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Geopolitische Risiken - warum die Märkte (noch) gelassen bleiben und wann sich das ändert

28.01.2026 | Austria Börsenbrief Nr. 04/2026

In der vergangenen Ausgabe schrieben wir an dieser Stelle, dass mit der von US-Präsident Trump betriebenen Politik unter anderem höhere geopolitische Risiken einhergehen. Diese Einschätzung ist kein Hirngespinst, sondern beschäftigt auch zahlreiche institutionelle Marktteilnehmer. Das zeigt ein Blick in unser Emailfach, in dem zuletzt auffallend viele Studien zu genau diesem Themenkomplex eingegangen sind – einem Feld, zu dem wir sonst eher selten umfangreiches Material erhalten.

Umso bemerkenswerter ist, dass sich der von der Chicago Board Options Exchange (CBOE) berechnete Volatilitätsindex VIX trotz dieser Gemengelage weiterhin unauffällig präsentiert. Das wichtigste Stimmungsbarometer für die erwartete Schwankungsintensität am US-Aktienmarkt signalisiert bislang weder Nervosität noch Stress.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die zentrale Frage, wann zunehmende geopolitische Risiken in Kombination mit den politischen Tendenzen in den USA – und damit im Land mit dem wichtigsten Aktienmarkt weltweit – sich auch nachhaltig negativ in der Performance an den internationalen Börsen niederschlagen.

Ein zentraler Erklärungsansatz liegt darin, dass Finanzmärkte Risiken nicht isoliert bewerten, sondern stets relativ zu Wachstum, Liquidität und Ertragsaussichten. Solange die US-Wirtschaft robust wächst, Unternehmensgewinne zulegen und die Finanzierungsbedingungen nicht spürbar restriktiver werden, bleiben politische und geopolitische Risiken häufig ein Hintergrundrauschen. 

Zudem haben die Märkte gelernt, mit provokativer Rhetorik und erratischer Kommunikation umzugehen. Viele Akteure gehen davon aus, dass zwischen politischer Zuspitzung und realwirtschaftlich relevanten Maßnahmen eine erhebliche Distanz liegt. 

Hinzu kommt der stabilisierende institutionelle Rahmen. Der US-Aktienmarkt ist tief, liquide und stark international verankert. Politische Verwerfungen führen daher meist nicht zu Kapitalflucht, sondern eher zu sektoralen Umschichtungen. Große Investoren agieren zunehmend regelbasiert und orientieren sich stärker an harten Daten als an Schlagzeilen. 

Solange weder die Unabhängigkeit der Notenbank noch die Funktionsfähigkeit der Kapitalmärkte konkret infrage gestellt werden, bleibt der Risikoaufschlag begrenzt – was sich unmittelbar im niedrigen VIX widerspiegelt. Nachhaltig negativ auf die Börsen wirken geopolitische Risiken in der Regel erst dann, wenn sie ökonomisch messbar werden. Das kann über steigende Energiepreise, gestörte Lieferketten, fiskalische Entgleisungen oder eine spürbare Verschlechterung der Investitionsbedingungen geschehen. 

Für die USA käme ein weiterer Faktor hinzu: Wachsende Zweifel an Rechtsstaatlichkeit und verlässlichen Spielregeln würden nicht abrupt, aber schleichend Vertrauen kosten. In einem solchen Szenario dürfte auch die Volatilität ihren derzeitigen Gleichmut verlieren. 

Für Anleger liegt der entscheidende Wendepunkt daher weniger in politischen Schlagzeilen als in den Märkten selbst: Erst wenn steigende Volatilität mit fallenden Gewinnrevisionen, engeren Finanzierungsbedingungen und einer breiten Risikoaversion über Anlageklassen hinweg zusammenfällt, ist es an der Zeit, die bisherige Anlagestrategie grundsätzlich zu überdenken.

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