Trotz Krisenstimmung: Wie der Dax bis Ende 2026 um fast 12 % auf neue Rekorde steigen kann
Die DZ Bank hat trotz inländischer Flaute bei Konjunktur und Sentiment ihre Dax-Prognose erhöht. Wir berichten und erklären, warum die Bank dem deutschen Aktienleitindex neue Bestmarken zutraut.
Die Stimmung in Deutschland ist derzeit alles andere als euphorisch. Viele Bürger sind unzufrieden mit der betriebenen Politik, die Wirtschaft wächst kaum, Unternehmen klagen über hohe Energiekosten, zu viel Bürokratie und Reformstau.
Die wieder gestiegene Inflation bremst zudem den privaten Konsum, wobei die EZB wegen der zu hohen Teuerung eben erst ihren Leitzins erhöht hat, was ebenfalls die Stimmung trübt. Wobei im Hintergrund von alledem auch geopolitische Konflikte schwelen, insbesondere der Iran-Krieg.
Globale Aktienmärkte trotzen den Turbulenzen
Vor diesem Hintergrund wirkt es zunächst überraschend, dass die DZ Bank ihre Prognose für den Dax zum Ende der Vorwoche angehoben hat und dem deutschen Leitindex demnächst wieder neue Rekordstände zutraut. Zumal die zuständigen Analysten die Lage in ihrer aktuellen Kapitalmarktanalyse ebenfalls als schwierig einstufen.
Dennoch prognostiziert das Kreditinstitut für die internationalen Aktienmärkte trotz vermutlich anhaltend hoher Schwankungen eine Fortsetzung des mittelfristigen Aufwärtstrends. Als entscheidender Motor dieser Entwicklung gilt die weiterhin starke Gewinnentwicklung der Unternehmen, welche die geopolitischen Risiken in den Hintergrund drängt. Der globale Hauptantrieb bleibt der anhaltende Boom um die Künstliche Intelligenz (KI) sowie der daran gekoppelte Aufwärtszyklus in der Halbleiterindustrie, was den weltweiten Börsen spürbaren Aufwind verleiht.
DZ Bank Research Aktienindexprognosen im Überblick
| Index | Schlusskurs (12.06.2026) | Prognose (31.12.2026) | Potenzial bis Ende 2026 |
|---|---|---|---|
| DAX | 24.635,30 Punkte | 27.500 Punkte | +11,63 % |
| Euro Stoxx 50 | 6.187,63 Punkte | 6.700 Punkte | +8,28 % |
| S&P 500 | 7.431,46 Punkte | 8.500 Punkte | +14,38 % |
| MSCI World | 4.781,84 Punkte | 5.400 Punkte | +12,93 % |
Quelle: DZ Bank
Für den US-Aktienmarkt zeigt sich die Frankfurter Institut Bank sehr zuversichtlich und sieht den S&P 500 bis zum Ende des Jahres 2026 bei einer Marke von 8.500 Punkten. Zwar bleibt die Dynamik im Halbleiterbereich fundamental wichtig, das Fundament der Kursgewinne präsentiere sich inzwischen jedoch deutlich breiter aufgestellt.
Untermauert wird diese Einschätzung durch die jüngste Berichtssaison für das erste Jahresviertel 2026, in der etwa 80% der Gesellschaften die Prognosen für die Gewinne übertreffen konnten. Analysten reagierten daraufhin mit Heraufstufungen für die Gewinnentwicklung im Gesamtjahr und kalkulieren nun mit einem Plus von ungefähr 15,5 %.
Zudem stützen die solide Konjunktur und verlässliche geldpolitische Rahmenbedingungen die Entwicklung. Die US-Wirtschaft dürfte dank massiver Investitionen in die technologische Infrastruktur im laufenden Jahr um rund 2,6 % zulegen. Abweichend von den allgemeinen Erwartungen an den Märkten rechnet die DZ Bank nicht mit einer geldpolitischen Straffung durch die Federal Reserve, sondern geht von unveränderten Leitzinsen bis zum Jahresende aus. Bis zum Jahresschluss 2026 wird dem S&P 500 ein weiteres Aufwärtspotenzial von etwa 10 % zugetraut.
Gewinnwachstum als Stütze für den Dax
Auch für den deutschen Aktienmarkt äußern sich die Analysten konstruktiv und formulieren für den Dax ein Kursziel von 27.500 Punkten bis zum Ende des Jahres 2026. Bis zur Mitte des Jahres 2027 soll der Leitindex anschließend um diesen Wert pendeln. Getragen wird dieser Trend maßgeblich von den Erträgen der Unternehmen. Nach zwei zuvor eher schwachen Jahren prognostiziert die DZ Bank für die Dax-Konzerne im laufenden Jahr ein durchschnittliches Wachstum beim Gewinn je Aktie von 14 % und für das Folgejahr ein Plus von 13 %.
Der deutsche Leitindex partizipiert über Umwege am weltweiten Technologieboom, was dem Kursverlauf im weiteren Jahresverlauf positive Impulse verleihen dürfte. Zwar beinhaltet der Index selbst nur sehr wenige Unternehmen mit einem unmittelbaren Schwerpunkt im Bereich der Künstlichen Intelligenz, viele der international aktiven Konzerne sind jedoch fest in die Lieferketten der Halbleiterindustrie integriert.
Der globale Aufschwung erreicht den Dax demnach weniger über direkte Technologieanbieter als vielmehr über die entsprechenden Ausrüster und Zulieferbetriebe. Als zusätzliche positive Faktoren für den deutschen Markt werden die nachlassenden Spannungen am Ölmarkt sowie Signale für eine Beruhigung im Nahen Osten genannt. Trotz einer aktuell schwachen Wirtschaftslage in der Heimat dürfte sich der Index weiter von der nationalen Konjunktur abkoppeln und die jüngsten Senkungen der Wirtschaftsprognosen für Deutschland ignorieren. Die Widerstandsfähigkeit basiert vielmehr auf der globalen Ausrichtung der Konzerne sowie auf spezifischen Sondereffekten in einzelnen Branchen.
Sektoren im Fokus: Industrie führt das Feld an
Innerhalb des Dax zeigt sich laut DZ Bank bei den einzelnen Branchen ein sehr gespaltenes Bild bezüglich der Ertragslage. Das Schwergewicht Industrie fungiert hierbei als wichtigster Wachstumstreiber, während aus der Finanzwelt und der Technologiebranche ebenfalls solide Beiträge kommen. Eine negative Entwicklung wird hingegen im Bereich des Basiskonsums erwartet. Im Finanzsektor profitiert das traditionelle Bankgeschäft von den moderaten Zinsschritten der Europäischen Zentralbank im Zuge des anhaltenden Inflationsdrucks, was auf eine ohnehin stabile Ertragslage der Institute trifft.
Die Industrieunternehmen spüren positiven Rückenwind durch staatliche Infrastrukturprojekte im Inland sowie durch wachsende Budgets für die Bereiche Verteidigung und Sicherheit. Im Segment des zyklischen Konsums, das stark durch die Automobilwerte geprägt wird, zeichnet sich nach einer Phase anhaltender Herabstufungen eine Stabilisierung ab. Die Erträge erholen sich hier zwar von einer niedrigen Ausgangsbasis, die intensive Konkurrenz aus China bleibt jedoch ein erheblicher Unsicherheitsfaktor für künftige Enttäuschungen bei den Geschäftszahlen.
Einfluss der Branchen auf die Dax-Ergebnisentwicklung im Überblick
Zuversichtlicher Blick auf den Euro Stoxx 50
Im direkten Vergleich mit dem Dax stuft die DZ Bank den Euro Stoxx 50 als noch widerstandsfähiger ein, was man unter anderem mit einer geringeren Abhängigkeit der europäischen Konzerne von den Energiepreisen begründet. Das Plus beim Gewinn je Aktie wird für den europäischen Leitindex im laufenden sowie im kommenden Jahr auf solide rund 10 % geschätzt.
Die stabile Nachfrage im Bereich der Banken und Versicherungen bildet ein verlässliches Fundament, während Unternehmen aus der Energie- und Rüstungsbranche von den politisch notwendigen Ausgaben für die allgemeine Versorgungssicherheit profitieren. Für das Jahresende 2026 veranschlagt die DZ Bank für den Euro Stoxx 50 einen Stand von 6.700 Punkten.
Für das erste Halbjahr 2027 rechnet das zitierte Institut bei allen drei Indizes mit einer Seitwärtsbewegung auf hohem Niveau, da das Gewinnwachstum nachlässt und der entscheidende Treiber für weitere Kursgewinne fehlt.
Anmerkung der Redaktion: Falls neue externe Störfeuer ausbleiben, kann die Prognose der DZ Bank durchaus aufgehen.
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