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Bei CRH trifft operative Stärke auf ein eingetrübtes Chartbild

19.03.2026 | Money Mail Nr. 022/2026

Nach den zuletzt besprochenen irischen Bankwerten lohnt sich auch ein Blick auf einen weiteren Titel mit Wurzeln auf der grünen Insel, dessen wirtschaftliche Realität allerdings inzwischen stark von Nordamerika geprägt wird. Die Rede ist von CRH Plc, einem Baustoffkonzern, der sich in den vergangenen Jahren zu einem der wichtigsten Infrastrukturzulieferer in den USA entwickelt hat. Im Gegensatz zu AIB und Bank of Ireland, die zuletzt von einem konstruktiven Umfeld profitieren konnten, zeigt sich bei dieser Altempfehlung von uns derzeit ein gemischteres Bild. Operativ läuft es weiterhin solide, doch an der Börse hat die Aktie nach einer starken Rallye spürbar korrigiert. Damit stellt sich die Frage, ob es sich um eine gesunde Konsolidierung handelt oder ob Anleger hier zunächst Geduld brauchen.

Warum die Aktie zuletzt unter Druck geraten ist: Die Kursentwicklung der vergangenen Monate lässt sich als klassische Kombination aus hohen Erwartungen und technischen Belastungsfaktoren erklären. Nachdem die Aktie zwischen Frühjahr 2025 und Anfang 2026 um rund 70 % zulegen konnte, kam es zuletzt zu einer deutlichen Korrektur von über 20 % gegenüber den Hochs.

Ein Auslöser war die Reaktion des Marktes auf die Zahlen zum vierten Quartal 2025. Zwar konnte CRH beim Ergebnis je Aktie von 1,52 Dollar die Konsensschätzungen laut DZ Bank erreichen, dennoch sorgte die im Vergleich zu sehr hohen Erwartungen weniger dynamische Entwicklung für Gewinnmitnahmen.

Hinzu kam ein struktureller Faktor: die Entscheidung, das Listing an der London Stock Exchange im April 2026 zu beenden und den Fokus vollständig auf die NYSE zu legen. Diese Maßnahme passt zwar zur strategischen Ausrichtung als US-Infrastrukturwert, führte kurzfristig aber zu technischem Verkaufsdruck durch europäische Fonds, die solche Titel nicht mehr halten dürfen.

Ebenfalls belastend wirkte das Umfeld steigender Energiepreise infolge geopolitischer Spannungen. Da die Zement- und Asphaltproduktion energieintensiv ist, reagieren Investoren hier besonders sensibel auf mögliche Margenrisiken.

Operativ weiter auf Wachstumskurs: Trotz der Börsenschwäche bleibt die operative Entwicklung laut Analysten insgesamt intakt. Berenberg verweist darauf, dass CRH in den vergangenen drei Jahren ein durchschnittliches EBITDAWachstum von rund 11 % pro Jahr erzielt hat und bereits das zwölfte Jahr in Folge seine Margen steigern konnte.

Für 2025 meldete der Konzern einen Umsatzanstieg um 5 % auf 37,4 Mrd. Dollar sowie ein EBITDA-Plus von 11 % auf 7,68 Mrd. Dollar. Die EBITDA-Marge verbesserte sich auf 20,5 %. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass das Umsatzwachstum vor allem akquisitionsgetrieben war, während das organische Wachstum leicht rückläufig war.

Für 2026 stellt das Management ein EBITDA zwischen 8,1 und 8,4 Mrd. Dollar in Aussicht, was einem Wachstum von etwa 5 % bis 11 % entspricht. Analysten sehen hier weiteres Potenzial, insbesondere durch Infrastrukturprogramme, Reindustrialisierungstrends und zusätzliche kleinere Übernahmen.

Auch die DZ Bank betont, dass CRH mit seiner Strategie gezielter Ergänzungsakquisitionen seine Marktstellung in einem stark fragmentierten Markt systematisch ausbaut. Allein 2025 wurden 38 Übernahmen mit einem Volumen von rund 4,1 Mrd. Dollar umgesetzt.

US-Infrastruktur als zentraler Wachstumstreiber: Ein entscheidender Faktor bleibt die starke Positionierung im US-Infrastrukturmarkt. Rund drei Viertel des operativen Ergebnisses stammen inzwischen aus Nordamerika. Programme zur Modernisierung von Verkehrswegen, Energieinfrastruktur und Rechenzentren sorgen für eine solide Grundnachfrage. Gerade der Ausbau von Datencentern im Zuge des KI-Booms eröffnet zusätzliche Absatzchancen für Spezialbaustoffe und Infrastrukturleistungen. Gleichzeitig ermöglicht der strategische Wandel vom reinen Materiallieferanten zum Anbieter integrierter Lösungen tendenziell höhere Margen.

Allerdings zeigt sich auch eine Zweiteilung der Nachfrage. Während Infrastrukturprojekte und Industriebauten robust bleiben, dürfte der private Wohnungsbau laut Berenberg wegen hoher Zinsen zunächst schwach bleiben. Diese Segmentunterschiede könnten die Dynamik insgesamt etwas dämpfen.

Kapitalallokation bleibt aktionärsfreundlich: Positiv zu werten ist weiterhin die Kapitalpolitik. CRH kombiniert Investitionen in Wachstum mit Dividenden und Aktienrückkäufen. Zuletzt wurde die Quartalsdividende auf 0,39 Dollar erhöht, zusätzlich läuft ein Aktienrückkaufprogramm über 300 Mio. Dollar.

Dies signalisiert Vertrauen des Managements in die eigene Cashflow-Generierung. Gleichzeitig stieg durch die Übernahmestrategie die Nettoverschuldung auf rund 14,2 Mrd. Dollar. Auch wenn das Verhältnis von Nettoschulden zu EBITDA mit etwa 1,8 noch moderat erscheint, bleibt dies ein Punkt, den Anleger im Blick behalten sollten – insbesondere bei längerfristig höheren Zinsen.

Bewertung und Risiken: Nach der Kurskorrektur erscheint die Bewertung wieder etwas moderater, nachdem die Aktie zuvor stark von ihrer Aufnahme in den S&P 500 und der US-Infrastrukturstory profitiert hatte. Berenberg stuft die Bewertung im Branchenvergleich weiterhin als attraktiv ein. 

Dieses Urteil ist auch aus unserer Sicht nachvollziehbar. Zumindest wenn sich die Analystenprognosen bewahrheiten. Denn diese sehen den Gewinn je Aktie von 2025 bis 2029 von 5,51 Dollar auf 8,73 Dollar steigen. Auf letztgenannter Basis ergibt sich ein geschätztes KGV von 11,7. Das ist weder optisch betrachtet übertrieben hoch, noch scheint es gemessen an den Ergebnisaussichten überzogen zu sein.

Gleichzeitig ist klar, dass CRH inzwischen kein unterschätzter Wert mehr ist. Als etablierter S&P-500-Titel steht das Unternehmen stärker im Fokus internationaler Investoren. Entsprechend sensibel reagiert der Markt auf kleinere Abweichungen von den Erwartungen.

Zu den wichtigsten Risiken zählen neben konjunkturellen Faktoren vor allem:
– steigende Finanzierungskosten bei weiter hohen Zinsen
– mögliche Margenbelastungen durch Energiepreise
– schwächere Entwicklung im privaten Bausektor
– Integrationsrisiken aus der aktiven Akquisitionsstrategie

Ein weiterer Aspekt ist die zunehmende „Amerikanisierung” der Aktie. Für europäische Anleger bedeutet der Fokus auf die US-Notierung stärkere Währungsabhängigkeit sowie eine gewisse Entkopplung vom europäischen Kapitalmarkt.

Anlageurteil: Unter dem Strich ergibt sich momentan ein zweigeteiltes Bild. Fundamental sprechen viele Argumente weiterhin für CRH: solide Wachstumsfelder, steigende Margen, eine starke Stellung im US-Infrastrukturmarkt sowie eine aktionärsfreundliche Kapitalpolitik.

Gleichzeitig ist aber nicht zu übersehen, dass das Chartbild nach der kräftigen Korrektur deutlich an Dynamik verloren hat. Nach der starken Rallye bis Anfang 2026 ist der Titel nun in einer Phase angekommen, in der operative Fortschritte auch wieder durch entsprechende Kursimpulse bestätigt werden müssen. In der Hoffnung, dass dies mittelfristig gelingt, halten wir vorerst weiter an dieser Position fest.

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