Dank neuer Kursrekorde: Die vier Aktien mit den besten Charts aus Dax und ATX

Allianz, Siemens, Vienna Insurance Group und Andritz haben alle im August bereits neue Kursbestmarken markiert. Wir beleuchten die Gründe für diese Rekordjagd und beurteilen die Aussichten bei diesem Erfolgs-Aktien-Quartett.

Neue Kursrekorde sind an der Börse ein wichtiges Signal. Denn eine Aktie kann nur dann ein neues Hoch erreichen, wenn Anleger bereit sind, auch zu höheren Kursen weiter zu kaufen. Und das wiederum tun sie für gewöhnlich nur dann, wenn der Geschäftsgang ermutigend verläuft und die Aussichten als weiterhin vielversprechend gelten.

Für Anleger, die auf bestehende Trends setzen, ist das ein starkes Argument. Besonders aussagekräftig wird es, wenn ein Aufwärtstrend nicht nur einige Monate anhält, sondern sich über Jahre erstreckt, was häufig zum Profil von Aktien mit Rekordkursen zählt.

Wie bereits angedeutet entstehen Rekordkurse selten ohne Grund. Nicht selten spielen dabei auch übergeordnete Faktoren eine Rolle. Wenn beispielsweise mehrere Unternehmen einer Branche gleichzeitig Stärke zeigen, ist das ein Hinweis darauf, dass der Markt in diesem Segment ein gutes Geschäftsumfeld ausgemacht hat und offenbar auch erwartet, dass es erfolgreich weitergehen kann. Genau das lässt sich derzeit bei Versicherern sowie bei Unternehmen beobachten, die von Elektrifizierung, Digitalisierung und dem wachsenden Strombedarf profitieren.

Allianz und Vienna Insurance Group gehören zu den starken Versicherungswerten. Siemens profitiert vom Ausbau von Stromnetzen, Rechenzentren und automatisierten Fabriken. Andritz wiederum ist in Bereichen wie Wasserkraft, Energie- und Umwelttechnik tätig. Bei allen vier Aktien gibt es somit neben dem starken Chart auch fundamentale Gründe für die aktuelle Rekordjagd.

Allianz: Starker Trend und fast vier % Dividendenrendite

Die Allianz (ISIN: DE0008404005) gehört zu den größten Versicherungs- und Finanzkonzernen der Welt. Das Unternehmen verdient sein Geld mit Schaden- und Unfallversicherungen, Lebens- und Krankenversicherungen sowie mit der Vermögensverwaltung. Diese breite Aufstellung sorgt für eine vergleichsweise stabile Ertragsbasis.

Dass die Aktie auf Rekordkurs ist, ist angesichts einer starken Aufstellung kein Zufall. Die momentan gültige Bestmarke stammt auf Schlusskursbasis mit 440,70 Euro vom 06.08. In zwei Etappen betrachtet ist es so, dass der Kurs im März 2020 bei 119 Euro handelte und im März 2023 bei 41,08 Euro. Über beide Zeiträume hinweg kann sich die Performance sehen lassen.

Noch interessanter war die Wertentwicklung, wenn man die Dividenden einberechnet. Den eigenen Angaben zufolge erzielten Anleger mit den Allianz-Aktien von 2016 bis 2025 unter Einbeziehung der Ausschüttungen eine durchschnittliche jährliche Performance von 14,4 % pro Jahr. Über die vergangenen fünf Jahre waren es einschließlich Dividenden sogar 19,9 % jährlich. Und was die Dividenden angeht, winkt Investoren weiterhin Positives. Jedenfalls sieht der Analystenkonsens die Zahlung für 2026 von 17,10 Euro auf 18,47 Euro je Aktie steigen und bis 2029 sollen dann stetig weiteren Steigerungen sogar 22,46 Euro klettern.

Auch die Geschäftsentwicklung liefert Rückenwind. Im ersten Halbjahr 2026 stieg der operative Gewinn um 8,6 % auf 9,39 Mrd. Euro, der auf die Aktionäre entfallende Gewinn erhöhte sich sogar um 19,4 % auf 6,29 Mrd. Euro. Gleichzeitig erreichte das verwaltete Vermögen im Bereich der Vermögensverwaltung neue Höchststände.

Die Bewertung ist trotz des Rekordkurses nicht aus dem Ruder gelaufen. Beim Gewinn je Aktie kalkulieren Analysten im Schnitt, dass dieser von 2025 bis 2029 von 27,69 Euro auf 36,65 Euro anziehen wird. Auf letztgenannter Basis errechnet sich ein geschätztes KGV von 12,1, was für einen Konzern mit dem Format der Allianz nicht übertrieben erscheint.

Siemens: Die KI-Revolution braucht weit mehr als Chips

Siemens (ISIN: DE0007236101) ist längst nicht mehr nur ein klassischer Industriekonzern. Das Unternehmen verbindet Automatisierung, Software, Stromversorgung und intelligente Gebäudetechnik. Dadurch profitiert es von mehreren langfristigen Trends gleichzeitig.

Besonders wichtig ist der steigende Strom- und Infrastrukturbedarf durch Künstliche Intelligenz. Rechenzentren benötigen nicht nur leistungsfähige Prozessoren, sondern enorme Mengen an Strom, entsprechende Netze und eine zuverlässige technische Infrastruktur. Genau hier ist Siemens gut positioniert. Hinzu kommen Investitionen in automatisierte Fabriken und die Modernisierung der Stromversorgung.

Die jüngsten Zahlen zeigen, wie stark das Geschäft läuft. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 stiegen die Aufträge um 13 % auf den Rekordwert von 27,9 Mrd. Euro. Der Umsatz legte um 7 % auf 20,8 Mrd. Euro zu, während der Gewinn des Industriegeschäfts um 25 % auf den Rekordwert von 3,5 Mrd. Euro sprang. Siemens hob deshalb seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr an.

Interessant ist, dass Siemens mit diesem Trend nicht allein ist. Auch Schneider Electric und ABB profitieren von den Investitionen in Stromnetze, Rechenzentren und Elektrifizierung. Dass mehrere große Unternehmen aus diesem Bereich gleichzeitig neue Höchststände erreichen, spricht dafür, dass hier ein breiter Investitionszyklus läuft – und nicht nur eine kurzfristige Börsenmode.

Auch der langfristige Siemens-Chart passt dazu. Der Aktienkurs ist seit März 2000 ausgehend von 60,88 Euro bis auf ein am 04.08.26 aufgestelltes Schlussrekordhoch von 287,45 Euro gestiegen. Damit gehört man zu den langfristig erfolgreichsten deutschen Industrietiteln. Zur zusätzlichen Einordnung: Im November 1996 handelte der Titel noch bei 23,31 Euro.

Die Kehrseite ist eine derzeit optisch etwas anspruchsvolle Bewertung. Das dokumentiert ein geschätztes KGV von gut 25 für 2026. Besserung ist in dieser Hinsicht in Sicht, sofern die Gewinnprognosen aufgehen. Denn der Analystenkonsens kalkuliert mit einem Gewinn je Aktie, der von 2025/26 bis 2028/29 von 11,08 Euro auf 16,13 Euro vorrücken soll. Das ergibt zwar perspektivisch betrachtet noch keine Schnäppchen-Bewertung, aber solange die Story stimmt, könnte der Aufwärtstrend dennoch halten. 

Vienna Insurance Group: Regionale Aufstellung und Zukauf beflügeln die Geschäfte

Die Vienna Insurance Group (VIG; ISIN: AT0000908504) hat einen besonderen Vorteil: Sie ist in Mittel- und Osteuropa hervorragend positioniert. In vielen dieser Länder wächst der Versicherungsmarkt noch deutlich stärker als in den reifen Märkten Westeuropas. Gleichzeitig besitzt VIG eine breite Präsenz in zahlreichen Ländern und ist dadurch nicht von der Entwicklung eines einzelnen Marktes abhängig.

Dieser Titel markierte jüngst am 06.08. sein aktuelles Rekordhoch auf Schlusskursbasis bei 73,30 Euro. Der aktuelle Aufwärtstrend nahm seinen Anfang im März 2020 bei einem Stand von 13,90 Euro. Die Kurse steigen also schon seit mehr als sechs Jahren. Ergänzender Hinweis: im April 1995 handelte dieser Wert bei lediglich 7,58 Euro.

Der Geschäftsgang passt zur guten Kursentwicklung. Im ersten Quartal 2026 stiegen die Einnahmen aus dem Versicherungsgeschäft um 9,1 %, der Gewinn vor Steuern sogar um 18,8 % auf 310 Mio. Euro. Gleichzeitig verbesserte sich das Verhältnis von Schäden und Kosten zu den Prämieneinnahmen auf 91,8 %. VIG erwartet für 2026 ein Ergebnis vor Steuern von 1,25 bis 1,30 Mrd. Euro.

Für zusätzliches Wachstum sorgt die Übernahme der Nürnberger. VIG stärkt damit ihre Position in Deutschland und erweitert zugleich die Basis für künftiges Geschäft. Die Dividende wurde für 2025 um 11,6 % auf 1,73 Euro je Aktie erhöht. Für die Geschäftsjahre 2026 bis 2028 rechnen Analysten mit folgenden Zahlungen: 1,88 Euro, 2,06 Euro und 2,50 Euro.

Trotz der kräftigen Kursgewinne ist die Bewertung noch nicht aus dem Ruder gelaufen. Ganz im Gegenteil: Gehen die Schätzungen auf, ist die Bewertung sogar als günstig zu bezeichnen. Denn der Analystenkonsens sieht den Gewinn je Aktie von 2025 bis 2028 von 6,46 Euro auf 8,79 Euro steigen. Das heißt, wir sprechen hier von einstelligen KGVs. Das ist eine gute Ausgangslage bei der Aufgabe, den bestehenden Aufwärtstrend weiter auszubauen.

Andritz: Rekordaufträge geben Rückenwind

Andritz (ISIN: AT0000730007) ist ein österreichischer Spezialist für große Industrieanlagen und technische Lösungen. Das Unternehmen ist unter anderem in der Wasserkraft, in der Papierindustrie, bei der Metallverarbeitung sowie in der Umwelt- und Energietechnik tätig.

Damit profitiert Andritz von langfristigen Trends, die weit über die normale Konjunktur hinausreichen. Stromerzeugung und Stromnetze müssen ausgebaut werden, Wasserkraftwerke werden modernisiert, Industriebetriebe investieren in einen geringeren Energie- und Rohstoffverbrauch. Gleichzeitig sorgt die große Zahl bereits installierter Anlagen für ein wachsendes Geschäft mit Wartung und Ersatzteilen.

Der Chart zeigt hier von Mitte März 2000 bis zum 03. August einen Anstieg auf Schlusskursbasis von 24,36 Euro auf in der Spitze 83,90 Euro. Eine Bilanz, die sich sehen lassen kann. Zumal die Performance auch langfristig gesehen stimmt. Da der Titel 2002 noch bei lediglich 2,43 Euro handelte, sind die Notierungen unter dem Strich schon lange im Aufwind. Weitere Rekorde in diesem Monat sind somit keine isolierte Bewegung.

Besonders stark ist geschäftlich gesehen derzeit die Auftragslage. Der Auftragsbestand erreichte in den ersten sechs Monaten mit 12,60 Mrd. Euro einen neuen Rekord und lag damit gut 20 % über dem Jahresende 2025. Das gibt Andritz eine hohe Planungssicherheit für die kommenden Jahre.

Die Entwicklung ist auch deshalb interessant, weil der Konzern nicht auf einen einzigen Markt angewiesen ist. Wasserkraft, Energie- und Umwelttechnik sowie industrielle Anlagen bieten unterschiedliche Wachstumstreiber. Für 2026 erwartet Andritz weiterhin einen Umsatz von 8,0 bis 8,3 Mrd. Euro und eine operative Gewinnmarge von 8,7 bis 9,1 %. Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Umsatz um 5,2 % auf 3,84 Mrd. Euro.

Was den Ausblick angeht, sehen Analysten den Gewinn je Aktie im Schnitt von 2025 bis 2028 von 4,67 Euro auf 7,18 Euro steigen. Auf letztgenannter Basis ergibt sich damit ein geschätztes KGV von 11,4. Das ist ein Multiplikator, der auch gemessen an den unterstellten Wachstumsraten noch nicht auf eine Überbewertung hindeutet.

Fazit

Die vier vorgestellten Aktien haben eine gemeinsame Botschaft. Ihre Charts zeigen per Rekordnotierungen, dass der Markt derzeit Vertrauen in ihre weitere Entwicklung hat. Und da nicht nur die Chartbilder stammen, sondern dieses Quartett anlagetechnisch auch bei anderen Auswahlfaktoren punkten kann, sind die Chancen auf eine fortgesetzte Rekordjagd, zumindest zum jetzigen Stand, weiterhin als intakt einzustufen.