Iran-Krieg: Unter welchen Bedingungen der Dax dadurch 20 % verlieren könnte
Der Iran-Krieg hat den deutschen Aktienmarkt bereits stark belastet. Eine Analyse der Commerzbank zeigt, welches Szenario für den Dax jetzt besonders gefährlich werden könnte.
Seit dem Angriff von Israel und den USA auf den Iran am vergangenen Samstag stehen die Aktienmärkte in Europa unter Druck. So hat der Dax in der ersten Woche seit Kriegsbeginn 6,7 % verloren, und der Euro Stoxx 50 ist um 6,8 % gefallen.
Die beiden genannten Indizes haben damit ihre bisherigen 2026er-Kursgewinne wieder abgegeben und sind sogar in die Verlustzone gerutscht. Der europäische Aktienmarkt leidet stark unter den Sorgen der Anleger, dass der Iran-Krieg zu einer langanhaltenden Energiekrise mit hohen Öl- und Gaspreisen führt. Denn kurzfristig zeichnet sich keine schnelle Lösung ab, wie der für den globalen Energiehandel wichtige Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus wieder Fahrt aufnehmen könnte, schreibt die Commerzbank in einer aktuellen Studie.
Die US-Aktienmärkte haben dagegen bislang bemerkenswert gelassen auf den Beginn des Iran-Krieges reagiert. Der S&P 500 hat in den ersten drei März-Tagen gerade einmal 0,1 % verloren. Dies liegt aus Sicht des zuvor erwähnten deutschen Kreditinstituts zum einen wohl daran, dass der S&P 500 – im Gegensatz zu den europäischen Aktienmärkten – einen recht schwachen Start in das Börsenjahr 2026 erlebt hat. Zum anderen haben sich die USA von einem großen Ölimporteur zu einem Ölexporteur entwickelt. Die USA sind damit bei Weitem nicht mehr so anfällig für Krisen auf den globalen Energiemärkten.
Mit dem Iran-Krieg und den steigenden Energiepreisen ist ein Risikofaktor aufgetaucht, der die optimistischen Erwartungen der Analysten für die Dax-Unternehmensgewinne bedroht. So gehen die Analysten derzeit davon aus, dass die Dax-Unternehmen im Geschäftsjahr 2026 zusammen einen Gewinn von umgerechnet 1.660 Indexpunkten erzielen werden. Damit wären die Gewinne 8,9 % höher als im Geschäftsjahr 2025 (Chart 1). Bei ihren Gewinnprognosen gehen die Analysten davon aus, dass die DAX-Unternehmen 2026 ihre Umsätze um 3,1 % steigern und ihre Nachsteuer-Gewinnmarge von 6,9 % auf 7,3 % verbessern werden.
Iran-Krieg gefährdet Analystenprognosen von 8,9 % Dax-Gewinnwachstum für 2026 Entwicklung der Dax-Gewinnerwartungen für die Geschäftsjahre 2024 bis 2026 in Indexpunkten
Bei einem länger anhaltenden Iran-Krieg mit hartnäckig hohen Energiepreisen werden die Unternehmensanalysten wohl bald ihre Prognose eines Dax-Umsatzwachstums von 3,1 % nach unten revidieren.
So gehen die Commerzbank-Volkswirte davon aus, dass die Konjunktur im Euroraum im Sommer um bis zu 0,2 Prozentpunkte schwächer wachsen dürfte als bisher prognostiziert, falls der Ölpreis nun für eine längere Zeit im Bereich von 80 Dollar verharren sollte. Und im Risikoszenario eines über längere Zeit über 100 Dollar notierenden Ölpreises könnte das Wachstum sogar um 0,4 Prozentpunkte schwächer ausfallen als erwartet. In diesem Risikoszenario hält es die Commerzbank für wahrscheinlich, dass die Prognose der Dax-Unternehmensanalysten für das Dax-Umsatzwachstum schrittweise Richtung 0 % fallen dürfte.
Zudem dürften hohe Energiepreise mittelfristig für viele Dax-Unternehmen die Input-Kosten erhöhen, beispielsweise in der deutschen Chemieindustrie. Mit einer längeren Dauer des Krieges dürften die Analysten ihre optimistische Prognose einer von 6,9 % auf 7,3 % wachsenden Dax-Nachsteuer-Gewinnmarge schrittweise nach unten anpassen. Steigende Gewinnmargen der Unternehmen waren in den vergangenen Quartalen vor allem für die US-Aktienmärkte ein wichtiger Kurstreiber, und auch der Dax hat seit dem Herbst 2025 durch steigende Gewinnmargen etwas Rückenwind bekommen.
Stoppt der Iran-Krieg die jüngste Verbesserung der Gewinnmargen? Dax, Stoxx 600, S&P 500: Nachsteuer-Gewinnmargen der Unternehmen in %
Wie es in der Studie heißt, ist man bei der Commerzbank intern mit vorsichtigem Optimismus in das Dax-Jahr 2026 gegangen, und man erwarte bisher ein moderates Wachstum der Dax-Unternehmensgewinne von 4 % bis 6 %. Mit dem Iran-Krieg und den stark steigenden Energiepreisen sei nun aber ein Risikofaktor aufgetaucht, der dieses leicht optimistische Bild gefährde.
Beim hausinternen Basisszenario geht man jedoch davon aus, dass der Iran-Krieg schließlich doch nur wenige Wochen dauern wird, da sowohl der Iran als auch die USA wenig Interesse an einem langen Krieg haben dürften. So sei der Iran auf die Deviseneinnahmen durch Ölexporte durch die Straße von Hormus angewiesen, und US-Präsident Trump werde mit Blick auf die US-Zwischenwahlen im November bestrebt sein, dass der Iran-Krieg mit seinen hohen Ölpreisen von kurzer Dauer sein wird. Daher bleibt die Commerzbank derzeit bei der Einschätzung, dass in den kommenden - wahrscheinlich turbulenten - Wochen mögliche Dax-Konsolidierungen von 10 % Nachkaufgelegenheiten für Dax-Investoren sind.
In einem Risikoszenario mit einem unerwartet lange anhaltenden Iran-Krieg und hartnäckig hohen Ölpreisen im Bereich von 100 Dollar und mehr sieht die Commerzbank allerdings die Gefahr, dass die Dax-Unternehmensgewinne 2026 trotz XXL-Fiskalpaket der deutschen Regierung nicht steigen und damit erneut enttäuschen werden. In diesem Risikoszenario würde sich die Dax-Korrektur wohl über mehrere Monate hinziehen, und der Dax könnte zwischenzeitlich bis zu 20 % von seinem Allzeithoch verlieren, so das Urteil.
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