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Wenn aus 2 + 2 = 5 werden soll: Die neue Mathematik der US-Politik

20.01.2026 | Der Internationale Nr. 02/2026

Wir haben uns in dieser Ausgabe beim Editorial für ein anderes Thema als sonst üblich entschieden. Aber auch wenn der Aufhänger nur indirekt etwas mit der Börse zu tun hat, haben die übergeordneten Zusammenhänge, um die es dabei geht, doch auch das Potenzial, langfristig und strukturell auf das Marktgeschehen einzuwirken. Abgesehen davon trieb uns bei der Themenwahl vor allem die Angst um die Demokratie um – wobei auch das Bezug zur Börse hat, da Demokratien im Schnitt höhere Bewertungen zugestanden bekommen dürften als unfreiere Gesellschaftsformen. Doch damit nun zum eigentlichen Thema: 

In der Welt der Kapitalmärkte galt bisher ein ungeschriebenes Gesetz: Zahlen lügen nicht. Ob KGVs, Dividendenrenditen oder Verschuldungsquoten – die Arithmetik bildete das verlässliche Fundament, auf dem Investoren ihre Entscheidungen trafen. Doch wer in diesen Tagen die Nachrichten aus den USA verfolgt, muss feststellen, dass dieses Fundament Risse bekommen hat. Wenn ein US-Präsident in einer offiziellen Ansprache verkündet, die Preise für Medikamente würden durch seine Aktivitäten um 300 %, 400 % oder gar 500 % gesenkt, dann ist das nicht mehr nur politische Rhetorik. Es ist der Versuch, die Grundregeln der Mathematik außer Kraft zu setzen. 

Zur Einordnung: In George Orwells Roman "1984" ist die Manipulation von Sprache und Logik (wie das berühmte "2 + 2 = 5") ein zentrales Machtinstrument. Wenn heute behauptet wird, Preise könnten um 500 % sinken, ohne dass dies als Fehler korrigiert wird, nähert sich die politische Kommunikation tatsächlich diesem Zustand an. Aus der Perspektive der Administration wird die Mathematik hier der Botschaft untergeordnet: Das Gefühl einer "gigantischen Ersparnis" soll die physikalische Unmöglichkeit der Zahl überstrahlen. Aus dieser zitierten Trump-Aussage lässt sich konkret ableiten, dass wir uns in einer Ära der permanenten Disruption befinden, in der die Schlagzeile wichtiger geworden ist als die Substanz. Mathematisch gesehen führt jede Preissenkung von über 100 % in den Bereich der Negativpreise – ein Szenario, in dem Unternehmen ihren Kunden Geld dafür bezahlen müssten, dass diese ein Produkt abnehmen. In der realen Ökonomie bedeutet ein solcher preislicher Kahlschnitt schlicht den Totalverlust und das sofortige Ende jedes Geschäftsmodells. 

Dass solche Aussagen dennoch unwidersprochen im Raum stehen bleiben und von Teilen der Öffentlichkeit sogar als Erfolg gefeiert werden, zeigt, wie sehr die "Parteibrille" mittlerweile die klare Sicht auf ökonomische Fakten vernebelt. Man kann aus dieser Entwicklung ableiten, dass für den modernen Anleger eine neue Form der Wachsamkeit erforderlich ist. Wir erleben eine Zeit, in der das politische Narrativ – getrieben von einem ständigen Drang nach medialer Aufmerksamkeit und dem nächsten "Kick" in den Schlagzeilen – versucht, die Realität zu überschreiben. 

Analysten und Marktbeobachter stehen vor der Herausforderung, dieses "Rauschen" von den tatsächlichen Marktentwicklungen zu trennen. Während die politische Bühne mit astronomischen Prozentangaben jongliert, müssen Investoren kühlen Kopf bewahren und prüfen, was davon in den Bilanzen der betroffenen Branchen tatsächlich ankommt. Man sollte daher skeptisch gegenüber allzu optimistischen Vorhersagen bleiben, die auf rein rhetorischen Versprechen basieren. Die Geschichte zeigt, dass radikale Ankündigungen oft an den Hürden der Bürokratie, des Rechtsweges oder schlicht an den Gesetzen der Physik und Mathematik scheitern. Wer sich von den Superlativen des Tages blenden lässt, riskiert, die langfristigen Risiken einer zunehmend erratischen Wirtschaftspolitik zu unterschätzen. 

Gerade für Leser eines Börsenbriefs ist es essenziell, sich nicht in den "Rausch" der täglichen Sensationsmeldungen ziehen zu lassen. Die Aufgabe des rationalen und freiheitsliebenden Akteurs besteht vielmehr darin, die „Orwellsche Tendenz” zu erkennen, bei der Fakten der politischen Zweckmäßigkeit geopfert werden. Wahre Stabilität und Rendite erwachsen am Ende immer aus der Welt der korrekten Kalkulation, nicht aus der Welt der Phantasie-Prozente. Wer den Unterschied zwischen einer Schlagzeile und einer Bilanz kennt, ist für die kommenden Turbulenzen am besten gerüstet. 

Während wir versprechen, alles zu tun, um weiterhin den Durchblick in einem Umfeld zu bewahren, das immer mehr an eine „Orwellsche Welt“ erinnert, rufen wir gleichzeitig fast schon verzweifelt dazu auf, dass jeder einzelne sich vehement gegen den immer mehr um sich greifenden Populismus wehrt. Denn wenn das nicht der Fall ist, könnte es für die Demokratie als Staatsform eng werden. Und das wäre, wie bereits angedeutet, sicherlich auch nicht förderlich für die Aktienmärkte der negativ betroffenen Länder.

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