Wichtig für Ihr Depot: Droht beim Dax eine Korrektur oder setzt sich der Rekordlauf fort
Als Anleger profitiert Ihr Portfolio vom Rekordlauf des Dax, aber Firmengewinne stagnieren und Konjunktur schwächelt. Eine Commerzbank-Studie beleuchtet das Paradox und zeigt, ob Ihnen weitere Kursgewinne winken oder künftig Verluste drohen. Wir berichten.
Dax-Investoren können sich seit Anfang 2024 über beeindruckende Kursgewinne freuen. Der Dax-Kursindex, in dem die jährlich ausgeschütteten Dividenden nicht angerechnet werden, ist seitdem um beeindruckende 37% gestiegen, konstatiert die Commerzbank in einer Publikation vom 22.08. Wie es darin weiter heißt, sind die Erwartungen der Analysten für die Dax-Unternehmensgewinne im gleichen Zeitraum kaum vom Fleck gekommen, sondern haben in den gut eineinhalb Jahren gerade einmal 4% zugelegt.

Die zuständigen Analysten haben ihre Gewinnerwartungen insbesondere für Branchen stark nach unten revidiert, die für die deutsche Wirtschaft und damit auch den deutschen Aktienmarkt eine wichtige Rolle spielen. Für den Autosektor in Europa haben die Analysten ihre 2025er-Gewinnschätzungen seit Anfang 2024 um 58% gesenkt, für den Chemiesektor sind die Gewinnprognosen um 24% gefallen, und auch für die Industrie gingen die Schätzungen um 9% nach unten.
Es gibt nach Angaben der Commerzbank aktuell in Deutschland und Europa nur wenige Sektoren wie den Bankensektor – hier haben die Analysten ihre 2025er-Gewinnprognosen seit Anfang 2024 um 11% angehoben – mit einem positiven Gewinnrevisions-Momentum.

Dax inzwischen hoch bewertet
Folglich sind die Kursgewinne des Dax seit Anfang 2024 fast ausschließlich auf eine höhere Bewertung zurückzuführen – so ist das KGV in diesem Zeitraum von 11 auf 15 gestiegen. 2024 trieben vor allem die deutlichen Leitzinssenkungen der Europäischen Zentralbank und der US-Notenbank das Dax-KGV von 11 auf 13 nach oben.
In der ersten Hälfte dieses Jahres brachte dann insbesondere der Regierungswechsel in Deutschland und der damit erfolgende durchgreifende Kurswechsel zu einer sehr expansiven Finanzpolitik den deutschen Aktienmarkt wieder verstärkt auf den Radarschirm internationaler Investoren, was das KGV weiter von 13 auf 15 nach oben drückte (Chart 3). Damit liegt das KGV mittlerweile deutlich über dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre von 13, so das zitierte deutsche Kreditinstitut.

Auch das Kurs-Buchwert-Verhältnis des Dax hat sich seit Anfang 2024 von 1,3 auf 1,8 ausgeweitet und notiert damit auf einem Niveau, welches in den vergangenen zwanzig Jahren selten übertroffen wurde.

Die von den Dax-Unternehmen ausgeschüttete Dividendensumme hat seit dem Geschäftsjahr 2022 im Bereich von 52 Mrd. Euro stagniert. Da diese wohl auch für das Geschäftsjahr 2025 – insbesondere wegen zu erwartender Dividendenkürzungen im Autosektor – kaum steigen wird, ist die Dax-Dividendenrendite seit Anfang 2024 von 3,5% auf 2,7% gefallen. Damit liegt die Rendite nach Angaben der Commerzbank nicht nur auf einem Mehrjahrestief, sondern bietet erstmals seit 2008 keinen deutlichen Renditevorteil gegenüber der Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe.

Gute Gründe für steigende Dax-Unternehmensgewinne im Geschäftsjahr 2026, ...
Angesichts der bereits ambitionierten Dax-Bewertung dürfte der Dax-Index in den kommenden Quartalen nur dann nachhaltig weiter zulegen, wenn sich auch Fundamentaldaten wie Unternehmensgewinne, Buchwerte und Dividendensumme verbessern. Die Unternehmensanalysten sind hier zuversichtlich und erwarten – nach einem mit weitgehend stagnierenden Gewinnen erneut enttäuschendem Geschäftsjahr 2025 – für 2026 aktuell ein überdurchschnittliches Gewinnwachstum von 14%.

Nach Meinung des Aktienstrategen Andreas Hürkamp gibt es gute Argumente, dass die Dax-Unternehmensgewinne im nächsten Jahr tatsächlich endlich zulegen werden:
• Auch wenn praktisch alle Dax-Unternehmen weltweit agieren, dürfte es ihnen helfen, dass ihr Heimatmarkt Deutschland wegen der Zinssenkungen der EZB und insbesondere der sehr expansiven Finanzpolitik der deutschen Regierung erstmals seit vielen Jahren wieder spürbar wachsen wird. So rechnet die Commerzbank für 2026 mit einem deutschen BIP-Wachstum von 1,4% - nach einem nur minimalen Plus von 0,2% in diesem Jahr (Tabelle am Ende der Publikation).
• In einigen Euro-Ländern dürfte die Finanzpolitik zwar eher bremsen. Allerdings sollte die Wirtschaft auch hier von dem kräftig von 4,0% auf 2,0% gesunkenen EZB-Einlagensatz profitieren.
•Und auch für den trotz Zollstreit weiterhin für viele Dax-Unternehmen wichtigen US-Markt erwartet die Commerzbank ein robustes Wachstum von 1,9% für 2026, gestützt von einer laut unseren Prognosen von 4,5% auf 3,0% sinkenden Obergrenze für den US-Leitzins.
Zudem könnte ein möglicher Wiederaufbau in der Ukraine nach einem hoffentlich bald beschlossenen Friedensvertrag dem Dax 2026 etwas Gewinnfantasie geben. Und es wird mit Blick auf 2026 spannend werden, ob Dax-Konzerne – wie von manchen Analysten erwartet – in der Lage sein werden, Künstliche-Intelligenz-Tools so in ihre Geschäftsprozesse zu integrieren, dass sie schneller, effizienter und profitabler arbeiten können.
... aber auch einige Risikofaktoren
Allerdings gibt es beim Dax-Gewinnausblick auf das kommende Jahr einige Risikofaktoren. Dies gilt nach Einschätzung von Hürkamp insbesondere für den Exportmarkt USA. So dürfte der Dollar im Zuge der von der Commerzbank erwarteten deutlichen US-Leitzinssenkungen gegenüber dem Euro abwerten: Ende 2026 dürften 1,25 US-Dollar für einen Euro gezahlt werden. Eine noch ausgeprägtere Dollarschwäche, unter anderem ausgelöst durch einen Vertrauensverlust in die US-Politik infolge eines sehr hohen US-Haushaltsdefizits und Sorgen um die Unabhängigkeit der US-Notenbank, würde die Hoffnung auf ein zweistelliges Dax-Gewinnwachstum wohl im Keim ersticken.
Auch vom Handelsstreit mit den USA droht Gegenwind, falls es beim vereinbarten Basiszoll von 15% für Exporte in die USA bleiben sollte. Einige Dax-Unternehmen könnten dadurch gezwungen sein, ihre Produktion in den USA auszubauen, was 2026 wohl zunächst zu höheren Kosten führen dürfte.
Zudem wird es wichtig sein, ob die recht drastischen negativen Gewinnrevisionen im Auto- und Chemiesektor aufgrund der besseren Konjunkturperspektiven für 2026 bald auslaufen. Doch in beiden Sektoren herrscht wohl auch 2026 ein enormer Wettbewerbsdruck, beispielsweise im Autosektor durch die Konkurrenz aus China im Markt für Elektroautos. Aufgrund der genannten Risikofaktoren dürften die von den Analysten erwarteten 14% Dax-Gewinnwachstum für 2026 zwar zu ambitioniert sein, aber ein Wachstum von 6% bis 8% hält die Commerzbank für realistisch.
Fazit: Dax-Positionen halten und in schwächeren Marktphasen aufstocken
Die Dax-Rally von 37% seit Anfang 2024 steht laut Hürkamp fundamental auf wackeligen Beinen. Denn die Dax-Unternehmensgewinne und die Dax-Dividendensumme treten – ähnlich wie die deutsche Wirtschaft – seit mehreren Jahren auf der Stelle. Doch die acht Leitzinssenkungen der EZB, die wohl anstehenden weiteren Leitzinssenkungen der US-Notenbank und die deutlich höheren Ausgaben des deutschen Staates sprechen dafür, dass 2026 nicht nur die deutsche Wirtschaft, sondern auch die Gewinne der Dax-Unternehmen wieder spürbar zulegen werden.
Die Commerzbank empfiehlt daher Investoren, Dax-Positionen trotz der mittlerweile recht hohen Bewertung zu halten und Positionen eventuell in schwächeren Marktphasen, beispielsweise ausgelöst durch die anhaltend hohe politische Unsicherheit in den USA, nochmals aufzustocken.
Anmerkung der Redaktion: Wir raten ebenfalls dazu, investiert zu bleiben. Zu überdenken wäre diese Grundhaltung aber für den Fall, dass die Charttechnik Ausstiegssignale sendet. Aktuell ist das aber nicht der Fall, sondern der langfristige charttechnische Aufwärtstrend beim Dax ist intakt.
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