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DAX vs. TecDAX: Ist die Performance-Diskrepanz nur ein Ausrutscher oder ein Hinweis auf größere Strukturprobleme?
29.12.2025 | Money Mail Nr. 103/2025Die Performance-Kluft in den vergangenen zwölf Monaten zwischen dem Dax und dem TecDax ist mit verbuchten Zuwächsen von 22,63% bzw. von 4,64% ungewöhnlich groß. Die Differenz ist so groß, dass sich aus unserer Sicht die Frage stellt, ob das ein eher zufälliges Ergebnis ist oder ob sich dahinter handfeste dauerhafte Gründe verbergen. Wir halten aktuell die folgenden drei Erklärungsansätze für plausibel:
1. Die Fiskal-Rallye und ihre Ernüchterung: Ein signifikanter Teil der DAX-Outperformance basierte auf der Hoffnung rund um das massive Fiskalpaket, dass die neue Bundesregierung nach den letzten Wahlen verabschiedet hat. Das dadurch angelockte Anlagekapital floss in einer ersten Reaktion vermutlich bevorzugt in die großen, liquiden Standardwerte, die als direkte Profiteure staatlicher Infrastruktur- und Energieprogramme gelten.
Dass der DAX jedoch seit Monaten stagniert, zeigt aber auch: Die Vorschusslorbeeren sind aufgezehrt. Die aufkommende Ernüchterung über die schleppende Umsetzung und die bleibenden strukturellen Defizite haben dem DAX in eine Seitwärtsbewegung manövriert, während der TecDAX von diesen staatlichen Impulsen bisher ohnehin kaum profitieren konnte.
2. Die „Werkbank“ in der Geopolitik-Falle: Die Diskrepanz verdeutlicht die unterschiedliche Krisenfestigkeit in einer neuen Welt von Protektionismus und Regionalisierung. Die Dax-Riesen agieren heute etwas vereinfacht ausgedrückt relativ entkoppelt vom Standort Deutschland; sie produzieren längst dort, wo ihre Kunden sitzen, und umgehen so Handelsbarrieren.
Der TecDax hingegen repräsentiert die „physische Werkbank“ in Deutschland. Diese hochspezialisierten Exporteure sind standortgebunden und werden durch die neue Weltordnung massiv unter Druck gesetzt. Die schwache Performance spiegelt die Sorge wider, dass die reine Ingenieurskunst „Made in Germany“ als alleiniges Geschäftsmodell nicht mehr ausreicht.
3. Anschluss verloren oder Bewertungschance? Dass der MDax und globale Small Caps (MSCI World Small Cap Index mit ca. 20 %) deutlich besser liefen als der TecDax, belegt: Es ist kein pauschales Problem kleinerer Firmen, sondern eine spezifische Skepsis gegenüber dem deutschen Tech-Mix. Dem Index fehlt die skalierbare Software-Fantasie der KI (Künstliche Intelligenz. Während globale Nebenwerte von der digitalen Transformation profitieren, blieb der TecDax zumindest jüngst in der zyklischen Industriestagnation stecken.
Fazit: Die Schere zwischen Dax und TecDax ist das Resultat einer temporären Fiskal-Euphorie im DAX bei gleichzeitiger struktureller Skepsis gegenüber dem Tech-Standort. Die Tatsache, dass auch der Dax in den vergangenen Monaten nur noch stagnierte, deutet womöglich darauf hin, dass der Markt nun die alles entscheidende Grundsatzfrage stellt: Wie zukunftsträchtig ist Deutschland in der neuen Weltordnung wirklich?
Vor diesem Hintergrund wird es spannend sein zu beobachten, wie sich der Dax im neuen Jahr schlägt und vor allem, ob der TecDax die Performancelücke wieder schließen kann oder ob dahinter tatsächlich ein Strukturproblem steckt. Wir wagen ehrlich gesagt derzeit diesbezüglich noch keine Prognose und machen unsere weiteren strategischen Anlageentscheidungen auch mit davon abhängig, welchen Trend uns der Markt im neuen Jahr vorgibt.
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