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KI macht das Investieren schwer - unser Anlageleitfaden zum Navigieren durch das digital Neuland

17.02.2026 | Der Internationale Nr. 04/2026

Das aktuelle Börsenjahr 2026 sieht oberflächlich betrachtet, rein gemessen an der Performance wichtiger Aktienindizes, passabel aus. Dabei ist bei einem genaueren Hinsehen das Geschehen von einer tiefgreifenden Unsicherheit geprägt, die weit über die üblichen zyklischen Schwankungen hinausgeht.

Denn wir erleben gerade einen technologischen Strukturbruch, der die Grundfesten etablierter Geschäftsmodelle erschüttert. Die Herausforderung für uns als Anleger besteht darin, dass die Künstliche Intelligenz (KI) nicht mehr nur ein abstraktes Versprechen ist, sondern begonnen hat, die Wertschöpfungsketten real zu verändern. Dies führt zu einem Phänomen, das oft als „AI Scare Trade“ bezeichnet wird: Der Markt neigt dazu, ganze Segmente pauschal abzustrafen, sobald auch nur die theoretische Möglichkeit einer Disruption durch intelligente Software im Raum steht.

An diesem Montag erwischte es mit einem Minus von mehr als 6 % mit Siemens sogar einen Titel, der vor wenigen Tagen noch als KI-Gewinner gefeiert wurde. Uns trafen die jüngsten volatilen Bewegungen als Investoren, die verstärkt auf Momentum als Anlagestil setzen ebenfalls insofern, als Momentum jüngst einen der größten relativen Ausverkäufe verzeichnet hat. 

Das Problem, das mit KI einhergeht, ist die enorme Geschwindigkeit, mit der Wissen demokratisiert und Prozesse automatisiert werden, was die bisherigen „Burggräben“ vieler Unternehmen innerhalb kürzester Zeit austrocknen lässt.

In einer solchen Phase ist es vollkommen verständlich, sich - so wie das auch bei uns der Fall ist - in einem Vakuum der Unentschlossenheit zu fühlen. Die herkömmlichen Analyseraster, die oft auf historischen Durchschnittswerten oder rein sektoralen Vergleichen basieren, greifen zu kurz, wenn eine Technologie die Grenzkosten für Dienstleistungen massiv nach unten drückt. Sogar ein kompletter Rückzug aus dem Markt scheint verlockend, wobei wir davon derzeit aber noch absehen. Denn ein solcher rigoroser Schritt birgt das Risiko, die gewaltigen Produktivitätssprünge zu verpassen, die diesen Strukturwandel begleiten. Historisch gesehen war die Flucht aus dem Markt bei technologischen Umbrüchen oft ein kostspieliger Fehler, da die Gewinner der neuen Ära meist aus den Trümmern der alten hervorgingen. Denken wir in diesem Zusammenhang nur an den Aufstieg des E-Commerce. Auch damit gingen erhebliche Umwälzungen einher, doch am Ende gab es neben herben Verlierern auch starke Gewinner.

Strategien für das Navigieren im Strukturbruch

Um in diesem Umfeld erfolgreich zu agieren, ist eine Verschiebung der Perspektive hin zu einer detaillierten Analyse der operativen Resilienz erforderlich. Anstatt auf Sektoren zu setzen, die „früher einmal sicher waren“, sollten Anleger Unternehmen nach ihrem Schutz gegen eine vollständige digitale Ersetzbarkeit filtern. Ein wesentlicher Anhaltspunkt ist hierbei die physische oder regulatorische Verankerung. Unternehmen, die kritische Infrastruktur besitzen, physische Güter bewegen oder rechtliche Letztverantwortung tragen, besitzen eine natürliche Barriere, die durch Software allein nicht überwunden werden kann. Sie nutzen die KI oft zur eigenen Effizienzsteigerung, anstatt durch sie ersetzt zu werden. Ein weiterer entscheidender Faktor ist die Qualität und Agilität des Managements. In Zeiten eines Strukturbruchs zeigen sich Schwächen in der Führung besonders deutlich. Achten Sie auf Vorstände, die proaktiv kommunizieren, wie sie KI in ihre Kernprozesse integrieren, um Margen zu schützen oder neue Umsatzquellen zu erschließen. 

Warnsignale sind hingegen reaktive Aussagen, die KI lediglich als Trendthema abtun oder erst auf Druck der Analysten vage Pläne präsentieren. Ein Vorstand, der nicht versteht, dass Datenhoheit und technologische Adaption im Jahr 2026 über das Überleben entscheiden, stellt ein erhebliches Risiko für das investierte Kapital dar.

Praktische Ansätze zur Risikominimierung

Für die praktische Umsetzung empfiehlt es sich, das Portfolio nach der „Unersetzlichkeit“ neu zu ordnen. Betrachten wir ein Unternehmen A, das als reiner Vermittler von Informationen oder Dienstleistungen agiert. Hier ist das Risiko einer Margenkompression extrem hoch, da KI diese Vermittlungsleistung effizienter und kostengünstiger erbringen kann. Im Gegensatz dazu steht Unternehmen B, das über ein gewaltiges Netzwerk an Sachwerten oder proprietären Daten verfügt. Hier dient die KI als Turbo für die interne Produktivität, was langfristig sogar zu höheren Gewinnen führen kann, selbst wenn der Kurs kurzfristig unter dem allgemeinen Marktdruck leidet. Zudem sollte man als Anleger nicht versuchen, fallende Messer aufzufangen, nur weil ein Unternehmen „billig“ erscheint. In einem echten Strukturbruch gibt es keine Garantie für eine Rückkehr zu alten Höchstständen, wenn das Geschäftsmodell dauerhaft beschädigt ist.

Konzentrieren sollte man sich stattdessen auf jene Werte, die nach einer panikartigen Korrektur als erste eine relative Stärke zum Gesamtmarkt zeigen. Dies sind oft die künftigen Marktführer, die den Wandel bereits erfolgreich antizipiert haben. Durch eine konsequente Auswahl von Qualitätswerten, die KI als Werkzeug zur Dominanz nutzen, gelingt es hoffentlich, dem derzeitigen Vakuum der Unsicherheit zu entkommen und langfristig als Anleger erfolgreich zu bleiben. Wir sagen es aber offen und ehrlich: Investieren ist inmitten der jüngsten KI-bedingten Verwerfungen ganz bestimmt nicht einfacher geworden.

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