerte Nr. 12/2022

Designelement

Warum es derzeit keinen sicheren Hafen gibt

15.06.2022 | Aktien-Spezialwerte Nr. 12/2022

Im Juni ist das von der University of Michigan ermittelte USVerbrauchervertrauen auf einen Indexwert von 50,2 und damit auf ein Allzeittief gefallen. Kein Datenpunkt der letzten 70 Jahre war schlechter, weder in der Inflationsphase der 1970er Jahre, noch nach den Terror-Attacken vom 11. September 2001, noch in der Finanzkrise 2008/09.

Die Menschen nicht nur in den USA sind offenbar zutiefst verunsichert durch die in den letzten Monaten massiv angestiegene Inflation. Dabei spielt sicherlich auch eine Rolle, dass wir uns jahrzehntelang an fallende und niedrige Inflationsraten gewöhnt hatten, so dass die Schnelligkeit des Anstiegs nun einen Schock auslöst. Nachdem bisher vor allem angebotsseitige Knappheiten und Lieferkettenprobleme zu Preisauftrieb und Inflation führten, deutet das eingebrochene Verbrauchervertrauen nun klar auf eine bevorstehende, durch eine Nachfrageschwäche bedingte Rezession hin, was die Ängste an den Aktienmärkten jüngst noch einmal deutlich steigen ließ. So wird an den Märkten zunehmend eine Kombination aus hohen Preisen und schwacher Wirtschaft (Stagflation) eingepreist. Sollte sich eine ausgedehnte Nachfrageschwäche tatsächlich in der Wirtschaft materialisieren, würde mit diesen rezessiven Tendenzen freilich auch der Inflationsdruck wieder weichen (erst recht falls wie erwartet zusätzlich eine Entspannung auf der Angebotsseite durch eine Normalisierung der Lieferketten eintritt). Damit wären dann auch die Notenbanken nicht mehr so unter Druck, die Zinsen weiter anzuheben. Wann dieser Punkt erreicht sein wird, weiß natürlich niemand, aber einige Marktauguren rechnen damit, dass der Zinsanhebungsdruck bereits zum Jahresende wieder abflauen könnte.

Wir sind weder im Lager der Optimisten, die im Rahmen dieses Prozesses mit einer „weichen Landung“ rechnen, noch im Lager derjenigen, die diesen Gesundungsprozess nur unter Inkaufnahme einer Rezession sehen. Wir wissen es einfach nicht. Klar scheint uns nur zu sein, dass die Aktienmärkte solange nervös und von hoher Volatilität geprägt sein dürften, bis sich zumindest abzeichnet, dass die Preissteigerungsraten nicht noch weiter anziehen. Mit sich stabilisierenden und wieder zu fallen beginnenden Inflationsraten (womit die meisten Experten im Laufe des dritten, spätestens vierten Quartals rechnen) dürfte dann auch die Angst an den Aktienmärkten (jüngst zeigte der CNN Fear&Greed-Index erneut „extreme Angst“ an) wieder zurückgehen. Leider kann das aber noch dauern. Genau in solchen Phasen des erwarteten Anhaltens der Unsicherheit tendieren viele Anleger dazu, mit Verkäufen zu reagieren. Sie wollen die Unsicherheit aus dem Depot heraus nehmen und planen wieder einzusteigen, wenn sich die Lage beruhigt hat. Solche Versuche führen langfristig aber nur sehr selten zum Erfolg, denn bei tatsächlich verflogener Unicherheit stehen die Kurse meist bereits wieder deutlich höher, was den Wiedereinstieg psychologisch weiter erschwert.

Die aktuelle Gemengelage der letzten Monate mit in kurzer Zeit deutlich gestiegenen Zinsen und Inflationsraten sowie einer sich anbahnenden eventuell deutlichen Nachfrageschwäche scheint außer Käufern von Rohstoffwerten und Rüstungsaktien nahezu jeden auf dem falschen Fuß erwischt zu haben. Bei vielen, zuvor teilweise extrem hoch bewerteten US-Technologiewerten ist die Blase inzwischen geplatzt. Der Nasdaq 100 notiert allein im laufenden Jahr bei -30,7%, aber auch der TecDax weist mit -27,4% deutliche Verluste auf. Zuletzt haben auch vermeintlich sichere Anleihen durch vermehrte Zinsängste massiv an Wert verloren. Das Problem ist, dass es aktuell einfach keinen sicheren Hafen gibt, denn auch Immobilien sind auf Basis ihrer hohen Zinssensitivität anfällig und der „Wert“ von Anlagegütern, die selbst keine Erträge abwerfen (Gold, Kunst, Krypto“währungen“) ist ohnehin nicht seriös ermittelbar, weil diese Märkte vor allem durch das spekulative Element des Wettens auf Preisentwicklungen geprägt sind (anstatt sich an den abgeworfenen Erträgen orientieren zu können). Wer meint, über eine Glaskugel zu verfügen und zu wissen, dass Erträge abwerfende Assets im Preis weiter fallen müssen und demnach via Market-Timing in Kasse geht, mag sich aktuell bei fallenden Aktienkursen natürlich sicherer fühlen, aber sein Vermögen wird er damit ebenfalls nicht bewahren können, denn die Kassenhaltung ist letztlich nur insofern sicher, als Einbußen in Höhe der Geldentwertung garantiert sind.

Da der Realzins trotz des jüngsten Nominalzinsanstiegs auf Rekordtiefs gefallen ist, besteht mit etwas Abstand betrachtet aktuell eigentlich ein extrem hoher Anreiz für eine Flucht in Realwerte, wozu auch Aktien gehören. Momentan haben wir in Europa genau das Szenario, das vor einigen Jahren noch als Lösung für die viel zu hohen Schulden kolportiert wurde: Spürbar höhere Inflationsraten, wobei die Nominalzinsen noch vergleichsweise niedrig bleiben, so dass mit einem deutlich negativen Realzins die Schuldenberge in realer Hinsicht sukzessive abschmelzen können. Die großen Verlierer einer solchen finanziellen Repression sind die Besitzer von Nominalforderungen, also beispielsweise Anleihenbesitzer und diejenigen, die dauerhaft viel Kasse halten. Gewinner werden jene sein, deren Nominalschulden (wenn vorhanden) durch die Inflation wegschmelzen, deren Realwerte aber ihren Wert behalten. Noch überwiegt die Angst am Aktienmarkt, aber langfristig bleiben Realwerte alternativlos.

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