Kein Bargeld - nur Digitalgeld...

wann und warum??

Mitte März 2016 haben wir an dieser Stelle bereits darauf hingewiesen, dass unser Bargeld in absehbarer Zeit verschwinden könnte. Anlass dieses Thema aufzugreifen, war das angekündigte Ende des 500 Euro-Scheins. Der EZB-Rat hat dann am 4. Mai tatsächlich beschlossen, dass die 500-Euro-Banknote ab 2018 nicht mehr produziert und in Umlauf gebracht werden soll. Der 500er bleibt jedoch gesetzliches Zahlungsmittel und laut Europäischer Zentralbank unbegrenzt umtauschbar.

Wer in dieser Maßnahme noch keine ernste Gefahr für das Bargeld gesehen hat, der dürfte mit Blick auf die Entwicklung in Indien nachdenklicher geworden sein. Indiens Regierungschef Narendra Modi hatte am 8. November 2016 kurzerhand Geldscheine im Wert von 500 und 1000 Rupien zu unzulässigen Zahlungsmitteln erklärt. Dabei geht es anders als in Europa beim 500 Euro-Schein nicht um das Ende eines extrem großen Geldscheines, der beim täglichen Bezahlen keine große Rolle spielt. In Indien wurden quasi über Nacht rund 86 Prozent des gesamten Bargeldes aus dem Verkehr gezogen. Die Inder sollten ihr Geld auf Konten einzahlen und nachweisen, ob sie das Geld jemals versteuert hatten. Offiziell wurde dieser Schritt damit begründet, dass die Schattenwirtschaft in Indien bekämpft werden soll.

Dass wir auf dem Weg zu einer bargeldlosen Welt sind, wird besonders auch mit Blick auf Schweden deutlich. Dort sind heute viele Geschäfte und Restaurants nicht mehr auf Bargeld eingestellt. Selbst geringe Summen werden elektronisch bezahlt und oft einfach per Smartphone überwiesen. Die schwedischen Banken haben in den vergangenen Jahren die Anzahl der Geldautomaten um fast die Hälfte reduziert und dabei zudem noch die maximalen Auszahlungssummen deutlich gesenkt. Die meisten schwedischen Banken weigern sich mittlerweile, Bargeld überhaupt noch anzunehmen.

Wir meinen: Wenn es nur noch digitales Geld geben würde, dann würde das Geld komplett und uneingeschränkt unter dem Zugriff des Staates stehen. Noch massivere Negativzinsen könnten leichter durchgesetzt werden. Zudem könnten die Sparer dann bei Bankpleiten bequem und quasi auf Knopfdruck dazu herangezogen werden, ihren Beitrag zur Sanierung einer Bank zu leisten. Mit der Abschaffung des Bargeldes würde jeder Bürger zudem vollkommen transparent werden.

Nicht zuletzt aufgrund der Enthüllungen eines Edward Snowden, dessen Enthüllungen tiefe Einblicke in das Ausmaß der weltweiten Überwachungs- und Spionagepraktiken von Geheimdiensten gaben, wissen wir, dass unsere Privatsphäre im digitalen Zeitalter fast einem offenen Buch gleicht. Einige Bürger mag eine derartige Einschränkung der Privatsphäre nicht stören, weil man ja nichts zu verbergen habe. Hierzu sagt Snoden: „Wenn du damit argumentierst, kein Interesse an deiner Privatsphäre zu haben, weil du nichts zu verbergen hast, ist dies dasselbe wie zu sagen, dass dir die Redefreiheit egal ist, weil du nichts zu sagen hast.“

 

Freundliche Börsentage wünscht Ihnen

Matthias Rieger