Wie der Dax bei großem Google-Suchinteresse am Rezessions-Begriff historisch abgeschnitten hat

Deutschland steckt derzeit in einer Rezession. Der laufende wirtschaftliche Abschwung schürt bei vielen Anlegern die Angst vor Kursverlusten. Die Sorgen zeigen sich auch an steigenden Google-Suchanfragen zum Begriff Rezession. HQ Trust hat untersucht, wie sich die Aktienkurse früher anschließend entwickelten, als das Interesse am Rezessions-Begriff ebenfalls groß war. Der Blog des Börsenwerte-Verlags berichtet über die interessanten Ergebnisse dieser Untersuchung.

Rezessionen (Abschwungphasen) gehören ebenso wie die Aufschwungphasen (Expansion), die Hochkonjunktur (Boom) und das Konjunkturtief (Depression) zu den integralen Bestandteilen des wirtschaftlichen Zykluses.

In Deutschland befindet sich die Wirtschaft nach zwei negativen Quartalen beim Bruttoinlandsprodukt in Folge per gängiger Definition aktuell wieder in einer Phase der Rezession. Die damit einhergehende Unsicherheit über die weiteren volkswirtschaftlichen Aussichten sowie die Gewinnperspektiven der Unternehmen schüren bei vielen Anlegern die Sorgen vor Kursverlusten an den Börsen.

Neun Suchabfragen-Hochpunkte seit 2004

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie sich die Aktienkurse früher anchließend entwickelt haben, als das Google-Suchinteresse am Rezessions-Begriff ebenfalls groß war. Angenommen hat sich dieser Aufgabe Philip Arnold, Data Analyst Kapitalmarkt bei HQ Trust, das Multi-Family-Office der Familie Harald Quandt.

Konkret hat Arnold dabei im ersten Schritt den Zusammenhang zwischen Rezessionen in Deutschland und den Suchanfragen bei Google zum gleichen Thema untersucht. Die Suchbegriffdaten sind seit dem Jahr 2004 verfügbar und werden als relative Häufigkeit zum Hochpunkt des Begriffs veröffentlicht.

Bei deutschsprachigen Google-Nutzern hat der Begriff Rezession demnach in den vergangenen rund 20 Jahren neun merkliche Hochpunkte erlebt. Dem stehen lediglich fünf tatsächliche Rezessionen gegenüber. Nur teilweise fielen dabei rezessive Phasen und erhöhtes Suchaufkommen zusammen, beispielsweise während der Finanzkrise im Jahr 2008.“

Teilweise blieb das zweimalige Schrumpfen des BIP von der Bevölkerung völlig unbeachtet: Die rezessiven Phasen im Jahr 2004 sowie Ende 2012 / Anfang 2013 haben die Google-Nutzer komplett verschlafen, so Arnold. Im Gegenzug wurde der Begriff immer wieder häufig gesucht, wenn das BIP-Wachstum nicht unmittelbar auf eine Rezession schließen ließ, etwa im August 2011.

Deutsche googeln „Rezession“ vor allem im Abwärtstrend - anschließend stieg der Dax im Schnitt

Im zweiten Schritt seiner Analyse legte Arnold den Dax-Verlauf über die Häufigkeit der Suche nach dem Begriff Rezession. Die Ergebnisse, die sich darauf ergeben, fasst Arnold wie folgt zusammen:

„Es fällt auf, dass die Deutschen besonders gerne bei Google nach Rezessionen suchen, wenn sich der Dax in einer Abwärtsbewegung befinden: Die Peaks in der Suchbegriffhäufigkeit fallen häufig auf lokale Tiefpunkte des DaX. Im Mittel läuft es für den Dax besser, wenn das große Interesse an der Rezession nachlässt: Betrachtet man die darauffolgenden Monate, entwickelt sich der Dax im Mittel über alle untersuchten Zeiträume hin positiv. Sechs Monate nachdem die Deutschen besonders oft nach Rezessionen suchten, stand der Dax im Schnitt 7,3 % höher. Nach drei Monaten waren es im Mittel 4,6 %.“

Wir sind sehr gespannt, wie die Sache dieses Mal ausgeht. Wobei zu konstatieren ist, dass sich der Dax im ersten Halbjahr mit einem prozentuall zweistelligen Plus bisher sehr erfolgreich gegen das Rezessions-Umfeld gestemmt hat.