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Themen des Aktien-Spezialwerte Nr. 08/2022

Designelement

Die Millionärspersönlichkeit und die Börse

20.04.2022 | Aktien-Spezialwerte Nr. 08/2022

Eine kürzlich veröffentlichte Studie deutscher Wissenschaftler „The personality traits of self-made and inherited millionaires“ (abrufbar unter www.nature.com/articles/s41599-022- 01099-3 ) bietet interessante neue Erkenntnisse zur Reichtums- und Persönlichkeitsforschung. Grundlage der Studie ist die Ergänzung des sozio-ökonomischen Panels (SOEP) des DIW um eine Zufallsstichprobe von mehr als 2000 „Hochvermögenden“ mit einem Nettovermögen von mindestens 1 Mio. Euro (durchschnittliches Nettovermögen der Stichprobe 4 Mio. Euro), wodurch Aussagen über die psychologischen Eigenschaften der Reichen in Deutschland möglich wurden. Das Klischee, die meisten Reichen hätten eben geerbt, ihren Reichtum lediglich einer Eliteausbildung zu verdanken oder schlicht Glück gehabt, wird von den Daten nicht gestützt. Nur 12% der Hochvermögenden verdanken ihren Reichtum ausschließlich dem Erben, 42% einem Mix von Erbe und selbsterwirtschaftetem Vermögen, wogegen 43% der Reichen über gar kein geerbtes Geld verfügten. Dagegen kamen die Forscher zu dem Ergebnis, dass es tatsächlich so etwas wie eine „Millionärspersönlichkeit“ gibt, die sich im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung vor allem durch eine höhere Risikobereitschaft und eine höhere emotionale Stabilität (bzw. geringeren Neurotizismus), aber auch durch größere Offenheit, stärkere Extrovertiertheit und eine höhere Gewissenhaftigkeit auszeichnet. Dabei fällt auf, dass „Selfmade“-Millionäre diesem Persönlichkeitsprofil am ehesten entsprechen und zudem umso reicher waren, je mehr sie diesem Profil entsprachen.

Durch die Daten konnte erstmals gezeigt werden, dass die Millionärspersönlichkeit tatsächlich der Grund und nicht die Folge des Reichtums ist. Denn Millionäre, die ihren Reichtum selbst erwirtschaftet haben, unterscheiden sich erheblich von lediglich reichen Erben, welche deutlich weniger risikobereit und emotional labiler sind. Dass auch die langfristig erfolgreiche Aktienanlage mindestens so sehr eine Frage des Charakters wie der Intelligenz ist, darauf hat schon Warren Buffett vielfach hingewiesen. Auch der langfristige Vermögensaufbau an den Finanzmärkten verläuft unseres Erachtens umso erfolgreicher, je stärker Anleger den Persönlichkeitsmerkmalen der Selfmade-Millionäre entsprechen, bzw. diese kultivieren. Beschränken wir uns auf die beiden gemäß der Studie wirkmächtigsten Millionärs-Eigenschaften: die höhere Risikobereitschaft und die höhere emotionale Stabilität. Wer grundsätzlich an den Finanzmärkten keine Risiken eingehen will, wird sein Geld vor allem in Festgeldanlagen und Anleihen investieren (wie immer noch die meisten Deutschen), dagegen wenig auf Aktien setzen und grundsätzlich zu zittrig agieren. Das mag zwar kurzfristig vor starken Schwankungen schützen, wird langfristig aber keine großen Vermögen schaffen. Charakterlich erfolgsentscheidend am Aktienmarkt dürfte vor allem ein geringer Neurotizismus, bzw. eine hohe emotionale Stabilität sein. Emotional labile Personen mit hohem Neurotizismus erleben dagegen häufiger Angst, Nervosität, Anspannung und Unsicherheit, wobei diese Empfindungen bei labilen Personen leichter ausgelöst werden und zudem länger bestehen bleiben. Sie tendieren zu mehr Sorgen, neigen zu unrealistischen Ideen und haben Schwierigkeiten, in Stresssituationen angemessen zu reagieren. Am Aktienmarkt neigen sie zum „overtrading“, „noise trading“, hektischem Hin-und-her und schlagen ihr Portfolio bedingt durch häufige Stimmungsumschwünge (oft zu den denkbar schlechtesten Zeitpunkten) viel zu häufig um, was gemäß den Ergebnissen der empirischen Kapitalmarktforschung jede Menge Performance kostet.

Unseres Erachtens gibt es durchaus einige Strategien, um gegen ein solch performanceschädliches Verhalten gegenzusteuern. Erstens das Informieren vor allem anhand langfristiger Zeitreihen, Basisdatenbanken, Hintergrundstudien und Geschäftsberichten, anstatt sich vor allem an den sensationsheischenden Aufmachern der Wirtschaftstagespresse zu orientieren oder gar den emotional aufgeladenen Meinungskämpfen in den sozialen Medien zu folgen. Zweitens das Investieren mit ausschließlicher Langfristorientierung, denn das hilft, nicht auf den tagesaktuellen, lärmenden „noise“ zu reagieren. Und drittens das sehr gründliche Recherchieren jedes einzelnen Investments bis zum Punkt sehr hoher Einschätzungssicherheit (einhergehend mit dem Verzicht auf ein Investment, falls dieser Punkt nicht erreicht werden kann), denn nur so bestehen gute Chancen darauf, auch in Marktturbulenzen die Nerven zu behalten, weil eben Klarheit darüber herrscht, welche echten Werte dem Investment zu Grunde liegen und welche Bestimmungsfaktoren diese Werte wie und in welchem Ausmaß verändern (und welche nicht).

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