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Geopolitische Systemfehler: Warum die USA zu einem Marktrisiko geworden sind
08.04.2026 | Austria Börsenbrief Nr. 14/2026Pünktlich zum Redaktionsschluss wurde beim Iran-Krieg offenbar ein zweiwöchiger Waffenstillstand vereinbart. Kommt es dazu, könnten die Börsen zunächst erleichtert reagieren. Unabhängig davon, wie die Sache am Ende ausgeht, warnen wir aber vor der Annahme, dass mit einem Schlag alles wieder so wird wie in früheren Jahren. Denn die Welt ist heute eine völlig andere und verantwortlich dafür ist nicht zuletzt die Entwicklung in den USA. Was sich dort verändert hat, haben wir an dieser Stelle beispielsweise in den beiden vergangenen Ausgaben aus verschiedenen Blickwinkeln heraus besprochen. Weil wir das für das wichtigste Thema im Marktumfeld halten, schieben wir jetzt auch noch einen dritten Teil nach. Dabei greifen wir auf eine externe Meinung zurück, auch um zu zeigen, dass nicht nur wir die Dinge in den USA kritisch betrachten. Am Ende ziehen wir aus alledem dann noch ein anlagestrategisches Fazit.
Eine besonders scharfsinnige Analyse liefert hierzu Heinz-Werner Rapp, Gründer des Feri Cognitive Finance Institute. Er sieht die USA unter Donald Trump in einer „Kultur systematischer Politikfehler” gefangen. Das Kernproblem sei der Umbau zu einem autokratischen Herrschaftsprinzip, bei dem die politische Macht so stark auf eine Person konzentriert ist, dass Korrekturmechanismen und Expertenmeinungen gezielt ausgeschaltet werden. Rapp beschreibt eindringlich, wie Informationen an der Spitze nur noch „aufgehübscht” ankommen und kritische Risikoanalysen als politisch unliebsam geächtet werden. Führung degeneriere so zu einem Mix aus Ignoranz und Überheblichkeit.
Der Iran-Krieg ist für ihn daher kein Zufall, sondern das zwangsläufige Ergebnis eines Systems, das Warnungen von Militärplanern – etwa zur Verwundbarkeit der Straße von Hormus oder zur asymmetrischen Reaktionsfähigkeit des Iran – so lange verwässert, bis ein vermeintlich günstiges Risikoprofil übrigbleibt. Die ökonomischen Folgen dieser „autokratischen Selbstgefälligkeit” sind laut Feri weltweit spürbar. Die Blockade der zentralen Transportkorridore am Golf trifft die Weltwirtschaft über einen massiven Angebotsschock bei Energie und kritischen Agrar- Vorprodukten wie Ammoniak und Phosphat.
Rapp warnt, dass damit nicht nur die Inflation befeuert wird, sondern die USA als unberechenbarer Akteur die gesamte geoökonomische Stabilität opfern, um Ressourcenströme – etwa in Richtung China – taktisch zu kontrollieren. Der Weltwirtschaft würden so nicht nur enorme Risiken aufgebürdet, sondern es bestehe auch zunehmend die Gefahr, die USA ins moralische Abseits zu stellen. Nicht zu vergessen ist dabei auch, dass die extrem hohen Kriegskosten sowohl die Staatsverschuldung als auch die Zinsausgaben der USA weiter nach oben treiben werden. Zwei Aspekte, die ihren ganz eigenen Problemkreis mit sich bringen.
Für Investoren zeichnet das Feri-Institut ein kritisches Bild: Der „Skorpion” am Golf sei geweckt worden und habe kaum noch etwas zu verlieren. Da die USA unter hohem Zeit- und Schuldendruck stünden, empfiehlt Rapp dringend ein Multi-Asset- Portfolio, das physische Rohstoffe aktiv gewichtet und Risiken in langlaufenden Zinspapieren konsequent vermeidet, um sich gegen die dauerhaft erhöhten geopolitischen Risikoprämien zu schützen.
Wir wiederum halten es für sinnvoll, die skizzierte politische Konstellation ernst, und nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Einer unserer Ratschläge im aktuellen Umfeld lautet, den Fokus im Aktienbereich in Richtung „strategische Resilienz” zu verschieben. Da klassische Preissetzungsmacht in Zeiten disruptiver KI-Modelle schwerer zu greifen ist, rücken Unternehmen in den Vordergrund, deren Geschäftsmodelle auf einer technologischen Unverzichtbarkeit in geschützten Märkten basieren und die über eine hohe Anpassungsfähigkeit sowie regionalisierte Lieferketten verfügen.
Zudem gilt es bei anziehender Inflation das Rohstoffsegment in die Anlageüberlegungen einzubeziehen, weil dieser Bereich bei steigenden Preisen traditionell gut performt. Darüber hinaus muss das allgemein gestiegene Risiko berücksichtigt werden, was bis auf Weiteres dafürspricht, vorsichtiger zu agieren als das früher über viele Jahre hinweg der Fall gewesen ist.
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